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Neue Hoffnung: Alternativer Standort für das Fürther Kulturzentrum ist in Sicht

14.6.2021, 06:00 Uhr
Der  Verein Soziokultur wollte  mit dem  Kulturzentrum im   Lokschuppen einziehen, was  aus Lärmschutzgründen  verweigert    wurde.  Der Frust war groß. Doch nun gibt es eine   neue Perspektive für das Zentrum.

Der  Verein Soziokultur wollte  mit dem  Kulturzentrum im   Lokschuppen einziehen, was  aus Lärmschutzgründen  verweigert    wurde.  Der Frust war groß. Doch nun gibt es eine   neue Perspektive für das Zentrum. © Tim Händel

Oberbürgermeister Thomas Jung, der sich seit langem dafür einsetzt, eine Lösung im Sinne des Vereins zu finden, betonte: Trotz aller atmosphärischen Störung sei "keine Tür zu.“ Die jungen Leute nahmen das Gesprächsangebot an und gingen auf den OB zu. Zumal: „Wir hatten immer noch die Hoffnung, der Lokschuppen könnte eine Lösung sein – wenn wir unsere Forderungen zurückschrauben“, erzählt Florian Lippmann vom Soziokultur-Verein.

Statt Feiern bis 5 Uhr morgens schlug man Kneipenbetrieb bis 2 Uhr vor, dazu zwölf Sonderveranstaltungen jährlich, die drei Stunden länger gehen sollten. Aber auch dies war aufgrund von Lärmschutzvorschriften keine Lösung. Lippmann: „Das haben wir dann akzeptiert.“

Es scheiterte am Lärm

Im städtischen Bauausschuss nun wollten die Grünen vom Rathauschef wissen: Wie kam es zum Aus für die Soziokultur im Lokschuppen? Jung erläuterte, wie auch zuvor schon im Gespräch mit den FN, dass Lärmschutzvorschriften im Lokschuppen schlicht keine Feiern bis in den Morgen gestatten. Das gleiche traf bei bisherigen Alternativen zu, die man geprüft habe: die ehemalige Kult-Gaststätte Wolfsschlucht nahe der Billinganlage oder einen früheren Supermarkt an der Ecke Wehlauer/Würzburger Straße.


Fürther Lokschuppen: Aus für das geplante Jugendzentrum


Linken-Stadtrat Ulrich Schönweiß fand – wie bereits diverse Leser der FN – das Lärm-Argument im Fall des Lokschuppens nicht überzeugend, da dieser ja an Bahngleisen und Bundesstraße liegt, es dort also nachts ohnehin Lärm gibt. Wie Gudrun Hopfengärtner, die im Umwelt- und Ordnungsamt das Sachgebiet „technischer Umweltschutz“ leitet, erläuterte, seien Lärmquellen jedoch getrennt zu betrachten. Und bei einer nächtlichen Nutzung des Lokschuppens würden eben Grenzwerte überschritten.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Kamran Salimi monierte dennoch, dass vom entscheidenden Gutachten, das im Auftrag des Immobilieneigentümers P & P erstellt wurde, nur die Ergebnisse vorlägen. Man könne daher gar nicht beurteilen, ob tatsächlich alle Maßnahmen geprüft wurden, die das Projekt hätten retten können.

Hopfengärtner versicherte zum einen, dass es in so einer frühen Projektphase üblich sei, mit einer knappen Gutachtenform zu arbeiten, bei der der Fokus auf der Darstellung von Ergebnissen liegt. Zum anderen wurden ihres Wissens nach alle relevanten Lärmschutzoptionen geprüft.

Und nun? Die Stadt hält weiter Ausschau nach geeigneten Lagen. Tatsächlich gibt es nach FN-Informationen auch schon einen neuen Standort, der passend sein könnte und auf den ersten Blick „interessant“ erscheint, wie Vereinssprecher Lippmann sagt. „Er ist zwar nicht in der Innenstadt, aber in U-Bahn-Nähe. Und er ist sehr groß, man könnte vieles vereinen.“ Aber: „Wir wollen nach den bisherigen Erfahrungen nicht zu euphorisch sein. Erstmal abwarten.“

Das sieht auch der OB so, der auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte, dass man eine neue, vielversprechenden Örtlichkeit ins Auge gefasst hat. Sie liege ebenfalls in Bahnnähe, habe kaum Anwohner in der Nähe und biete sehr viel Raum, darunter „für bis zu 20 Band-Probenräume“ – Möglichkeiten, die ebenfalls seit langem ein dringender Wunsch des Vereins sind.

Vorsicht nach der Schlappe

Mehr Details will Jung partout nicht preisgeben, denn nach der Schlappe im Fall Lokschuppen sei man im Rathaus „vorsichtig geworden“. Man wolle nicht noch einmal durch vorschnelle Ankündigungen in der Öffentlichkeit „große Erwartungen wecken“, die dann nicht einzuhalten sind. Abgewartet wird deshalb auch hier, was bereits angestoßene lärmtechnische Untersuchungen ergeben.

Demnächst steht zudem ein Termin an, bei dem der Verein das Gebäude in Augenschein nimmt, sagt Lippmann. Danach können er und seine Mitstreitenden entscheiden, ob es für sie in Frage käme. Kurzum: Die Stimmungslage hat sich bei der Initiative wieder gebessert.


Hat die Politik Jugendliche zu wenig im Blick?


Und der Lokschuppen? Die Stadtspitze hält daran fest, das Baudenkmal künftig kulturell zu nutzen, etwa mit einem generationenübergreifenden Angebot ist, wie Jung sagte. Auch hier geht also die Suche nach der passenden Lösung weiter.

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