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Neue Corona-Regeln: Einzelhandel zwischen Frust und Galgenhumor

Ab Montag ändern sich in Bayern zum wiederholten Mal die Vorschriften - 09.04.2021 13:15 Uhr

„Wir dachten, wir gehören zur Grundversorgung und sind gerettet“: Bei Dauchenbeck – hier kurz vor der Wiedereröffnung im März – ist man fassungslos.

08.04.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Innenstadtbeauftragte Karin Hackbarth-Herrmann seufzt, ehe sie schildert, was ihr durch den Kopf ging, als sie von den Neuerungen hörte: "Oh Gott, nicht schon wieder. . ." Neu ist neben der Abschaffung der Ausnahmen, dass auch bei einer Inzidenz zwischen 100 und 200 Click & Meet, der Einkauf mit Termin, noch zulässig ist – wenn der Kunde einen negativen Corona-Test vorlegt.

Das Hin und Her sei nicht mehr vermittelbar, meint Hackbarth-Herrmann, für die Stimmung im hiesigen Handel findet sie den Begriff "Grundfrustration". Viele Geschäftsleute bangen um ihre Existenz, einzelne haben schon Brandbriefe an die Politik geschrieben oder sich, wie Kerstin Karalis vom Brautmodengeschäft Bella Sposa, per Video an die Regierungsspitzen in Bund und Land gewandt.

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Ständig im Lockdown: Fürther Einzelhändler schildern ihre Nöte

Seit Dezember befinden sich weite Teile des Einzelhandels im Lockdown. Aktuell dürfen viele Händler bestellte Ware nur an der Tür aushändigen oder liefern. Frust, Zukunftssorgen und Empörung sitzen tief. Fürther Betroffene berichten, wie es ihnen geht.


Mit Blick auf die bisherigen Regelungen für den Einzelhandel wie auch auf die ab Montag gültigen hält die Innenstadtbeauftragte vor allem die Inzidenzabhängigkeit für problematisch. Denn: Wechselnde Inzidenzen bedeuteten ständiges Vor und Zurück, das erschwere jede Planung. Ungut sei auch der regionale Flickenteppich bei den Inzidenzen.

Wie sich im März in Erlangen gezeigt hat, ziehen Städte mit niedrigem Wert Shoppingtouristen an. Hackbarth-Herrmann hätte sich "Click & Meet" unabhängig von der Inzidenz und ohne Corona-Test gewünscht. Die Geschäfte seien ja mit ihren Hygienekonzepten gut gerüstet gegen Ansteckungen.


Wegen Corona-Regeln im Einzelhandel: Brandbrief aus Fürth


Mirja Dauchenbeck, Mitinhaberin der gleichnamigen Gartencenter in Atzenhof und Stein, ist fassungslos. "Wir dachten, wir gehören zur Grundversorgung und sind gerettet", sagt sie. "Und jetzt das! Wie kann das sein?" Ihre Familie verkauft "verderbliche Ware". Zum Start der Gartensaison stehen 5000 Gemüsepflanzen in den Geschäften und Gewächshäusern. "Die müssen verkauft werden." Und nicht nur sie.

Zwar stornierte die Familie gleich, nachdem die neuen Vorgaben verkündet waren, erste Bestellungen. Manche Lieferung aber ließ sich nicht mehr stoppen, etwa die von Olivenbäumchen und Oleanderpflanzen aus Spanien. Mirja Dauchenbeck fragt sich, wie das weitergeht. Sie fragt: "Wer geht für zwei Tomatenpflanzen zum Corona-Test in die Apotheke?"

"Wahnsinnige Verunsicherung"

Auf ihrer Homepage verkünden die Dauchenbecks, dass sie noch bis Samstag normal geöffnet haben. "Was ab Montag, 12. April, passiert, wissen wir noch nicht so genau." Mirja Dauchenbeck spricht von einer "wahnsinnigen Verunsicherung" und davon, dass sie vieles selbst gerade nicht verstehe.

Axel Herbst geht es ähnlich. Der Betreiber von "Axel’s Sportshop" in Fürth hat gerade geöffnet, darf im Laden aber nur einen Teil des Sortiments verkaufen: Schuhe. "Wenn Sie eine funktionelle kurze Unterhose brauchen, dürfen Sie die nur vor dem Laden probieren", witzelt er mit Galgenhumor.

Denn der Rest des Sortiments fällt aktuell unter die Regelung "Click & Collect", darf also nur bestellt und abgeholt werden. Herbst findet all das "unglaublich" und klagt, ihm fehle "die Politik des gesunden Menschenverstands".

"Nackt und allein gelassen"

Wie "nackt und allein gelassen" sie sich zurzeit fühlt, hat Sabrina Zehmeister, Betreiberin der Zirndorfer Boutique Trendhaus, eben in einem Video demonstriert, das auf Facebook viel Zuspruch erhielt. Sie trat darin im hautfarbenen Body auf und machte ihrem Ärger Luft.

Die angekündigten Regelungen findet sie okay, sie versprächen ja mehr Einheitlichkeit. Dass Kunden aber negative Corona-Tests nachweisen sollen, sei ein "Schmarrn".

Warum, fragt sie, können wir nicht flächendeckend öffnen, gerne mit Kundenbegrenzung und Hygienekonzept? Die Händler seien doch selbst interessiert an einem Umgang "mit Vorsicht und Rücksicht".

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