Mit.Menschen: Unheilbar krank, Wie eine junge Frau gegen den Krebs kämpft

1.4.2021, 13:44 Uhr
„Krebskriegerin“ Susanna Zsoter deutet eine Krieger-Pose aus dem Yoga an, die Stärke und Stabilität erfordert.

„Krebskriegerin“ Susanna Zsoter deutet eine Krieger-Pose aus dem Yoga an, die Stärke und Stabilität erfordert. © Foto: Birgit Heidingsfelder

"Hab keinen Bock zu sterben. Muss jetzt kämpfen." Das sind die ersten Worte, die Susanne Zsoter tippt, als sie ihr neues Profil als "Krebskriegerin" auf Facebook erstellt. Zu dem Zeitpunkt weiß Susanna Zsoter: Sie wird nicht mehr lange leben. Die Ärzte haben klar gesagt: Der Darmkrebs, der sie befallen hat, ist nicht heilbar, alles was sie tun können, ist ihr Leben zu verlängern. Und das nur um einige wenige Jahre, sie solle nicht mit zehn rechnen, sagt ihr ein behandelnder Mediziner. "Ich habe mich nach der Diagnose um mein Leben betrogen gefühlt", sagt Susanna Zsoter im Podcast Mit.Menschen. Sie war zu dem Zeitpunkt 28 Jahre alt.

Wenn man heute, fünf Jahre danach, mit Susanna Zsoter spricht, begegnet man einer fröhlichen jungen Frau. Es gibt Bilder von ihr, wie sie bei einem Hindernislauf durch den Schlamm robbt. Sie klettert an Felsen in der Fränkischen Schweiz. Schwärmt immer noch vom Urlaub in Indonesien, sie war im Urwald, hat Gorillas getroffen. Und all das nach der schlimmen Diagnose.

Denn Susanna Zsoter hat gekämpft, ein dutzend Chemotherapien über sich ergehen und dabei nichts ausgelassen, wie sie sagt. Sie wird künstlich ernährt, übergibt sich stundenlang, die Schleimhäute entzünden sich. Bald kann sie nicht mehr laufen, weil ihre Nerven so geschädigt sind, sie immer wieder das Gleichgewicht verliert und die Kraft nicht mehr mitmacht. Irgendwann sind die Schmerzen so groß, dass sie die Schmerzpumpe immer weiter hochdreht und nur noch vor sich hindämmert.

Sie ist kurz davor die Behandlungen abzubrechen, "doch ich wollte nie am Sterbebett liegen und mich fragen, was wäre gewesen, wenn". Also macht sie auch die zwölfte Chemotherapie - "leider umsonst."

Eine neue Therapie

Die Ärzte wissen keinen Rat mehr, Susanna Zsoter soll ihre Dinge regeln. "Das wollte ich nicht akzeptieren. Denn in dem Moment wurde mir meine Endlichkeit wirklich bewusst." Sie recherchiert, stößt auf eine neue Therapie, die sich noch in der Studienphase betrifft. Im August 2016 beginnt sie mit einer Immuntherapie. Sie schlägt an, "es ging schlagartig bergauf". Die Metastasen schrumpfen, die Tumormarker, die anzeigen wie aggressiv der Krebs ist, normalisieren sich.

Das Leben auch - selbst wenn es nie wieder so sein wird, wie zuvor. Susanna lernt wieder essen, laufen - doch bis heute spürt sie ihre Füße nicht so richtig. Das Klettern hilft für die Koordination, aber auch dabei, Ruhe und die eigene Mitte zu finden. "Ich versuche möglichst viele schöne Dinge zu erleben."

Gleichzeitig hat sie eine neue Aufgabe: "Ich will zeigen, dass Krebs nicht immer nur die anderen trifft. Und dass Darmkrebs nicht nur alte Menschen betrifft." Als "Krebskriegerin" bloggt sie, auf Facebook folgen ihr tausende Menschen. Ihr Appell: "Hört auf die Symptome des eigenen Körpers. Wenn etwas nicht stimmt, dann besteht beim Arzt auf eine Abklärung." Die Menschen sollten zur Vorsorge gehen. Und: Ab dem Alter von 50 Jahren hat in Deutschland jeder Krankenversicherte Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung. Wenn ein Familienmitglied betroffen ist oder man Symptome hat, könne man sogar noch früher zur kostenlosen Darmkrebsvorsorge. "Vielleicht ist eine Darmspiegelung nicht das schönste, was man erlebt hat. Aber eine Krebsdiagnose ist beschissener." Für ihr Engagement wurde Susanna Zsoter auch von der Felix-Burda-Stiftung ausgezeichnet.

Ein großes Ziel

"Mir geht es gut", sagt Susanna Zsoter. Der Krebs wird sie den Rest ihres Lebens begleiten, doch den großen Schrecken hat er verloren. Und sie hat noch ein Ziel: In den nächsten Jahren will sie alle Kontinente der Erde bereisen. Ein paar fehlen noch.

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