Muttertag in Fürth: Zwischen Tradition, Liebe und Kommerz

9.5.2021, 10:00 Uhr
Haben verschiedene Meinungen zum Muttertag: Von links oben im Uhrzeigersinn nach links unten Schauspielerin Sunna Hettinger, Aktivistin Katrin Valentin, Astrid Lehmeyer, Mitgründerin des Netzwerks „FrauenSchaffen“, und Pfarrerin Stefanie Schardien.

Haben verschiedene Meinungen zum Muttertag: Von links oben im Uhrzeigersinn nach links unten Schauspielerin Sunna Hettinger, Aktivistin Katrin Valentin, Astrid Lehmeyer, Mitgründerin des Netzwerks „FrauenSchaffen“, und Pfarrerin Stefanie Schardien. © Fotos: Hans-Joachim Winckler

Katrin Valentin, Sprecherin des Aktionskreises Families for Future und als Wissenschaftlerin an der Friedrich-Alexander-Universität tätig, weiß: "Jede Gesellschaft braucht Rituale." Natürlich müssten die von Zeit zu Zeit unter die Lupe genommen werden, um zu prüfen, ob nicht "bestimmte Akteursgruppen sie für eigene Ziele missbrauchen". Gerade bei Mutter oder Vater – am kommenden Donnerstag ist ja auch Vatertag – gehe es um gesellschaftliche Rollen, die gerne mal als nebensächlich angesehen werden. "Ein Ritual wie der Muttertag gibt Gelegenheit, zu würdigen und Liebe zu zeigen. Es kommt darauf an, wie man das in der eigenen Familie mit Bedeutung erfüllt."

Der Tag dürfe keinesfalls instrumentalisiert werden, genauso falsch sei es, "wenn man denkt, ich muss jetzt für mindestens 30 Euro irgendetwas kaufen, sonst fühlt sich die Mama nicht geliebt." Valentin, Mutter von zwei Jungs (sieben und elf), verrät: "Die beiden sind schon seit Tagen aufgeregt und ich darf nicht in eine bestimmte Kiste schauen." Sie selbst wird als Tochter den Sonntag zum Anlass nehmen, ihrer Mutter ausdrücklich zu sagen, wie viel sie ihr bedeutet.

Chance zum "Danke" sagen

Seit zwei Jahren spricht Stefanie Schardien regelmäßig das "Wort zum Sonntag". Die Pfarrerin in St. Michael erinnert sich: "Das erste Mal war ich vor dem Muttertag an der Reihe und weiß noch, dass ich zunächst etwas damit gefremdelt habe, auch weil Väter heute – und gerade während der Pandemie – viel mit anpacken." Sie versteht den Tag als Chance, einmal "Danke" zu sagen. Aber auch als Erinnerung daran, dass sich niemand aus eigener Kraft erschaffen hat, sondern jeder sein Dasein anderen verdankt: "Gerade im Moment erscheint es mir wichtig, wenn auch dieser Gedanke durchklingt."


Diese Restaurants bieten Boxen für den Muttertag


Für sie persönlich hat der Muttertag Tradition. "Als Kind habe ich mit dem Papa heimlich Kuchen gebacken." Aktuell ist das Gebot der Verschwiegenheit komplizierter: "Beim Homeschooling wurde das zur doppelten Herausforderung", sagt die Mutter von zwei Jungs (neun und sechs). Warum? "Mein Sohn hatte Angst, dass ich auf seinen Arbeitsblättern etwas Entscheidendes für Sonntag entdecke, aber ich konnte ihn beruhigen. Ich habe die Worte ,Geheim! Geheim!‘ gesehen und schnell weggeschaut."

Nicht ein besonderer Tag, sondern der Alltag steht für Astrid Lehmeyer im Mittelpunkt: "Für mich zählt, dass wir immer füreinander da sind." Die Mutter eines siebenjährigen Sohnes hat sich in Fürth mit einem Unternehmen selbstständig gemacht, das Firmen dabei unterstützt, Mitarbeiter zu finden. Außerdem ist sie Mitgründerin des Netzwerks "FrauenSchaffen", das vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde. Ihr Sohn, sagt sie, hat schon Blumen für sie besorgt: "Da ist im Moment aber noch das Papier drum, ich darf erst Sonntag auswickeln. Er ist dann bei seinem Vater, von dem ich getrennt lebe. Das ist für mich völlig in Ordnung so."


Muttertag: Wenn Kleinigkeiten ganz große Gefühle auslösen


Das Bild, das ein Stichwort wie "Muttertag" in ihr wachruft, empfindet Lehmeyer als "sehr antiquiert" und nicht mehr passend für ihr Leben: "Ich arbeite, mein Kind geht in den Hort." Ihrer eigenen Mutter ist sie dankbar für die Unterstützung während der Pandemie: "Sie hat sich beim Homeschooling sehr mit eingesetzt, aber ich brauche keinen besonderen Tag, um ihr auch einmal etwas Gutes zu tun. Das mache ich sehr gerne zwischendurch und bringe ihr eine Aufmerksamkeit mit."

"Verlogene Ideologie"

Gabi Franger ist begeisterte Mutter und Großmutter. Den Muttertag hat sie aber "noch nie zeitgemäß gefunden." Die Professorin für Internationale Soziale Arbeit, die sich im Museum Frauenkultur Regional-International in Burgfarrnbach engagiert, erklärt: "Für mein Gefühl war die Ideologie hinter diesem Tag schon immer verlogen." Sie findet es zum Beispiel absurd, wenn "die Mutter einmal im Jahr das Frühstück im Bett serviert bekommt und der Vater an seinem Feiertag trinken geht". Denn: "So funktionieren Familien doch nicht. Erst recht nicht heute."

Vor zehn Wochen wurden Sunna Hettinger und Boris Keil, die am Stadttheater engagiert sind, Eltern einer Tochter. "In meiner Familie haben wir immer den Muttertag gefeiert", sagt Hettinger. "Jetzt bin ich zum ersten Mal selbst Mama und freuʼ mich schon, wenn unsere Tochter später vielleicht an eine kleine Aufmerksamkeit denkt." Es gehe auf keinen Fall darum, an diesem Tag mit einem großen Paket aufzutauchen, schön sei ein Brief, ein selbstgemachter Kuchen oder ein paar Blumen: "Normalerweise geht es doch unter, dass man seiner Mama sagt, wie sehr man sie schätzt, deshalb ist der Muttertag eine gute Gelegenheit, daran zu denken." Eines ist der Schauspielerin ganz wichtig: "Das darf nicht zu einer Verpflichtung werden, die man erfüllen muss, sondern soll freiwillig und von Herzen kommen."

Keine Kommentare