Nach Weinfest-Absage: Ersatz-Veranstaltung in Fürth geplant

28.7.2014, 11:00 Uhr
Picknick in der Gustavstraße: Die spontane Idee soll am Samstag in größerer Form wiederholt werden. Manuel Kreitschmann (grünes T-Shirt) hofft auf viele Teilnehmer.

© Hans-Joachim Winckler Picknick in der Gustavstraße: Die spontane Idee soll am Samstag in größerer Form wiederholt werden. Manuel Kreitschmann (grünes T-Shirt) hofft auf viele Teilnehmer.

Am Freitagmorgen erfuhr Manuel Kreitschmann davon: Fürth wird heuer kein Weinfest erleben. Der Gedanke, das nicht einfach schlucken zu wollen, sei sofort da gewesen, sagt der 25-Jährige.

Wenig später rief er auf Facebook zum „Friedlichen Protest bei Speis und Trank“ auf. Fast 2000 Leute lasen die Einladung, mehr als 200 sagten ihr Kommen zu. Am Samstag, um 18 Uhr, fand sich dann allerdings nur ein kleines Grüppchen ein. „Es ist eben doch etwas anderes, ob ich im Internet anonym große Töne von mir gebe – oder ob ich komme und sage: ,Wir packen es an‘“, sagt Kreitschmann, der sich mit den Mitstreitern zunächst in die Kaffeebohne setzte. Dass der Kreis sehr überschaubar blieb, war ihm gar nicht unrecht: Eine große Demo habe er nicht im Sinn gehabt, versichert er – nicht so kurzfristig jedenfalls. Vielmehr wollte er mit anderen überlegen, wie man sich für die Gustavstraße engagieren kann.

Was ihnen diese Straße bedeutet? „Sie ist seit Jahren Anlaufstelle für meine Freunde und mich“, sagt Kreitschmann, der in der Südstadt zuhause ist, „das ist wie eine Stammkneipe, nur größer.“ Gabi Ziegler, die am Grünen Markt wohnt, ergänzt: „Die Altstadt hat eine ganz besondere Atmosphäre, vergleichbar mit einem Kiez. Man kennt sich.“ Und Yvonne Bauer schwärmt: „Die Seele von Fürth ist hier in der Gustavstraße!“

Gekommen sei sie, sagt Bauer, „weil man nicht immer nur: ,Schlimm, schlimm, schlimm!‘ sagen kann. Man muss was tun!“ Nur was? Eine Bürgerverein gründen? Erste Ideen werden in den Raum geworfen. Auch zwei Vertreter von „Wir sind Fürth“ sind dabei, um zu hören, was das Treffen ergibt, und um Unterstützung zu signalisieren. Der Verein hat sich mehrfach selbst für eine „lebendige Altstadt“ stark gemacht.

Die Inspiration liefert schließlich Klaus Schuster: Der 42-Jährige hat den Aufruf im Internet gelesen und kurzerhand eine Decke eingepackt, Kerzenständer, Sekt, Brot, Oliven, Ziegenkäse. Mit einem Kumpel hat er sich nun auf dem Gehweg der Gustavstraße niedergelassen. „Hier läuft einiges schief in der Straße“, sagt er.

OB will nicht aufgeben

Es dauert nicht lange, da sitzt das Grüppchen aus der Kaffeebohne bei ihm, ein Gast aus dem Gelben Löwen spendiert eine Flasche Wein. Man prostet sich zu: „Aufs nächste Weinfest!“ Und schon ist die Idee geboren: So – nur mit viel mehr Menschen – will man am kommenden Samstag ein Zeichen setzen und, gewissermaßen, ein Weinfest feiern: Ein riesiges, friedliches Picknick soll es sein, sagt Kreitschmann, der sich darum kümmern will, die Versammlung bei der Stadt ordnungsgemäß anzuzeigen. Eine Facebook-Seite unter dem Titel „Wir sind die Gustavstraße“ hat er bereits eingerichtet.

Bauer betont: „Unser Ziel ist nicht, aggressiv etwas durchzusetzen. Wir wollen hier auch nicht jeden Abend Remmidemmi haben, wir wollen die paar Veranstaltungen behalten, die es gibt.“ Für die Wirte, die das Fest absagten, nachdem das Verwaltungsgericht Ansbach das Ende auf 22 Uhr vorverlegte, hat die Gruppe vollstes Verständnis.

Oberbürgermeister Thomas Jung äußerte schon am Freitag seine Sympathien für den Aufruf – kurz bevor er sich selbst öffentlich kämpferisch zeigte: Vor der Partie der Spielvereinigung gegen den FC Getafe trat er auf den Rasen des Ronhofs und rief den Fans zu: „Die Gustavstraße werden wir nicht aufgeben!“

Worte, die auch die Wirte gerne hören. Mit 25.000 Euro für Musik, Organisation und Werbung sei die Wirtegemeinschaft, die das Fest traditionell veranstaltet, in Vorleistung gegangen, sagt Susanne Dresel vom Gelben Löwen. Noch sei unklar, ob sich die Musiker kulant und die Sponsoren treu zeigen – oder ob die Wirte auf den Kosten sitzen bleiben.

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