Mosaik sorgt für Wechselbad der Gefühle

26.11.2010, 16:00 Uhr

© Günter Distler

Hatte man am Mittwoch noch ganze 5000 Euro in der Spendenschatulle gezählt, so kamen — quasi über Nacht — auf einen Schlag 10000 Euro hinzu. Das sorgt für Aufwind: Bei ausgewählten Unternehmen, aber auch bei der Kulturstiftung der Industrie- und Handelskammer habe man jetzt um weitere Unterstützung gebeten, sagt Oberbürgermeister Thomas Jung — und er strahlt dabei eine gewisse Zuversicht aus.

Vielleicht, meint er, könne man das Thema im Rahmen der am Dienstag anstehenden Beratungen über den Haushalt für 2011 wider Erwarten nochmals auf die Tagesordnung bringen — und diesmal, so die Hoffnung, mit positivem Ausgang.

Dramatische Lage

Den hatte es am Mittwoch zum Leidwesen der Kunstfreunde nicht gegeben. Nur 16 Mitglieder des Stadtrats machten sich, quer durch alle politischen Lager, dafür stark, die Kosten für den Erhalt des bedeutenden Wandmosaiks von Hans Langhojer und Georg Weidenbacher zum Teil aus der Stadtkasse zu bezahlen. Die klare Mehrheit des 50-köpfigen Gremiums lehnte dies wegen der dramatischen Finanzlage der Kommune ab.

Die letzte Kalkulation hatte ergeben: Die Stadt Fürth müsste 40000 der insgesamt 140000 Euro zuschießen, die nötig wären, um das großflächige Werk abzunehmen, zu restaurieren und wieder auf der – dann wärmegedämmten – Außenwand anzubringen. Rund 95000 Euro könnte man mit großer Wahrscheinlichkeit dem Nachlass eines der Künstler, der Weidenbacher-Stiftung, entnehmen; hinzugekommen waren — bis Mittwoch — besagte 5000 Euro an Spenden, die nach mehrmaligen Aufrufen seit Mai geflossen sind.

Dank der jüngsten Finanzspritze aus privater Hand würde sich der städtische Anteil auf 30000 Euro reduzieren, doch auch das ist nach Überzeugung der Stadtspitze mit Blick auf eklatante Haushaltslücken zu viel. OB Jung und Kämmerin Stefanie Ammon können dabei auf Unterstützung von großen Teilen von SPD, CSU und Grünen zählen. Deren Fraktionssprecher verweisen unisono auf das jüngst beschlossene 20-Millionen-Sparpaket, das für viele Vereine, Organisationen und städtische Beschäftigte Härten mit sich bringt; angesichts dessen sei die Ausgabe für das Mosaik nicht zu rechtfertigen.

Eine Lanze für das 50 Jahre alte Kunstwerk aus farbigem Carrara-Marmor, das Handwerksszenen zeigt, brach hingegen Helga Strobel-Middendorf (CSU). Es handle sich um ein „Denkmal von morgen“, das der selbst ernannten Denkmalstadt Fürth gut zu Gesicht stünde.

Ganz andere Bedenken treiben Stadtrat Siegfried Tiefel (fraktionslos, früher CSU), um. Kaum vorstellbar ist für ihn, „wie das Kunstwerk vor laufenden Kameras heruntergeschlagen wird“. Tiefel befürchtet dadurch einen erheblichen Imageschaden für die Stadt.