Dienstag, 19.11.2019

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Mega-Straßenprojekt bewegt die Veitsbronner

Die Bürger entscheiden am 26. Mai per Ratsbegehren über die lange diskutierte Umgehung - 05.05.2019 10:00 Uhr

Täglicher Infarkt: Der Verkehr quetscht sich durch die Fürther Straße in Siegelsdorf. Der Ortsteil würde von der Umgehung profitieren. © Horst Linke


Die Straße, oder vielmehr die Frage, ob man sie braucht beziehungsweise, was sie denn bringt, treibt die Bürger um. Kaum verwunderlich, dass die rund 200 Stühle in der Zenngrundhalle beim Infoabend zum Ratsbegehren fast alle besetzt waren.

So voll sei es hier zuletzt nur einmal gewesen, als es vor ein paar Jahren darum ging, das ehemalige Seniorenheim in der Puschendorfer Straße zur Flüchtlingsunterkunft zu machen, erinnerte sich Bürgermeister Marco Kistner. Gemeinsam mit Ingenieur Jürgen Wagner und Landschaftsarchitekt Klaus Scheuber erläuterte der Rathauschef das Vorhaben der Umgebung. Fakten und noch mehr Zahlen lieferte das Trio.

Nach etwas über einer Stunde hatten dann die Bürger die Möglichkeit, das Wort zu ergreifen. Vor dem Pult mit dem Mikrofon in der Saalmitte bildete sich schnell eine lange Schlange. Eigentlich sollten Fragen im Vordergrund stehen, doch viele nutzen die Gelegenheit zu mehr oder weniger ausschweifenden Statements – wobei die Umgehungsgegner, speziell aus Bernbach und Kagenhof, in der Mehrheit waren.

Die Bewohner dieser beiden Ortsteile werden, sollte die Umgehung gebaut werden, mit mehr Verkehr und Lärm rechnen müssen. Jürgen Wagner stellte dem die Entlastung für die Bürger in Siegelsdorf und im Kernort entgegen. Sollte sich zudem die E-Mobilität so entwickeln wie erhofft, könnte dieser Belastungsfaktor sinken. Doch dazu lassen sich keine verbindlichen Aussagen treffen. Dem sogenannten "Flüsterasphalt" erteilte Wagner eine Absage. Dieser Straßenbelag entfalte seine Wirkung erst bei einem Tempo von über 60 Stundenkilometern, auf Teilen der Umgehung gilt aber ein Limit von 50.

Bleibt es bei den Kosten von 31 Millionen Euro für die Straße oder werden es am Ende gar 40 oder 50 Millionen? Das ist abhängig davon, wann der Startschuss fällt, wie lange die Arbeiten dauern und wie sich die Baukonjunktur entwickelt. Aussagen dazu gibt es nicht, für Wagner wäre das "Kaffeesatzleserei".

Sorge um Geschäfte

Aber kann sich Veitsbronn das überhaupt leisten?, lautete eine weitere Frage. Man könne das Projekt umsetzen, ohne die Gemeinde an die Wand zu fahren, meint Kistner. Aber: "Wir müssen uns sicher an anderer Stelle einschränken."

Sollte die Umfahrung kommen, werde Veitsbronns Geschäftswelt zugrunde gehen, warnte ein Bürger und nannte Ammerndorf als warnendes Beispiel. Man müsse den Ort über Räume und Plätze attraktiv gestalten und ihn so an die Menschen zurückgeben, empfahl Wagner. Dann würden sich kleine Läden ansiedeln.

Die Umgehung werde es den Bürgern ermöglichen, die bestehenden Geschäfte, wie die Apotheke in Siegelsdorf oder die Sparkasse im Zentrum, wieder mit dem Auto anzufahren; denn Parken und Rangieren seien aufgrund des geringeren Verkehrsaufkommens wieder leichter möglich, hielt dem ein anderer Besucher entgegen. Hoffentlich werde die Planung bald umgesetzt, assistierte ein Siegelsdorfer, der die Situation in der Seukendorfer Straße als "verheerend" beschrieb.

Zwei Bürgerinnen forderten dagegen, die Flächenversiegelung zu stoppen und das Augenmerk auf den Hochwasser- und Trinkwasserschutz zu richten. Landschaft dürfe nicht zugunsten der Verkehrsberuhigung geopfert werden. Die Umgehung verdiene ihren Namen nicht, weil sie den Verkehr lediglich von einem Ortsteil in den anderen verlagere, monierte ein Bürger und wollte wissen, warum das Ratsbegehren über die gesamte Straße abstimmen lässt. Man könne doch auch nur den ersten Bauabschnitt realisieren.

Man habe den Stimmzettel einfach halten wollen, erläuterte der Bürgermeister – Motto: "eine klare Frage, eine klare Entscheidung".

Dass Letztere nun die Veitsbronner und nicht die von ihnen gewählten Gemeinderäte treffen sollen, die sich intensiv mit der Thematik befasst hatten, wurde in einer anderen Wortmeldung moniert. Denn: "Am Ende hat der Bürger den Schwarzen Peter".

Das wollte Marco Kistner nicht so stehen lassen. Egal wie der Gemeinderat, der in der Frage seiner Einschätzung nach "gespalten ist", auch entschieden hätte: Ein Bürgerbegehren hätte es so oder so gegeben, zeigte sich der Bürgermeister überzeugt. Er wirbt für eine möglichst große Wahlbeteiligung beim Ratsbegehren am 26. Mai. Wie sich die Veitsbronner auch entscheiden, eines dürfte sicher sein: Ein Dauerbrenner bleibt die Umgehung weiterhin.

Harald Ehm

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