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Ministerin in Zirndorf: Ziele für die Landwirtschaft

In Zirndorf übt Michaela Kaniber auch Kritik an der Agrarpolitik des Bundes - 17.09.2018 11:00 Uhr

Gestatten, Kaniber: Bayerns Landwirtschaftsministerin, seit einem halben Jahr im Amt, zeigte bei ihrem Besuch im Zirndorfer Ortsteil Lind keine Berührungsängste. © Armin Leberzammer


Den kleinen Rahmen im Nebenzimmer des Gasthauses "Linder Grube" fand die CSU-Politikerin genau richtig: "Das gibt uns die Möglichkeit, Klartext zu reden." Das tat auch Landrat Matthias Dießl, der die Gelegenheit nutzte, um ganz unverblümt Druck bei einer Personalfrage zu machen.

Konrad Ganzer, Berater für tierische Erzeugung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth, wird in Kürze in den Ruhestand gehen. Nach Dießls Angaben wird die Stelle vorerst unbesetzt bleiben, eine Bewerberin gebe es gleichwohl. Die Ministerin möge doch in München nachhaken, damit der Posten "möglichst zügig nachbesetzt wird", so der Landrat. Auch der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Peter Köninger, wies Kaniber auf die Dringlichkeit hin: "Wenn es nicht bald einen Nachfolger gibt, ist der Arbeitskreis Milchviehhaltung in unserem Kreis in Gefahr." Michaela Kaniber versprach, das Anliegen an die entsprechenden Stellen weiterzuleiten.

Keine Spaltung der Bauern

In ihrer Rede formulierte sie anschließend die ihrer Meinung nach wichtigsten Ziele ihres Politikfelds. So gelte es, die nach wie vor gegenüber anderen Bundesländern kleinteiligere Struktur der bayerischen Bauernschaft zu bewahren. Schließlich habe sich diese als deutlich krisenresistenter, weil diversifizierter, erwiesen. Daneben wolle sie keine Spaltung zwischen Bio- und konventionellen Landwirten. Beides habe seine Berechtigung und dürfe nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Herausforderungen sieht Kaniber neben der Digitalisierung darin, den momentan stabilen Milchmarkt krisenfest zu machen, und schlägt dafür freiwillige Liefervereinbarungen zwischen Erzeugern und Molkereien vor. Den heuer "eindrucksvoll erlebten" Klimawandel müsse die Landwirtschaft so begegnen, dass die Wälder klimastabil und der Ackerbau zunehmend mit trockenresistenten Sorten betrieben werde.

Ferkelkastration ist ein Riesenthema

Ein "Riesenthema" sei die Ferkelkastration, die laut der aktuellen Gesetzeslage ab dem kommenden Jahr nicht mehr ohne Betäubung durchgeführt werden darf. Dabei klang bei der noch relativ kurz im Ministeramt tätigen Kaniber auch Kritik an der Agrarpolitik des Bundes durch: "Fünf Jahre hatte man Zeit, eine Lösung zu finden, aber jetzt pressiert’s." Sie plädiert für eine Fristverlängerung, für die sie aber im Bundesrat bislang keine Mehrheit gefunden habe, "trotz massiver Anschuldigungen durch Tierschützer, weil sonst in den 1000 bayerischen Zuchtbetrieben die Lichter ausgehen".

Die Futterbeihilfen aufgrund der diesjährigen Dürre verteidigte sie, empfand es allerdings äußerst unsolidarisch von den Händlern, dass sich praktisch mit dem Tag der Verkündung der staatlichen Unterstützung die Futtermittelpreise verdoppelt haben.

BBV-Obmann Peter Köninger findet die Beihilfe zwar grundsätzlich richtig, wurde nach eigenen Angaben aber von einigen Verbandsmitgliedern heftig angegriffen mit dem Tenor: "Wir hatten 2003, 2015 und 2016 in Westmittelfranken bereits heftige Dürrejahre, aber da hat auch keiner nach uns gefragt."

Armin Leberzammer

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