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Missbrauchsverdacht: Fürther sind "schockiert und traurig"

Fürther Katholiken sind bestürzt — Großhabersdorfer Fall von 2010: Verfahren eingestellt - 23.02.2011 11:00 Uhr

Die Gläubigen in der betroffenen Fürther Gemeinde sind ratlos: Ihr Pfarrer soll in den 80er Jahren einen Jungen missbraucht haben. © AP


Wie berichtet, hat die Erzdiözese Bamberg dem Geistlichen, der zuletzt überörtliche kirchliche Funktionen hatte und jahrelang an der Spitze der Pfadfinderschaft St. Georg stand, die Arbeit als Seelsorger untersagt und Strafanzeige gegen ihn erstattet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun, was dran ist an dem Vorwurf, der Beschuldigte habe in den 80er Jahren einen 15-Jährigen sexuell missbraucht. Nach Angaben der Justiz handelt es sich um einen „einmaligen Vorfall“, auch beim Bistum hieß es auf Nachfrage, es seien keine weiteren Vorwürfe bekannt.



Erkennbar bewegt fasste eine Pfarrgemeinderätin die Stimmungslage in dem Gremium mit diesen Worten zusammen: „Wir sind im Augenblick alle schockiert, traurig, den Tränen nah.“ Auch ein Familienvater aus der evangelischen Pfarrgemeinde im betreffenden Stadtteil gestand, die Nachricht von dem Missbrauchsvorwurf habe ihn „vollkommen erschüttert“. Er schätze den Beschuldigten als einen „Pfundskerl“, als „authentischen Menschen, der seine Meinung vertritt und damit auch in der Kirche schon mal aneckt“, und nicht zuletzt als „Mann der Ökumene und als einen Geistlichen, der so interessant predigt, dass ich selbst ab und zu seine Gottesdienste besucht habe, obwohl ich kein Katholik bin“.

Andererseits war auch immer wieder zu hören, dass die Ermittlungsbehörden dem ungeheuerlichen Verdacht, der im Raum steht, „selbstverständlich“ auf den Grund gehen müssten. „Da existiert ja offensichtlich irgendwo ein Mensch, der, weswegen auch immer, jahrzehntelang gelitten haben muss“, sagte eine Frau aus der Kirchenverwaltung. „Denn warum sonst hätte er sich nach so vielen Jahren zu Wort melden sollen?“

Nicht erreichbar

Fest steht: Verwaist sind die von der Amtsenthebung betroffenen Pfarrgemeinden nicht. Die Diözese hat Pfarrer Wilfried Wittmann als Administrator eingesetzt. Und die Pfarrgemeinderatsvorsitzende versichert: „Wir werden unser Gemeindeleben aufrecht erhalten und dafür sorgen, dass alle Veranstaltungen stattfinden wie geplant.“ Der beschuldigte Pfarrer soll seit Tagen nicht mehr erreichbar sein. So lief auch der Versuch von André Hermany, Pfarrer im Landkreis Fürth, ins Leere, seinem Glaubensbruder via Handy seelischen Beistand anzubieten.

Die Vorwürfe gegen den Priester sollen laut Justiz nicht in Zusammenhang mit den Pfadfindern stehen. Nach Fürth kam der Mann 2001. In den 80er Jahren, der Zeit, in der es zu dem sexuellen Übergriff gekommen sein soll, war er in Erlangen und Bad Windsheim, später auch in Uffenheim tätig. Eine Frau, die ihn als Jugendliche damals bei den Pfadfindern kennenlernte, erinnert sich an eine „tolle, charismatische Autorität“.

Vor einem Jahr stand im Landkreis Fürth bereits der katholische Pfarrer von Großhabersdorf-Dietenhofen unter Missbrauchsverdacht. Der damals 61-Jährige wurde suspendiert und befindet sich nun im Ruhestand. Einige der Straftaten, die ihm zum Vorwurf gemacht wurden, waren, wie sich zeigte, bereits verjährt. In zwei Fällen hat daher die Staatsanwaltschaft Regensburg ihre Ermittlungen eingestellt, in einem Fall die Staatsanwaltschaft Augsburg, wie nun zu erfahren war. Im Fall des Fürther Pfarrers prüft die Staatsanwaltschaft Nürnberg jetzt auch, ob bereits eine Verjährung eingetreten sein könnte.
 

BIRGIT HEIDINGSFELDER

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