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Manege frei für junge Artisten

Der Kulturzirkus Ammerndorf meint mehr als nur Akrobatiknummern - 30.04.2019 11:58 Uhr

Jonglage, Trapezkunst oder Taubendressur – die Ammerndorfer Nachwuchsartisten haben aufregende Proben im Zirkus Rondel hinter sich und fiebern heute dem großen Auftritt entgegen.


Und als wären das nicht schon genug Hingucker, lässt sich im Hintergrund ein Mädchen, kopfüber am Trapez hängend, in die Manege hinunter. Alle sind bei den Proben hochkonzentriert. Am heutigen Freitagabend steht die Premiere ihrer Kindergala-Vorstellung an.

Diese findet im Rahmen des diesjährigen Ammerndorfer Kulturzirkus statt. Seit 2011 gibt es das Projekt, immer in den ungeraden Jahren. Dazwischen nehmen sich die Macher eine schöpferische Pause.

Das hängt mit dem großen Planungsumfang zusammen. Schließlich bietet das Projekt knapp 200 Kindern die Möglichkeit, fast eine ganze Woche lang Zirkusluft zu schnuppern. Dabei geht es nicht nur um den schillernden Moment in der Manege. Kreativität, Selbstwertgefühl, Sozialkompetenzen und motorische Fähigkeiten sollen geschult werden.

"Natürlich sollen die Kinder bei uns aber auch eine Menge Spaß haben", erklärt René Ortmann. Er ist der Leiter des Zirkus Rondel aus Hannover, der das Ammerndorfer Projekt von Beginn an mit ermöglichte. Ortmann und seine Familie sind bereits in der siebten Generation Artisten. Der Zirkus Rondel hat sich mittlerweile auf Kinderprojekte spezialisiert. Das 16-köpfige Team trainiert an mehreren Tagen mit den Mädchen und Jungen und sorgt für deren Sicherheit. In den Pausen kümmern sich 22 Praktikanten um Betreuung und Verköstigung der Nachwuchsakrobaten.

Einer von ihnen ist Kian. Der Zehnjährige ist schon zum zweiten Mal dabei. "2017 war ich ein Pirat", berichtet er. Mit bloßem Verkleiden war es dabei nicht getan. Für die Show durfte er sich mit einem Tau von Schiff zu Schiff schwingen, für einen Zaubertrick wurde er in einem Fass stehend von Lanzen durchbohrt, und sogar ein Schwertkampf wurde einstudiert.

Menschen-Pyramide

Heuer toppt Kian das Ganze, indem er gleich zwei Rollen bekleidet. Zusammen mit anderen wird er eine menschliche Pyramide bauen. Doch noch mehr Konzentration verlangt ihm sein Auftritt als Clown ab. "Meine Mitschüler sagen zwar oft, ich sei lustig. Aber die Texte auswendig lernen, fällt mir noch etwas schwer", sagt Kian. Während er erzählt, scharrt er bereits hibbelig mit den Füßen. Die nächste Probe steht an, Kian möchte jede Minute zur Vorbereitung nutzen. Denn bei der Premiere werden seine Eltern, Freunde und sogar seine Freundin im Publikum sitzen.

Glücklicherweise haben sich Kians Anhänger frühzeitig um Eintrittskarten bemüht. Zwar bietet das hintere der beiden Zelte Platz für 500 Zuschauer. Doch laut Kulturzirkus-Organisator Olaf Seltmann sind bereits beide Kindergala-Vorstellungen heute und morgen restlos ausverkauft. Natürlich möchten vor allem die Familien der Kinder sehen, was ihre Sprösslinge zusammen mit den Profis einstudiert haben.

Die Auswahlmöglichkeiten waren auch in diesem Jahr umfangreich. Neben Feuerspucken, Clownerie sowie Ziegen- und Taubendressur stehen auch zahlreiche akrobatische Einlagen auf dem Programm. Eine gewisse Sportlichkeit kann da nicht schaden.

Das weiß auch Luna, das Mädchen am Trapez. Die 13-Jährige ist ambitionierte Schwimmerin, trainiert fünf Mal pro Woche. Viele andere Kinder hatten sich am Trapez nicht richtig hochziehen können, erzählt sie. Klar, dass bei der Vergabe der Auftritte auch solche Kriterien eine Rolle spielen; immerhin geht es für Kind und Trainer am Trapez in der Vorstellung rund zehn Meter nach oben, fast bis unter das Zeltdach. Doch auch damit hat Luna schon Erfahrung. Zum dritten Mal ist sie nun beim Kulturzirkus dabei, immer als Akrobatin. "Ich mache mit, weil es mir Spaß macht. Doch es ist schon auch ein tolles Gefühl, wenn die Leute einem zujubeln", sagt sie.

Vorstellungstauglich findet Luna ihren Auftritt aber noch nicht. Bei einer Nummer müssen sie und eine Freundin sich in der Luft an den Händen fassen. "Das klappt noch nicht hundertprozentig, deshalb muss ich jetzt weiter proben", erklärt sie. Mit diesem Arbeitseifer ist sie anscheinend nicht alleine. Bevor es im Ammerndorfer Kulturzirkus also "Manege frei!" heißt, lautet das Motto erst einmal: "Üben! Üben! Üben!" 

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