Naturschützer fürchten Dammbruch im Fürther Stadtwald

17.5.2020, 10:00 Uhr
Einst Kindererholungsheim, dann Therapieeinrichtung: Jetzt plant die WBG mitten im Wald Eigentumswohnungen zu errichten.

Einst Kindererholungsheim, dann Therapieeinrichtung: Jetzt plant die WBG mitten im Wald Eigentumswohnungen zu errichten. © Foto: Hans–Joachim Winckler

Titel des Projekts: "Stadtwaldjuwel." Ein Vorhaben, das bei den Naturschützern die Alarmglocken schrillen lässt.

Selbst vor Jahrzehnten, als der zuletzt bis 2017 von der Awo als Therapieeinrichtung genutzte Gebäudekomplex errichtet wurde, "wäre niemand auf die Idee gekommen, dort im Wald isoliert eine allgemeine Wohnsiedlung zu planen", kritisiert der BN in einem offenen Brief an die Rathausspitze und den Stadtrat. Genau dies soll nun jedoch geschehen – trotz der Nähe zum FFH-Schutzgebiet "Fürther und Zirndorfer Stadtwald", zu Landschaftsschutzgebiet und Bannwald. Die WBG, die das Areal 2017 gekauft hat, wirbt jedenfalls bereits im Internet dafür.

Ein entsprechender Bauantrag, der neben einer Aufstockung auch Umbauten wie Balkone vorsieht, ist laut dem Leiter des Ordnungsamts, Jürgen Tölk, gestellt. Seine Behörde habe bereits bestimmte naturschutzrechtliche Aspekte wie Artenschutz oder FFH-Verträglichkeit bewertet und sieht "keine Versagungsgründe" gegen den Antrag. Allerdings ist es Tölk zufolge unbedingt erforderlich, dass entlang der Zufahrtsstraße "physische Barrieren errichtet werden, um das Parken am Straßenrand zu verhindern".

"Baurechtlich spricht nichts dagegen"

Damit würde man zumindest auf einen Kritikpunkt des BN eingehen, der eine solche Beeinträchtigung des Bannwalds strikt ablehnt. Trotzdem ruft der Verband die Stadt dazu auf, die Pläne für eine dauerhafte Wohnnutzung noch einmal zu überdenken. Denn prinzipiell habe Fürth in den vergangenen Jahren "ein gutes Flächenrecycling betrieben". Sollte aus dem Waldheim jedoch tatsächlich das "Stadtwaldjuwel" werden, warnt der BN vor einem "Dammbruch im Waldschutz" und "einem Einfallstor für spätere Umweltsauereien".

Wenn nun das Gelände über die städtische WBG quasi privatisiert werde, widerspreche das dem ursprünglich gemeinnützigen Gedanken, sei also als Zweckentfremdung zu bewerten. "Wir meinen, es sollte weiter sozial genutzt werden oder dem zusammenhängenden Wald zurückgegeben werden", fordert Reinhard Scheuerlein und bringt damit praktisch den Abriss der über 50 Jahre alten Gebäude ins Spiel.

Baureferentin Christine Lippert sieht indes wenig, was den Umbau verhindern könnte: "Der Flächennutzungsplan muss nicht geändert werden und auch baurechtlich spricht nichts dagegen." Zwar fehle noch ein Nachweis, dass die umgebenden Bäume eine Gefahr für die Statik des Daches darstellen könnten, doch lasse sich so etwas "ohne größere Eingriffe lösen", versichert sie.

An eine Baustelle ganz ohne Baumfällungen glaubt der BN allerdings nicht und rechnet mit mindestens 23 abzuholzenden Bäumen. Sollten später zudem die künftigen Bewohner Anspruch auf Mindestabstände zum angrenzenden Wald erheben, könnte die Stadt womöglich gezwungen werden, Teile des geschützten Waldbestandes zu entfernen. "Eine solche Entwicklung darf keinesfalls geschehen."

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