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Neue Impulse für Fürths Hauptbahnhof

Bahnchef Rüdiger Grube geht am Rande des Metropolmarathons auf Sanierungsvorschläge ein - 07.06.2011 22:00 Uhr

Ziemlich ramponiert: Der Fürther Hauptbahnhof ist derzeit keine gute Visitenkarte der Kleeblattstadt. Das soll sich nach den Vorstellungen der Kommune wie der Bahn jedoch ändern. © Hans-Joachim Winckler


Der Metropolmarathon machte es möglich. Bahnchef Rüdiger Grube, der im vergangenen Jahr des 175-jährigen Eisenbahnjubiläums erstmals daran teilgenommen hatte, gehörte auch heuer wieder zu den Läufern einer Bahnstaffel. Und — was im Zugverkehr nicht immer der Fall ist — pünktlich auf die Minute kam er unmittelbar nach seinem Zieleinlauf zum vereinbarten Gespräch mit Oberbürgermeister Thomas Jung und Vertretern des Aktionsbündnisses Pro S-Bahn ohne Verschwenk.

Bündnissprecher Harald Riedel war beeindruckt, dass man nicht lange um den heißen Brei herumredete, sondern ohne Umschweife Vorstellungen für die künftige Nutzung des historischen Bahnhofsgebäudes entwickelte. Für die Bahn ist es im Zuge der Automatisierung weitgehend überflüssig geworden. Das Kundenzentrum könnte auch ins Verteilergeschoss unter die Erde verlegt werden. 

Kein Kauf für einen Euro

Für einen Euro hätte die Stadt den Bahnhof übernehmen können. Doch der Kommune fehlen zur Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes die nötigen Mittel. Interesse an einer zumindest teilweisen Nutzung hat die Stadt aber schon. Jung denkt an das Einrichten von Künstlerateliers in einem der Seitenflügel oder wenigstens auf einer Etage. Denn durch die fortschreitende Altbausanierung in Fürth werden viele Künstler aus ihren Ateliers vertrieben.

Auch einer Ansiedlung der Tourist-Information im Bahnhofsgebäude gibt der OB gute Chancen. Derzeit ist die Einrichtung in angemieteten Räumen am Bahnhofplatz untergebracht. Keine Illusionen macht sich Jung, dass der Bahnhof von großen gewinnbringenden Einrichtungen wie Läden genutzt werden kann, denn die Kundenströme bewegten sich künftig unter der Erde zu den Gleisen.

Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer, dass die Bahnhofsanierung hohe Priorität haben muss. Grube zieht in Erwägung, dass die Bahn selbst den Mittelteil des Gebäudes behält und herrichtet. Bezüglich der beiden Seitenflügel laufen laut Jung und Riedel aussichtsreiche Verhandlungen mit Investoren, die im Großraum bereits mehrere Projekte entwickelt haben. 

Neue Nutzung noch offen 

Zugänglich zeigte sich der Bahnchef auch in der leidigen Toilettenfrage. Großen Ärger hatte sich — wie berichtet — die Bahn eingehandelt, als sie das WC am Hausbahnsteig im Vorfeld der Arbeiten für den S-Bahn-Bau ersatzlos zusperrte. Auch Grube hält nun eine sanitäre Einrichtung im Gebäude für erforderlich. Wie die Seitenflügel im Detail genutzt werden können, steht noch nicht fest. Es gibt allerdings bereits Interesse von gastronomischer Seite. Eine teilweise Ateliernutzung muss auf jeden Fall mit den Investorenplänen abgestimmt werden. Klar ist für Riedel auch, dass die Stadt nicht mehr damit rechnen kann, Räume zu einem symbolischen Preis zu bekommen. Dass es der Bahn mit der Aufwertung des Hauptbahnhofs ernst ist, sieht Jung schon darin bestätigt, dass mit Gube ein weiteres Gespräch in drei Monaten vereinbart wurde. Dann will man über Erfolge sprechen.

Der umstrittene S-Bahn-Schwenk im Knoblauchsland war am vergangenen Sonntag kein Thema. Die Bahn hat sich auf die Position zurückgezogen, dass sie nur ausführendes Organ ist. Die Weichen würden vom Auftraggeber gestellt: im Fall des S-Bahn-Baus der Freistaat Bayern. Beim jüngsten Ortstermin mit Vertretern des Petitionsausschusses des Bundestags hat es die Fürther SPD-Bundestagsabgeordnete Marlene Rupprecht deshalb auch für vordringlich gefunden, dass sich die hiesigen Landtagsabgeordneten gemeinsam gegen den Schwenk ins Zeug legen.

 

Volker Dittmar

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