Neue Impfstation: Fürth baut dezentrales Netz aus

Birgit Heidingsfelder
Birgit Heidingsfelder

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27.2.2021, 14:12 Uhr

Wenige Tage nach dem erfolgreichen Pilotversuch zum dezentralen Impfen gegen das Coronavirus in Veitsbronn steht nun fest, wann und wo als nächstes im Landkreis geimpft wird.


Pilotversuch in Veitsbronn: Auf kurzen Wegen zur Corona-Impfung


Von Samstag, 27. Februar, bis Montag, 1. März, entsteht parallel zum Impfzentrum in der Fürther Rosenstraße im Gemeindehaus Seukendorf eine Impfstation für Bewohner des Raums Cadolzburg und Seukendorf. Von Montag, 1. März, bis Mittwoch, 3. März, gibt es ein entsprechendes Angebot im Bürgerhaus Langenzenn für Menschen aus Langenzenn und Wilhermsdorf.

Danach will man – in dieser Reihenfolge – in Zirndorf (Paul-Metz-Halle), Roßtal (Ehemaliges Tuspo-Heim), Stein (Frauenwerk Stein), wegen der dann fälligen Zweitimpfung erneut in Veitsbronn (Zenngrundhalle) und in Oberasbach (Jahnturnhalle) aktiv werden. In sieben Regionen wurde das Kreisgebiet also aufgeteilt. Genaue Termine stehen noch nicht fest.

Nach wie vor gilt: Niemand kann eine Immunisierung außer der Reihe einfordern oder sich für einen Wunschort anmelden. Die Termine werden vom Impfzentrum telefonisch zugeteilt – an Personen aus der Prioritätengruppe eins, die sich über das landesweite Portal BayIMCO bereits haben registrieren lassen und älter als 80 Jahre sind.

"Da waren ja alle da"

Bei einem Pressegespräch im Impfzentrum sagte Klaus Meyer von der AGNF, der dort mit Sebastian Habicht die Verwaltung leitet, in Veitsbronn habe sich gezeigt, dass weiche Faktoren (soft skills) wie "vertraute Gesichter" im ländlichen Bereich offenbar eine Rolle für die Akzeptanz der Impfung spielen.

"Da waren ja alle da, der Bürgermeister, ein örtlicher Hausarzt, die Freiwillige Feuerwehr." Meyer sprach von einem reibungslosen Ablauf, "das kam prima an."

Fortgesetzt werden auch die Impfungen in zwei Allgemeinarztpraxen, von denen sich eine in Fürth, die andere im Landkreis befindet. Beide Praxen hatten vorige Woche neben ihrem Tagesgeschäft – auch das ein Pilotversuch – registrierte Patienten aus der Gruppe mit der höchsten Priorität zur Corona-Impfung eingeladen. Einer der beteiligten Hausärzte sagte nun: "Für die Patienten war das wunderbar, sie hatten ihr vertrautes Umfeld."

Aufwendiger als eine Grippe-Impfung

Im Vergleich zur Grippe- ziehe sich die Corona-Impfung zwar wegen des Verwaltungsaufwands noch in die Länge. So müssten mehrere Unterschriften geleistet werden. Doch seien die Patienten "hochdankbar", wenn sie – frisch geimpft – die Praxis verlassen.

Seit Montag ist es möglich, den Bogen, auf dem beispielsweise Vorerkrankungen abgefragt werden, schon daheim auszudrucken und auszufüllen. Laut Meyer beschleunigt dies das Prozedere beim Termin enorm.

Für Habicht ist klar: "Die Impfkampagne kann nur richtig Fahrt aufnehmen, wenn die Arztpraxen mit im Boot sind." Das gelte vor allem, wenn eines Tages kein Mangel an Impfstoff mehr herrscht.

In einer Videoschalte mit dem Bundespräsidenten

Der Fürther Testlauf stieß offenbar auf reges Interesse in der Politik. So berichtet Dr. Michael Hubmann, ärztlicher Leiter des Impfzentrums und Mitglied einer Arbeitsgruppe des bayerischen Gesundheitsministeriums zur Impfstrategie: "Das Echo war groß."

Die Staatsregierung habe sich nach den Erfahrungen in den Praxen erkundigt. Am Donnerstag nahm Hubmann an einer Videoschalte mit Frank-Walter Steinmeier teil. Beim "Regionalgespräch Bayern zur Impfkampagne" erhalten in der Pandemie besonders geforderte Bürger die Chance zum Austausch mit dem Bundespräsidenten.

Astrazeneca wird jetzt in Praxen verimpft

Fest steht: Die zwei hiesigen Praxen bieten weiter Immunisierungen gegen Covid-19 an, von jetzt an aber nicht mehr mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer, der auch für ältere Leute infrage kommt, sondern mit dem Serum von Astrazeneca, das nur unter 65 verabreicht werden darf.

Insgesamt 2500 Dosen dieses Stoffs, dem Teile der Bevölkerung auch nach Berichten über starke Impfreaktionen skeptisch gegenüber stehen, den Fachleute aber als sehr gut bewerten und als wesentliche Stütze im Kampf gegen Corona verteidigen, wurden bisher nach Fürth geliefert. Nur etwa 250 wurden laut Habicht bisher verbraucht. Rund 2300 Biontech/Pfizer-Dosen kommen pro Woche in Fürth an.


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Rund 17.600 Impfungen wurden bis jetzt in Stadt und Landkreis vorgenommen. 10.600 Mal wurde eine erste Dosis verabreicht, 7000 mal eine zweite. Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen sowie Erzieher, an sich Prioritätengruppe drei, sollen nun – das ist mit Blick auf die Öffnung von Kitas und Schulen politisch gewollt – bevorzugt geimpft werden.

Doch ganz so schnell geht es nicht. Auch wenn die neue Impfverordnung da ist, so Hubmann, könne man diesen Personenkreis wohl erst dann einladen, "wenn wir die Prioritätengruppe zwei eröffnen".


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