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Nazis demütigten Klinikum-Mitbegründer Jakob Frank

Die Urenkelin kam mit Familie nach Fürth - 06.07.2016 21:00 Uhr

Bewegender Besuch: Ex-Stadtheimatpflegerin Barbara Ohm, Dr. Axel Brandt, Lena Brandt sowie Amir und Courtney Steinberg (von links) mit den Kindern Sophie und Ari vor dem Synagogendenkmal in der Geleitsgasse. © Foto: Kunz


„Your grand-grandfather is still very famous in Fürth“, erklärte Oberbürgermeister Thomas Jung den sichtlich bewegten Gästen aus Manhattan. Denn eine der Errungenschaften in der Ära Jakob Frank kennt jeder Fürther: Als Chefarzt kämpfte Frank während der Wirtschaftskrise in den zwanziger und dreißiger Jahren maßgeblich für den damals hochmodernen Neubau des Städtischen Krankenhauses, des heutigen Klinikums.

Leider ist die Geschichte von Frank eine tragische: Als Jude war der überaus beliebte „Arzt mit Herz“ den Nazis ein Dorn im Auge. Die neuen Machthaber vernichteten seine Existenz, beraubten ihn aller Posten und brachten ihn schließlich um seine Approbation. In der Pogromnacht 1938 stand der fast 70-Jährige, Inhaber unzähliger Ämter und Orden, mit den anderen verbliebenen Fürther Juden in Eiseskälte die ganze Nacht über auf der Freiheit – zusammengetrieben von den braunen Schergen.

Da war auch ihm, der nie hatte gehen wollen, klar, dass es in Deutschland keine Zukunft mehr für ihn gab. Gerade noch gelang ihm die Flucht in die USA. Doch dort wartete nichts auf ihn. Gesundheitlich angeschlagen und selbst ein Greis, hielt sich der einstige Fürther Starchirurg, der seinen Beruf in Amerika nicht ausüben durfte, als Altenpfleger über Wasser. 1953 starb er in New York in bitterer Armut, sein Fürth sah er nie wieder.

Die grausame Schmach hat Courtney Steinbergs Urgroßvater nicht mehr überwunden; auch ihr Großvater, der mit einem Kindertransport über England in die USA entkam, wollte Deutschland nie besuchen. Sie und ihr Mann Amir dagegen sind mit den Kindern Sophie (7) und Ari (4) drei Generationen später auf Europaurlaub – auch und gerade, um die eigene Familiengeschichte in Franken zu erforschen.

Fürths OB bereitete der jungen Familie einen herzlichen Empfang und drückte sein tiefes Bedauern über das Geschehene aus. Er würdigte das Werk Jakob Franks und wies darauf hin, dass sich die Stadt aktuell mit dem Gedanken trägt, ein Gebäude des Klinikums nach Courtney Steinbergs berühmtem Vorfahren benannt werden soll. Während die Kinder mit Süßigkeiten und Spielzeug aus Fürth bedacht wurden, überreichte Jung der Urenkelin des Krankenhausdirektors ein Faksimile der Festschrift zur Einweihung des Klinikums im Jahr 1931.

Begleitet wurden die Steinbergs bei ihrem Besuch von der ehemaligen Stadtheimatpflegerin Barbara Ohm sowie Lena und Dr. Axel Brandt. Barbara Ohms verstorbener Ehemann, der Arzt Hans-Georg Ohm, und Brandt, beide am Klinikum Fürth tätig, waren in besonderer Weise dafür verantwortlich, dass Leben und Werk von Jakob Frank in Fürth nicht in Vergessenheit gerieten.

„Ich bin sehr froh, dass wir hier hergekommen sind“, sagte Courtney Steinberg. Nach einem Spaziergang durch Fürth fuhr die Familie mit einem trotz allem vergangenen Grauen sehr positiven Eindruck weiter nach Forchheim. Dort wurde Jakob Frank 1871 geboren.

Peter Kunz

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