Schreiben vom Umweltamt

Neue Tigermücken-Funde: Fürther müssen Wasserstellen trocken legen

Alexandra Voigt
Alexandra Voigt

Redaktion Fürth

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20.10.2021, 06:00 Uhr
Hier setzt eine Asiatische Tigermücke zur Blutmahlzeit an. Die Insekten sind aus den Tropen eingewandert.

Hier setzt eine Asiatische Tigermücke zur Blutmahlzeit an. Die Insekten sind aus den Tropen eingewandert.

Bisher ging die Stadt davon aus, dass sich die aus den Tropen stammenden Insekten, die im ungünstigsten Fall schwere Krankheiten übertragen können, nur in der Kalb-Siedlung, in den Kleingartenanlagen Süd I, II und IV sowie im Gartenbau- und Kleintierzuchtverein 1897 (GBV) eingenistet haben. Dank der engmaschigen Bekämpfungsmaßnahmen war der Bestand hier aber zuletzt deutlich zurückgegangen. Ein vom städtischen Umweltamt beauftragtes und von der Firma Biogents aus Regensburg durchgeführtes Monitoring aber zeigt nun: Tigermücken schwirren inzwischen auch in den angrenzenden Gebieten herum.

Nicht nur verirrte Exemplare

Betroffen ist das Areal zwischen Flößau-, Fronmüller-, Schwabacher und Waldstraße. Silke Göttler von Biogents, die den Tigermückenbestand in Fürth überwacht, hat den Verdacht, dass es sich insbesondere im Gebiet westlich des Südstadtparks nicht nur um einige verirrte Tiere handelt. Die Expertin hat hier in den letzten Wochen immer wieder Tigermücken gefunden. "Es liegt nahe, dass eine Population besteht, in der sich die Insekten auch fortpflanzen – wenn auch nicht massenweise."

Laut Göttler darf man in Anbetracht der Lage jetzt keine Zeit verlieren. "Je früher die Bekämpfung beginnt und je besser die Bevölkerung mitmacht, desto größer ist die Chance, dass man die Population wieder zurückdrängen kann." Die Stadt hat der neuen Erkenntnis aus dem Monitoring denn auch gleich Taten folgen lassen. Zum einen wurden die Gullys mit dem biologischen Stoff BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) behandelt.

Die Grundregeln

Er sorgt dafür, dass sich im Abwasserschacht befindliche Mückenlarven nicht entwickeln können. Zum anderen versucht man, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. "Für eine Bekämpfung ist Ihre stetige Mithilfe notwendig", heißt es in dem Brief an die Haushalte in dem neuen Verdachtsgebiet. Ohne eine Beachtung der Grundregeln werde der Stechmückenbefall in den nächsten Jahren weiter ansteigen – und einen Aufenthalt im Freien in den betroffenen Gebieten fast unmöglich machen.

In dem Schreiben sind die wichtigsten Gegenmaßnahmen aufgeführt: Gefäße wie Eimer, Gießkannen und Untersetzer sollten so aufbewahrt werden, dass sich kein Wasser darin sammeln kann. Wo dies doch geschieht, muss der Behälter sofort ausgeleert werden. Der Tigermücke reichen nämlich auch schon kleinste Wasserstellen, um sich zu vermehren.

Größere Behälter, wie Regentonnen und Zisternen, sollten mit engmaschigen Netzen oder Deckeln verschlossen werden. Wer die Möglichkeit hat, dem empfiehlt die Stadt, Frösche, Goldfische und Kois in den Gartenteich einzusetzen. Denn: "Sie sind natürliche Fressfeinde der Mückenlarven."

Auf eigene Faust handeln

Die Bewohner können die Bekämpfungsmaßnahmen auch auf eine andere Weise unterstützen: Durch das Aufstellen aktiver Stechmückenfallen werden bereits geschlüpfte Tiere weggefangen, die auf der Suche nach einer Blutmahlzeit sind. Wer will, kann auch auf eigene Faust BTI in Wasserstellen im Garten oder auf dem Balkon ausbringen. Das Präparat ist in Garten- und Baumärkten erhältlich. Wenn sich Mitarbeiter von Stadt, Schädlingsbekämpfern und Überwachungsfirma ankündigen, müssen sie außerdem Zutritt zu den Gärten bekommen, in denen sie Wasserstellen trockenlegen oder mit BTI behandeln.

Umweltamtsleiter Jürgen Tölk verspricht: "Auch in den nächsten Wochen wird der Kampf gegen die Tigermücken weitergehen." Wie lange, das hänge auch von der Witterung ab. Im vergangenen Jahr waren die Plagegeister bis in den November hinein aktiv. Dann wird noch einmal Bilanz gezogen.

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