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Sonntag, 25.10.2020

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Mega-Solarparks in der Hand der Bürger

27.07.2020 11:00 Uhr

„Der Stromhunger wird immer größer“, sagt Stefan Paulus (rechts). Mit seinem Kollegen Max Seuberth hielt er die Fäden bei Projektierung, Planung und Bau des Solarparks Großhabersdorf-Wendsdorf in der Hand. Sobald die Anlage im August ans Netz geht, wird Paulus im Auftrag der Anlagen-Eigentümer – 36 Familien aus der Umgebung – die Geschäftsführung des Betriebs übernehmen.

© Foto: Thomas Scherer


Egal, wo man an der Anlage steht, es gibt keine Stelle, von der aus der Solarpark komplett überschaubar wäre. "Prima", kommentiert Projektleiter Stefan Paulus von der Firma Wust Wind & Sonne (Markt Erlbach) diese Beobachtung: "Das ist ja genau das, was wir wollen." Denn die Dimensionen sind enorm. Die Module ziehen sich über eine Länge von 380 Metern hin, in der Breite erstreckt sich der Solarpark über die gleiche Distanz. Wer die Einzäunung umrundet, legt etwa eineinhalb Kilometer zurück.

15 Hektar Fläche beansprucht die Solaranlage, die auf der Anhöhe über dem Großhabersdorfer Ortsteil Wendsdorf seit März entstanden ist. Im August soll sie ans Netz gehen. Den Beteiligten könnte die einmonatige Verzögerung der Inbetriebnahme wegen Lieferschwierigkeiten des chinesischen Modul-Herstellers die Tränen in die Augen treiben.

Mit jedem der zurückliegenden Sonnentage entgingen ihnen etwa 2500 Euro Einspeisevergütung. Mit einer Nennleistung von 10 Megawatt peak und einem jährlichen Energieertrag von knapp 11 Millionen Kilowattstunden (kWh) deckt das Kraftwerk den Strombedarf von etwa 3250 Haushalten.

Eine Menge, die vor Ort gar nicht mehr abgenommen werden kann und auch die Netzkapazitäten strapazieren würde. Über Umspannwerke wird der Solarstrom ins Netz des Großraumes abgeleitet. Paulus hat dazu seine ganz eigene Philosophie: "Früher haben die Landwirte Getreide nach Nürnberg geliefert, jetzt liefern sie eben den Strom dorthin."

Harter Konkurrenzkampf

Womit er mitten in dem Spannungsfeld angelangt ist, in dem sich jede Freiflächenanlage bewegt, dem zwischen Pflanzenbau der Landwirte und Energiererzeugung. Paulus spricht dabei ganz bewusst nicht von Lebensmittelproduktion. "Denn den härtesten Konkurrenzkampf liefern sich die Erzeuger erneuerbarer Energie untereinander."

Wo ein Solarpark entsteht, kann kein Mais mehr für Biogasanlagen angebaut werden. Allerdings liegt die Ausbeute von Solarmodulen ums bis zu 50-fache über dem von Mais auf der gleichen Fläche.

Aber schließlich sind auch Landwirte unter den fünf Eigentümern, die ihre Flächen für den Solarpark langfristig verpachten. "Da ist viel im Umbruch derzeit. Wetterkapriolen und Trockenheit erschweren den Getreideanbau, so sagt sich mancher Landwirt, dann mach’ ich lieber Strom", hat Paulus beobachtet. Unter den Modulen sollen Schafe weiden.

So ist das auch im Solarpark Unterulsenbach hinter Wilhermsdorf, knapp vor der Kreisgrenze zu Neustadt/Aisch geplant. Der steht noch nicht, allerdings hat Wust Wind & Sonne seit wenigen Tagen Baurecht. Dieser Solarpark bewegt sich in den gleichen Dimensionen wie der Wendsdorfer, geplanter Baustart ist im Herbst, noch in diesem Jahr soll Strom fließen.

Dabei geht Paulus davon aus, dass ab dem nächsten Jahr Anlagen mit der gleichen Leistung auf dann nur noch zehn Hektar unterzubringen sind. Die Technik entwickle sich rasant, gleichzeitig werden die Module immer günstiger. "Und der Stromhunger wird immer größer."

36 Familien investierten

Paulus ist mit seinem Kollegen Max Seuberth für Projektierung, Planung und Bau der Anlagen verantwortlich. Die beiden gehören zum Team der Wust Wind & Sonne GmbH & Co. KG, die seit 2009 vor allem Windräder baute. Das tut sie noch immer, aktuell mit zwei Anlagen, die gerade in der Nähe von Altdorf entstehen. Der Schwerpunkt liegt aber mittlerweile auf Solaranlagen – und das mit "echter Bürgerbeteiligung", wie Paulus betont.

Tatsächlich haben 36 Familien aus dem Großhabersdorfer Gemeindegebiet die eine Million Euro Startkapital für den Wendsdorfer Solarpark aufgebracht. Weitere fünf Millionen Euro sind über Darlehen finanziert. Die Bürger sind als Kommanditisten die Besitzer. In der Betriebsphase wird Paulus die Geschäftsführung übernehmen.

Die Leute vor Ort sollen Geld verdienen

Mit der über das Erneuerbare Energien Gesetz auf 20 Jahre garantierten Einspeisevergütung von 4,59 Cent je kWh rechnet sich die Anlage. Ehrgeizige acht Prozent Rendite sind angestrebt. "Oder anders gesagt: Wer jetzt 10.000 Euro einbrachte, soll die nächsten 25 Jahre 30.000 Euro zurückbekommen", erklärt Paulus.

"Für uns entscheidend ist, dass die Leute vor Ort das Geld mit dem Strom verdienen und nicht der Investor, der in Hamburg oder sonst wo sitzt. Und wenn sie sonntags dann um die Anlage spazieren, können sie sagen: Das ist unser Solarpark." Partner für das Unterulsenbacher Projekt werden noch gesucht. Die Reservierungsphase startet am morgigen Dienstag.

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