Marathon: Sponsorengelder blieben aus

11.4.2012, 09:00 Uhr
Beim Start zum Hobbylauf des Metropolmarathons 2011 dominierten die Nürnberger Farben Rot und Schwarz. Bürgermeister Markus Braun (mit Startnummer 7700) hält mit den Fürther Stadtfarben Weiß und Grün dagegen. Rechts neben ihm läuft Benefiz-Organisator Bernhard Nuss (Startnummer 7380).

© Hans-Joachim Winckler Beim Start zum Hobbylauf des Metropolmarathons 2011 dominierten die Nürnberger Farben Rot und Schwarz. Bürgermeister Markus Braun (mit Startnummer 7700) hält mit den Fürther Stadtfarben Weiß und Grün dagegen. Rechts neben ihm läuft Benefiz-Organisator Bernhard Nuss (Startnummer 7380).

„Nürnberg ist rot-schwarz“, lautete das Motto, unter dem NWA gegen die Fürther beim Hobbylauf des Metropolmarathons 2011 stichelte. Der Fürther Marathon-Organisator Bernd van Trill nahm die Herausforderung des sportlichen Leiters von NWA, Bernhard Nuss, gerne an und erklärte seinerseits: „Fürth ist weiß-grün“. Es ging darum, welche Farben bei der Laufveranstaltung dominierten. Dahinter stand freilich das Bemühen, möglichst viele Läufer auf die Beine zu bringen.

Die Sportwette gewann NWA mit Abstand. Allerdings hatte der Verein sein Engagement auch werbewirksam als Benefiz für den Hospizverein Fürth deklariert: Für jeden gelaufenen Kilometer wollte er von Sponsoren einen Euro für die Hospizarbeit akquirieren. So konnte NWA 154 Schüler des Hardenberg-Gymnasiums zum Mitlaufen zum Nulltarif in den Farben Nürnbergs bewegen.

Geld von der GfK

Die acht Euro Startgebühren pro Schüler zahlte nämlich die GfK mit einer 2000-Euro-Spende und 175 Laufhemden im Wert von 2625 Euro finanzierte der Hospizverein – in der Hoffnung, diese Auslagen durch den Rückfluss der Kilometer-Euros mehr als ausgleichen zu können. Schließlich wurden immerhin 3031 Spendenkilometer „erlaufen“.

Doch die Sponsorensuche geriet zum Fiasko. Lediglich drei private Spenden in Höhe von insgesamt 520 Euro gingen im Zusammenhang mit dem Sponsorenlauf beim Hospizverein ein. Und das nicht einmal über NWA. „Ein Nürnberger Verein lässt Fürther Schüler unter anderem auf Kosten des Fürther Hospizvereins für eine Benefizaktion starten und führt die versprochenen Spenden und Kostenerstattung nicht ab. Der Verein macht Werbung auf Kosten von todkranken Menschen“, brachte es der Oberasbacher Peter Hübner in seiner Rundmail auf den Punkt.

Hübner hat den Verein nach Unstimmigkeiten über die Verwendung einer von seiner Ehefrau vermittelten 1000-Euro-Spende und die Trainingsmethoden des sportlichen Leiters nach einjähriger Familienmitgliedschaft wieder verlassen. Zusammen mit rund 15 ebenfalls ausgetretenen ehemaligen NWA-Mitgliedern läuft Hübner nun in einer privaten Trainingsgruppe. Abgespalten von NWA hat sich nach Differenzen zum Jahreswechsel auch die knapp 100-köpfige Laufgruppe Oberasbach – Stein.

In gutem Glauben

Der Vorsitzende des Fürther Hospizvereins, Ronald Hanke, bestätigt auf Anfrage der Fürther Nachrichten den von Hübner aufgezeigten Sachverhalt und hat dies auch in einer eidesstattlichen Erklärung für die juristische Auseinandersetzung dokumentiert. Er habe darauf vertraut, dass die ihm von Vereinsseite in Aussicht gestellten Spenden tatsächlich eingehen. Nur deshalb sei der nicht unvermögende Hospizverein auch finanziell in Vorleistung gegangen.

Weil er im Rahmen des Bayerischen Hospiztages in Fürth am Abend nach dem Hobbylauf Umweltminister Markus Söder und Familienministerin Christine Haderthauer ganz aktuell vom Spendenergebnis berichten wollte, fragte er bei Vereinsvertretern nach, wurde aber ohne Erklärung einfach stehen gelassen. Verwundert registriert Hanke auch, dass dem Fürther Hospizverein bislang nichts aus dem Überschuss aus der GfK-Spende überwiesen wurde.

Vor Gericht gab die Vereinsvorsitzende Ingeborg Nuss, Ehefrau des sportlichen Leiters, einem mit der Sponsorenakquise beauftragten damaligen Vereinsmitglied die Schuld am Totalausfall: „Ich wette, wenn mein Mann die Sache in die Hand genommen hätte, wäre das nicht passiert.“ Auf seiner Homepage hatte der Verein wochenlang damit geworben, bereits 6000 Euro Spendenmittel für den Hospizverein gesammelt zu haben.

Wie sich vor Gericht herausstellte, handelte es sich dabei jedoch um eine Spende aus dem Privatvermögen eines Firmenmanagers aus dem Fürther Landkreis, die unabhängig vom Benefizlauf und ohne Zutun des Vereins ohnehin an den Hospizverein geflossen wäre.

Richterin Ulrike Linhardt-Ostler zeigte sich gleich zu Beginn der Verhandlung indigniert von den Auswüchsen der Laufidee. „Sie sollten nicht Fürther Kinder dazu bringen, in rot-schwarz herumzulaufen“, hielt sie Nuss vor.

Das deckt sich mit der Einstellung von Bürgermeister Markus Braun, der betont, die Stadt sei in die konkreten Verhandlungen zwischen Bernhard Nuss und dem Hospizverein in keinster Weise eingebunden gewesen. „Auch die Werbung an den Fürther Schulen, die zu meiner persönlichen Verwunderung ja sogar in Rot-Schwarz angetreten sind, hätte niemals unsere Unterstützung gefunden.“ Dabei hält der Bürgermeister die Idee, Läufer der Nachbarstädte durch eine Wette zu mobilisieren grundsätzlich für vernünftig.

Gegen Hübner ist NWA wegen diverser Vorwürfe zur Vereinsführung und zum Umgang mit den Vereinsmigliedern mit einer Unterlassungsklage vorgegangen. Vor dem Amtsgericht schlossen beide Parteien einen Vergleich. Hübner muss seine Anschuldigungen nicht widerrufen, soll aber einige nicht wiederholen.

Bernhard Nuss ist mit dem Ausgang des Verfahrens nicht zufrieden, wie er auf Nachfrage der FN einräumt. Nun will er sich mit Hanke treffen, um die Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit dem Benefizlauf zu erörtern. Einen weiteren Benefizlauf unter der Parole „Nürnberg ist rot-schwarz“ plant Nuss beim diesjährigen Metropolmarathon nicht.

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