Nach der Kofferfabrik: Immobilien Lauer nimmt beim Holzpavillon Abstand vom Abriss

12.3.2021, 15:58 Uhr
Wie aus der Zeit gefallen wirkt das kleine Gebäude am Anfang der Friedenstraße. Nicht nur die Stadtheimatpflegerin macht sich für dessen Erhalt – zur Not auch an einer anderen Stelle – stark.

Wie aus der Zeit gefallen wirkt das kleine Gebäude am Anfang der Friedenstraße. Nicht nur die Stadtheimatpflegerin macht sich für dessen Erhalt – zur Not auch an einer anderen Stelle – stark. © Hans-Joachim Winckler

Bei einem Ortstermin mit Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz, einer der Eigentümerinnen und einem Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde hatte Lippert den Eindruck, dass alle Beteiligten bestrebt waren, „eine gemeinsame Lösung zu finden“. Das Gespräch, sagte sie nun, sei „offen und konstruktiv“ gewesen.

Eine der Eigentümerinnen ist Petra Holmberg von der Immobilienfirma Lauer, die soeben auch an einer anderen Ecke Fürths für Wirbel weit über die Stadtgrenzen hinaus gesorgt hat, die andere ihre Schwester. Die Lauer Immobilien Service GmbH hat der Kult-Kulturstätte Kofferfabrik in der Langen Straße den Mietvertrag gekündigt – aus Versehen, wie es hinterher hieß.

Geschäftsführer Fredrik Holmberg sprach von einer Verwechslung mit einem anderen Mietvertrag und „menschlichem Versagen“. Die Firma nahm die Kündigung der „Koffer“ zum 30. September zurück, erwägt aber, auf dem Areal in drei, vier Jahren Seniorenwohnungen zu bauen.

Die Stadt ist bestrebt, die „Koffer“ zu erhalten, sie möchte im Dialog mit Eigentümern, Anwohnern und Interessenverbänden ein Entwicklungskonzept für das Gelände erarbeiten, Oberbürgermeister Thomas Jung will bald mit den Eigentümern reden.

Kofferfabrik und Holzpavillon "bewusst nicht verknüpft"

Beim Ortstermin an der Ecke Erlanger Straße und Friedenstraße hat man die Themen Kofferfabrik und Pavillon laut Lippert „bewusst nicht verknüpft“: „Das sind zwei verschiedene Sachen, die zufällig denselben Bauherrn betreffen.“ Doch könne sich die Familie einen Erhalt des Pavillons vorstellen, auch an Ort und Stelle.

Baukörper und Dach seien solide, wie aufwändig eine Instandsetzung ist, soll ein Gutachter herausfinden. Denn fest stehe: Der kleine Bau mit den markanten trapezförmigen Schaufenstern, der 1907 nach Plänen des Architekten Leo Gran als Grabsteinlager errichtet wurde, sei „sanierungsbedürftig, aber auch sanierungsfähig“.

Im November hatten die Eigentümerinnen den Abbruch des Haupthauses und des Pavillons auf dem besagten Areal bei der Stadt angezeigt. Weil zu prüfen war, ob die Gebäude unter den Denkmalschutz fallen, lehnte die Stadt einen Abriss zunächst ab.

Kein Denkmalschutz

Das Landesamt für Denkmalschutz stufte dann das Hauptgebäude, in dem das Lokal „Il Fiume“ untergebracht war, als nicht erhaltenswert ein. Dort entsteht nun ein Wohngebäude. Beim Pavillon kam die Behörde zum selben Ergebnis.

Die Stadtheimatpflegerin machte sich daraufhin für den kleinen Bau stark. Er habe nicht mehr die ursprüngliche innere Ausstattung, aber „städtebauliche Bedeutung“, argumentierte Jungkunz. Die Grünen sehen das ähnlich und fordern seinen Erhalt – vielleicht an einem neuen Standort, etwa dem Friedhof.

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