Männer, Macht, Rituale: Fürther Schau zur Freimaurerei

5.5.2017, 11:00 Uhr
Weltbaumeister in Diensten der Toleranz: Friedrich von Brandenburg-Bayreuth sorgte im 18. Jahrhundert für die Verbreitung der Freimaurerei — im Bild ihre Insignien als Exponate der aktuellen Schau — in Franken.

Weltbaumeister in Diensten der Toleranz: Friedrich von Brandenburg-Bayreuth sorgte im 18. Jahrhundert für die Verbreitung der Freimaurerei — im Bild ihre Insignien als Exponate der aktuellen Schau — in Franken. © Foto: André De Geare

Was haben Mozartkugeln, die automobile "Ente", Suchard- und Toblerone-Schokolade, Jazzer Count Basie, Stummfilmkomiker Harold Lloyd, Bleistifte von Faber-Castell, Goethes "Faust" und die Bild-Zeitung miteinander gemeinsam? Sie liegen mit 52 Artikeln in einer Vitrine, und alle haben sie bzw. ihre Urheber mit der Freimaurerei zu tun. Ein Exponat jedoch gehört nicht hinein. Welches? Das darf der Besucher herausfinden. Roland Hanke, ehemaliger Meister vom Stuhl der Fürther Loge "Zur Wahrheit und Freundschaft", verrät es jedenfalls nicht.

Freimaurer sind keine Schwarzarbeiter. Auch vermag längst nicht jeder von ihnen, tatsächlich eine Mauer hochzuziehen. Obwohl die Freimaurer sich von den Steinmetzen und Architekten der mittelalterlichen Kathedralen herleiten und jedem offen stehen, entstammt der größte Teil ihrer Mitglieder aus dem gehobenen und intellektuellen Bürgertum.

Fragt sich, was es dann mit dem Maurerwerkzeug in der Vitrine auf sich hat. Auch dies verrät die Schau: Der Freimaurer betrachtet die Welt als ein Gebäude, dessen oberster Bauherr Gott - oder "die höchste Wesenheit" - ist. Er selbst ist sowohl Werkzeug wie Bauelement dieses Gebäudes. Also ein Stein, der als anfänglich grober Klotz behauen werden muss. Deshalb umgeben sich Freimaurer mit Werkzeug aus der Bauhütte als metaphorischen Ritualgeräten. Ein Spitzhammer dient quasi zur Charakterbildung, um störende Ecken und Macken abzuschlagen.

Die Kelle dient dazu, den Menschen mit anderen Menschen zu verbinden, wobei als Mörtel die Liebe fungiert - einen Eimer Mörtel sucht der Besucher freilich vergebens. Das Winkelmaß mahnt den Menschen zu Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, der Zirkel misst den Abstand zwischen den Herzen. Ein Zollstab von 24 Zoll Länge gemahnt daran, die Zeit sinnvoll zu nutzen, und das Senkblei lädt ein, innere Tiefen auszuloten. Eines ist gewiss: Die Arbeit an sich selbst kommt nie zu einem Ende.

Fränkische Ausnahme

1717 in London durch den Zusammenschluss mehrerer Logen zu einer Großloge etabliert, fasste die Freimaurerei in Deutschland 1737 erstmals in Hamburg Fuß. Preußens König Friedrich II., der bereits als Kronprinz sich sehr angetan gezeigt hatte, gab 1740 sein endgültiges Plazet: "In meinem Staate kann jeder nach seiner Fasson selig werden." In Franken sorgte sein Schwager Friedrich von Brandenburg-Bayreuth für ihre Verbreitung — ein Ausnahmefall im Königreich Bayern, wie eine Deutschlandkarte aus dem 19. Jahrhundert belegt. Das dichteste Logengedränge weisen Sachsen und Sachsen-Anhalt auf, sogar auf dem einsamen Helgoland tagt eine Loge.

Diese tragen zwar illustre Namen, leiten sich aber oft von profanen Wirtshäusern her, wie etwa die Bayreuther Loge "Zur Sonne". Auch Albrecht Dürer, der ganz gewiss kein Freimaurer war, steht Pate für eine Nürnberger Loge. "Aber seine geometrischen Arbeiten und Studien der menschlichen Proportion hatten es den Mitbrüdern angetan", verrät Roland Hanke.

Stehaufmännchen

Fürther Freimaurer geben sich durch ein Bijou als Mitglieder der Loge "Zur Wahrheit und Freundschaft" zu erkennen. Das Kleinod zeigt zwei Damen mit Spiegel und entblößtem Busen (Wahrheit) bzw. mit treu dasitzendem Hund (Freundschaft) einträchtig Hand in Hand. Weitere unentbehrliche Requisiten — neben Smoking, Fliege und Zylinder — sind die "Freimaurer-Kanonen": Trinkgläser mit massivkugeligem Boden, sogenannte Stehaufmännchen. Aus ihnen trinken die Freimaurer ihren Toast auf einen Zug und knallen sie lautstark auf den Tisch.

Den Bau des Logenhauses in der Dambacher Straße 1890/91 dokumentieren im Stadtmuseum Schuld- und Spendenscheine, aber auch Postkarten, die den orientalisch anmutenden Prunkbau neben dem Zentaurenbrunnen und dem Rathaus als Sehenswürdigkeit etablieren. Ein Stammbuch mit allen Mitgliedern samt Fotografien belegt die Historie der Fürther Loge ebenso wie das Tagebuch des Lebküchners und Meister vom Stuhl Daniel Lotter aus der Zeit des Dritten Reiches.

Was machen sie eigentlich?

Ein Rätsel bleibt seit 300 Jahren, was die Freimaurer eigentlich bei ihren Zusammenkünften machen. Hanke verrät immerhin so viel: "Sie diskutieren aktuelle gesellschaftliche Themen, wobei Parteipolitik und Religion jedoch ausgespart bleiben. Je kontroverser die Meinungen, umso besser, denn nur wenn sich der Mensch am Menschen und der Stein am Stein reibt, geschieht etwas Neues, Bedeutsames. Eine Versammlung Gleichgesinnter wäre ja langweilig."

Die Sonderausstellung ist bis 31. Mai zu sehen,.

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