Dienstag, 18.02.2020

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Malerei: Ausstellung im Fürther Stadttheater

Angela Spanopoulos und Helmut Nennmann führen die Kunst der Abstraktion vor - 25.01.2020 18:32 Uhr

Sie studierte an der Nürnberger, er an der Münchner Akademie der Bildenden Künste: Gemeinsam wagen Angela Spanopoulos und Helmut Nennmann den „Doppelblick“.


Nennmann lotet in Öl auf Leinwand das Feld zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion aus. Das Motiv verschwindet dezent hinter einer Komposition aus klaren geometrischen Formen und gedämpften, oft erdigen Farben. Was aber nun dominiert, der konkrete Grund und Boden oder seine abstrakte Bebauung und Gestaltung, das lässt sich kaum sagen. Einiges wirkt wie gespachtelt, mehrdimensional, auf- und einbrechend.

Immer wieder ordnet der Künstler Quadrate an. Kein Wunder, ist der gebürtige Brandenburger doch gelernter Landschaftsarchitekt – er lebt in Wiesentheid – und betrachtet die Natur daher strukturell. Nennmann malt raumgreifend und detailliert, ohne sich in Einzelheiten zu verlieren. Ein Werk kommt durch den Einsatz von Kreis und Rechteck vordergründig geordnet daher; eine Häuserlandschaft scheint sich im Hintergrund anzudeuten; um den dominierenden Kreis ist ein quadratisches Feld angelegt. Letztlich entscheidet der Betrachter selbst, inwieweit er sich der Abstraktion überlässt oder den angedeuteten Dingen folgt.

Die Vorgehensweise könnte man als Ordnungsprozess verstehen, in dessen Verlauf Form, Farbe, Raum, Vordergrund und Hintergrund, Licht und Schatten ihren passenden Platz erhalten. Jede Kategorie bekommt genau das, was sie benötigt, um ihre volle Kraft zu entfalten. Nennmann überlässt sich dabei einfach dem Malprozess, lässt ihn dynamisch fließen.

Genau das verbindet ihn mit Angela Spanopoulos. Bei ihr muss man jedoch gar nicht nach Gegenständlichem suchen. Sie bringt nichts Konkretes auf die Leinwand, gibt ihren Acrylwerken auch keine Titel. Die Farben leuchten kräftig, dabei spielt die Nuance und ihre Helligkeit eine ebenso wichtige Rolle wie ihr Auftrag, der mal bewegt-stürmisch und mal sachte sein kann.

Die Malerei von Spanopoulos – in Nürnberg war sie Dollhopf-Schülerin, sie lebt in Wassertrüdingen – ist geprägt von schwungvollen geometrischen Formen und gebogenen Linien, die durch einen gestischen Strich mit dem Pinsel in Fahrt gebracht werden, von anderen Figuren durchkreuzt oder übertönt. Dieses Zusammentreffen von Geraden und Rundungen gibt den Bildern ihre Kraft und Lebendigkeit, löst die Bestandteile auf und schafft sie neu. Es entsteht ein Spannungsbogen zwischen ordnenden Elementen und persönlichem Ausdruck.

Bewegung ist eine zentrale Kategorie bei Spanopoulos. Dieser Pulsschlag ist jedoch nicht unruhig, sondern eher vibrierend. In einer Reihe von Arbeiten, die an Pflanzen erinnern, leuchtet intensives Grün in mehreren Schichten, wächst reliefartig aus dem Bild und erzeugt eine besondere Weite. Abstraktion meint hier nicht Reduktion, vielmehr scheint aus der Fülle der Wahrnehmung ein Farbenextrakt zu entstehen.

"Doppelblick": Art-Agency Hammond im Stadttheater, 60-30 Minuten vor Vorstellungsbeginn und nach Vereinbarung unter Tel. 77 07 27. Bis 14. März.

Claudia Schuller

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