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Muss sich Tuchenbach verschulden?

Wenn alle für 2020 geplanten Ausgaben getätigt werden, führt daran kein Weg vorbei - 28.05.2020 17:56 Uhr

Auf der Baustelle der Tuchenbacher Kindertagesstätte ließen sich Bürgermeister Leonhard Eder (2. v. li.) und die Gemeinderäte von Architekt Klaus Madinger (re.) die Fortschritte erläutern. Außerdem begutachteten sie Materialproben für die Außenfassade. © Foto: Marion André


Der neue Gemeinderat wollte es genau wissen und ließ sich bei einem Ortstermin von Architekt Klaus Madinger informieren: Es ging um den aktuellen Stand des Bauprojekts an der Bergstraße. Dort wird die Kindertagesstätte erweitert, außerdem entsteht eine Krippe neu. Insgesamt wird Tuchenbach dann 82 Betreuungsmöglichkeiten für Kinder haben.

Das Vorhaben gehört zu den größten in der Gemeinde. Die Erweiterung des Kindergartens ist mit 855 000 Euro veranschlagt, allein heuer sind davon 700 000 Euro fällig. Der Neubau der Krippe ist mit fast 1,16 Millionen Euro einkalkuliert. Eine Million Euro ist im laufenden Jahr zu bezahlen.

Holz oder Faserzement

Bevor jedoch die Zahlen des Haushalts 2020 im Einzelnen vorlagen, zog Architekt Madinger seine Baustellenbilanz: Man sei zufrieden mit dem Fortschritt. Offen ist noch die Frage nach dem Material für die Außenfassade des Anbaus: Holz oder Faserzementplatten? Schön oder lieber pflegeleicht? Madinger lud die Anwesenden ein, sich anhand von Materialproben einen Einblick zu verschaffen. Auch wenn er selbst für Holz plädiere, liege die Entscheidung natürlich beim Bauherren. Denn der müsse schließlich nach einigen Jahren wieder streichen lassen.

Nach dem Ortstermin wurde dem Gremium im Bürgerhaus der Haushaltsplan 2020 vorgelegt. Die Gemeinde habe derzeit hohe Ausgaben, räumte Bürgermeister Leonhard Eder ein. Derzeit ist Tuchenbach noch schuldenfrei, doch wenn alle Ausgaben 2020 tatsächlich anfallen, sei das nicht mehr zu halten.

Vorsichtshalber eingeplant ist ein Kredit über zwei Millionen Euro. Man sei jedoch bemüht, die Pro-Kopf-Verschuldung gering zu halten, so Eder weiter.

Dabei helfen soll auch der Verkauf gemeindeeigener Grundstücke, wodurch 862 000 Euro in die Kasse gespült würden. Dabei handelt es sich um Teilflächen am Winklerhof, in den beiden Baugebieten 11 und 14 sowie um ein Areal in der Nähe des Bauhofes. Es sei womöglich ein ungünstiger Zeitpunkt für den Verkauf, gab Fabian Fleischmann (ABT) zu bedenken. Doch die meisten Gemeinderäte hielten den Schritt für unumgänglich.

Denn: Neben der Kita muss auch das Projekt Kläranlage gestemmt werden. Dafür allein fallen fünf Millionen Euro an. Ein Teil, nämlich 670 000 Euro, wurde bereits für Vorarbeiten bezahlt. Die restliche Summe verteilt sich auf die Haushaltsjahre 2020/21. In den Plan neu aufgenommen wurden bei der Beratung die anstehende Sanierung des Daches des Bürgerhauses (200 000 Euro) und Baumaßnahmen in der Ringstraße (10 000 Euro).

Geld für Natur und Umwelt gefordert

Dass im Haushalt keine Mittel im Bereich Natur und Umwelt aufgeführt seien, bemängelte Martina Kratzer (Wählergemeinschaft Tuchenbach). "In Bayern bewegt sich etwas in Sachen Naturschutz", argumentierte sie, deshalb sei es wichtig, Verantwortungsträger und Ausführende regelmäßig fortzubilden. Das könne aus einem entsprechenden Topf finanziert werden.

Fortbildung sei selbstverständlich, entgegnete Bürgermeister Eder. Geld für vereinzelte Maßnahmen zu bewilligen, sei kein Problem. Außerdem gebe es bereits ein Budget für die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter des Bauhofs und einen Posten für "Grünflächen" (2000 Euro).

"Zu wenig", insistierte Martina Kratzer. Sie beantragte deshalb, einen entsprechenden Posten in den Haushalt aufzunehmen. Zu einer Einigung führte letztlich der Kompromissvorschlag von Christian Eder (IGT): Der Posten "Grünflächen" wird demnach auf 5000 Euro aufgestockt.

Der Vorschlag von WGT-Gemeinderätin Katharina Krück, die in Tuchenbach verhältnismäßig niedrig angesetzte Hundesteuer zu erhöhen, um den arg strapazierten Haushalt zu entlasten, wurde dagegen abgelehnt.

Marion Andre/Beate Dietz

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