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Montag, 21.10.2019

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Neue Rettungsaktion für alten Lokschuppen

Die Stadt drängt auf Sanierung - Auch an eine Verlagerung ins Windsheimer Freilandmuseum wird gedacht - 11.03.2008

Ein Bild des Jammers gibt das bedeutende Baudenkmal an der Stadtgrenze inzwischen ab. Das marode Dach ist teilweise eingefallen und die Feuchtigkeit kann ungehindert ins Mauerwerk dringen. © Hans-Joachim Winckler


Dazu soll eine sofort vollziehbare Instandsetzungsverfügung erlassen werden. Die formelle Anhörung dazu läuft bereits. Der Immobiliengesellschaft Aurelis Real Estate hat die Fürther Bauaufsicht Ende Februar zur Stellungnahme eine Frist gesetzt, die vergangenen Freitag verstrichen ist. Auf Bitten von Aurelis wurde ein Zeitaufschub bis Ostern eingeräumt.

Sollte die Drohung mit der juristischen Keule keinen Erfolg haben, bleibt als letzter Rettungsanker nach Vorstellungen von Stadtheimatpfleger Alexander Mayer noch das Verfrachten des alten Gemäuers ins Fränkische Freilandmuseum nach Bad Windsheim. Mit einer entsprechenden Bitte hat sich Mayer bereits an Bezirkstagspräsident Richard Bartsch gewandt. Die Stadtverwaltung unterstützt dieses Bemühen ausdrücklich.

Nicht einfach

Die Begeisterung von Museumschef Konrad Bedal hält sich freilich in Grenzen. Dass es sich beim Fürther Lokschuppen um ein wichtiges Objekt handelt, will der Professor für Volkskunde und Kunstgeschichte gar nicht abstreiten, aber momentan sieht er keine Möglichkeit, solch ein umfangreiches Projekt zu schultern. Schließlich würde der Lokschuppen einen neuen Museumsbereich notwendig machen und mit Projekten sei man gegenwärtig voll ausgelastet.

Vor 14 Tagen erst hat der Kulturausschuss des Bezirks die Vorhaben für die nächsten zwei Jahre festgeklopft. Der Bezirkstagspräsident überlässt die Entscheidung seinem Museumschef und betont vorsorglich: «Wir können nicht der Notnagel für alle zu rettenden Objekte sein.

Grundsätzlich kann sich Bezirksheimatpflegerin Andrea Kluxen einen Lokschuppen auch im ländlichen Ambiente des Freilandmuseums vorstellen. «Wir präsentieren hier durchaus auch Zeugnisse der Industrialisierung », sagt die Historikerin unter Verweis auf ein kürzlich aufgestelltes MAN-Stahlhaus für Flüchtlinge aus der Nachkriegszeit. Bartsch und Bedal sehen indes in der Finanzierung ein noch ungelöstes Problem. Bartsch: «Wir haben kein Geld.»

Doch nicht nur dem Fürther Heimatpfleger bereitet die Zukunft des Lokschuppens Kopfzerbrechen. Auch beim Technischen Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft, Ralf Röder, liegen die Nerven blank. Schließlich hatte er mit ansehen müssen, wie vor einigen Jahren das bereits montierte Gerüst am Baudenkmal wieder abgebrochen wurde, weil die Reparatur im letzten Moment dann doch zu teuer erschien. Nicht einmal für eine Notsicherung des undichten Daches hat es bisher gereicht. Vielmehr beantragte die Bahn den Abbruch des Gebäudes. Der wurde ihr allerdings mit Rückendeckung durch die Regierung von Mittelfranken von der Stadt untersagt.

Hoffnungen, dass Aurelis die Sanierungschancen wenigstens durch den in Aussicht gestellten separaten Verkauf des Lokschuppens verbessert, erwiesen sich als trügerisch. Als potenzieller Käufer getarnt, erfuhr der Stadtheimatpfleger, dass tatsächlich nur ein Kauf des gesamten Areals in Frage kommt. Nachdem bereits das älteste Bahnwärterhäuschen Deutschlands - es stand in Höhe der Einmündung der Hornschuchpromenade in die Nürnberger Straße - dem U-Bahn-Bau zum Opfer gefallen ist, kommt dem historische Lokschuppen in der lokalen Eisenbahngeschichte eine besondere Bedeutung zu.

Gerade weil Fürth als Zielort der ersten deutschen Eisenbahnlinie von 1835 besondere Bedeutung genießt, ist der um 1860 errichtete Lokschuppen herausragender Zeitzeuge. Sein Pech: Weil er durch die Bahnentwicklung aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit ins Abseits manövriert wurde, bleibt sein Verfall weitgehend unbeachtet. Doch die Uhr für das Baudenkmal läuft unerbittlich ab.

Volker Dittmar

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