Mehr Artenvielfalt: Bunte Wildnis neben dem Asphalt

14.6.2021, 11:00 Uhr
Gemäht werden die Seitenstreifen, wie hier an der Verbindungsstraße West, die von Fürth nach Zirndorf bzw. Oberasbach führt, natürlich nach wie vor. Allerdings müssen sich Norbert Weber, Leiter der Straßenmeisterei Ammerndorf, und seine Mitarbeiter umstellen. Die Ökologie rückt mehr in den Vordergrund.

Gemäht werden die Seitenstreifen, wie hier an der Verbindungsstraße West, die von Fürth nach Zirndorf bzw. Oberasbach führt, natürlich nach wie vor. Allerdings müssen sich Norbert Weber, Leiter der Straßenmeisterei Ammerndorf, und seine Mitarbeiter umstellen. Die Ökologie rückt mehr in den Vordergrund. © Foto: Thomas Scherer

Ein ökologisches Pflegekonzept bildet die Basis, um "diesen Schatz zu optimieren", wie es in einer Broschüre des Staatsministeriums für Wohnen, Bauen und Verkehr heißt. Was das für die Straßenmeistereien vor Ort bedeutet, erläutert Norbert Weber.

Wird es im Landkreis Fürth an den Straßenrändern bald wilder und bunter zugehen, Herr Weber?

Eindeutig ja, wobei natürlich in jedem Fall die Verkehrssicherheit immer im Vordergrund steht.

Viele Menschen machen zwar auf dem Papier gerne ein Kreuzchen, wenn es wie beim Volksbegehren "Rettet die Bienen" um mehr Artenvielfalt geht, aber die Straßenböschung soll bitteschön sauber gemäht sein. Befürchten Sie, dass Ihr Telefon heiß läuft?

Anrufe, wann wir zum Mähen vorbeikommen, gibt es jetzt schon. Ich denke, man muss da unterscheiden. Es wird Bürger geben, für die das Umweltbewusstsein im Vordergrund steht und die sich über die Pflanzen freuen, die dann dort wachsen. Andere wiederum hätten die Böschung gerne sauber gemäht, wie ihren Zierrasen im Garten. Und die Landwirte beschweren sich, wenn auf ihren Äckern Disteln und andere Dinge aufgehen. Wir müssen den Menschen erklären, was hinter dem Konzept steckt, denn für alle gilt: Sie müssen sich an die ordentliche Unordnung gewöhnen.

Wie mähen Ihre Mitarbeiter eigentlich bisher?

Wir haben sogenannte Intensivbereiche. Das sind Wiesenflächen und Bankette direkt an den Straßenrändern, an denen bis zu vier Meter breite Streifen wegen der Verkehrssicherheit, der Sichtfenster und der Leitpfosten zwei bis dreimal im Jahr gemäht werden. Das ist eine Mulchmahd, das heißt, das Schnittgut wird zerkleinert, bleibt auf der Fläche liegen. Das spart Zeit und Geld. Wenn das Gras abgesaugt würde, wäre das außerdem schlecht für Insekten und andere Kleinstlebewesen. Dahinter beginnt der Extensivbereich mit Gras, Sträuchern und Gehölzen. Dort wird einmal im Jahr gemäht und zurückgeschnitten.


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Was ändert sich?

Im Intensivbereich nichts. Der Extensivbereich dagegen wird unterteilt. Die Normalflächen werden weiter von den Straßenmeistereien betreut. In einem ersten Schritt mähen wir weniger. Und wir wollen hier auch weg von der Mulchmahd. Denn wenn das Schnittgut liegen bleibt und verwittert, bildet es neue Nährstoffe. Dadurch wird aber verhindert, dass Magerflächen entstehen und sich die gewünschten Pflanzen ansiedeln. Dafür brauchen wir aber erst die entsprechenden Maschinen, die derzeit noch erprobt werden. Wann es soweit ist, kann ich derzeit nicht sagen. Die Auswahlflächen, die wir im Landkreis festgelegt haben, werden dagegen extensiv gepflegt. Das meint, gemäht wird nicht mehr jedes, sondern nur noch alle zwei Jahre. Das Schnittgut wird abtransportiert. Zum Teil werden die Flächen entbuscht und mit speziellen Samenmischungen angesät. Diese Arbeiten vergeben wir an externe Dienstleister, wie etwa Maschinenringe.

Wo liegen denn diese Areale?

Die großen Flächen befinden sich vor allem an den Zubringern der Bundesstraßen. Wenn man etwa von Cadolzburg oder Seukendorf aus auf die B 8 Richtung Fürth fährt, liegt linkerhand eine solche Fläche, darauf befindet sich auch eine Streuobstwiese.


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Im Landkreis sind an Bundes-, Staats- und Kreisstraßen derzeit knapp neun Hektar dieser Auswahlflächen festgelegt worden. Welche Bedeutung hat diese Größe?

Dazu müsste man sie in Beziehung zum Wert der gesamten Straßennebenflächen setzen, doch den haben wir nicht erfasst. Ich kann nur sagen, dass das Landratsamt gerne mehr solcher Flächen zur Verfügung gestellt hätte. Aber der Landkreis besitzt relativ wenig Grund. An den Kreisstraßen selbst haben wir 0,55 Hektar, also 5500 Quadratmeter.

Wie sieht es bei den Städten und Gemeinden aus?

Die Kommunen haben mehr Brachflächen, Waldwege, Äcker, vielleicht auch die ein oder andere Wiese. Da ist deutlich mehr Potenzial vorhanden. Die entsprechende Broschüre des Ministeriums ist auch an die Rathäuser gegangen.

Wenn Ihre Mitarbeiter künftig die Auswahlflächen nicht mehr pflegen müssen – was machen sie dann in der eingesparten Zeit?

Auf diese Frage habe ich gewartet. Aber die Arbeit nimmt mit dem neuen Pflegekonzept nicht ab. Wir mähen zwar weniger, aber anders. Zum Beispiel bleiben rechteckig versetzt Grünflächen stehen, die dann später gemäht werden. Das heißt also: Wir müssen öfter hin. Die Auswahlflächen sind außerdem noch pflegeintensiver, das könnten wir personell nicht leisten.

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