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Mit Sichtfenster: Masken für Gehörlose made in Fürth

Ein Hörgeräte-Spezialist und eine Designerin haben sich dafür zusammengetan - 21.05.2020 10:00 Uhr

Dank der Sichtfenster können Gehörlose von den Lippen der Maskenträger lesen. André Fiedler hat eine Maske mit Sichtfenster entwickelt, um Gehörlosen das Leben leichter zu machen. An der Produktion war auch Simone Wenning beteiligt.

20.05.2020 © Foto: Florian Burghardt


Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, gilt bundesweit in vielen Bereichen des täglichen Lebens die Maskenpflicht. In allen Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln müssen Mund und Nase bedeckt sein. Neben beschlagenen Brillengläsern und schwitzigen Mundpartien sorgt der Gesichtsschutz auch für das eine oder andere Missverständnis bei der verbalen Kommunikation.


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Was die meisten Menschen durch Nachfragen und lauteres Sprechen leicht ausgleichen können, ist für Gehörlose problematisch, denen manchmal der Blick auf die Lippenbewegungen des Gegenübers hilft. Um ihnen den Corona-Alltag zu erleichtern, hat André Fiedler eine Sichtfenstermaske entwickelt. "Durch unser Klientel wurden wir sehr schnell mit der Problematik konfrontiert und haben uns Gedanken gemacht", erzählt der Inhaber von Hörspectrum Fiedler in der Kapellenstraße.

Fiedlers Stoffmasken enthalten eine herausnehmbare Folie. Dank dieser ist die Mundpartie sichtbar und das Lippenlesen wieder möglich. "Die ersten handgenähten Prototypen haben meine Frau und meine Schwiegermutter angefertigt", sagt er. Danach habe er am Material für die Folien gefeilt, damit sie beim Tragen nicht so leicht beschlagen.

Für die Produktion hat er sich mit der Fürther Modedesignerin Simone Wenning zusammengetan. Über den Online-Shop ihres Geschäfts "Simone Weghorn – geliebtes Kleid" kann man die Sichtfenstermasken in verschiedenen Farben und Designs ordern. "Innerhalb einer Woche sind bei uns über 100 Bestellungen aus ganz Deutschland eingegangen", so Wenning.

Die speziellen Masken können nicht nur vollständig Gehörlosen helfen, sondern auch Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Verstehen haben und unter anderem das Lippenlesen für sich nutzen. "Eine normale Gesprächslautstärke liegt bei etwa 70 Dezibel. Die Masken schlucken je nach Modell zwischen fünf und zehn Dezibel. Das wird aber gefühlt als eine bis zu 50-prozentige Reduzierung der Gesprächslautstärke wahrgenommen", erklärt der Hörakustiker.

Spende ans Fürther Frauenhaus geplant

Mit dem Verkauf der Sichtfenstermasken möchte er keinen Gewinn machen. Was nach Abzug der Kosten übrig bleibt, wird an das Fürther Frauenhaus gespendet. Zudem weisen Fiedler und Wenning darauf hin, dass ihre Masken keine Zertifizierung besitzen und nicht medizinisch oder anderweitig geprüft sind. Es handle sich um einen einfachen Behelfsschutz, der zum Einkaufen oder Bahnfahren ausreichend ist.

Zwar betont der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB), dass nur etwa 30 Prozent des Gesprochenen über Lippenbewegungen visuell wahrnehmbar ist. Jedoch unterstütze der DGB jeden Weg zu gelingender Kommunikation, darunter ganz explizit auch Mund-Nase-Masken mit Sichtfenster.

Neben der Hilfe beim inhaltlichen Verstehen hat der besondere Gesichtsschutz noch einen weiteren Nutzen: Er transportiert wieder mehr Emotionen. "Wie gut tut es in diesen Tagen, das Lächeln des Gegenübers zu sehen oder aber zu erkennen, wenn der andere vielleicht Trost braucht", meint Fiedler. Er will nun schauen, inwiefern sich seine Kreation auch in anderen Bereichen, beispielsweise der Arbeit mit Kindern, einsetzen lässt.

Florian Burghardt

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