Neuer Brezenkubus für die Stadt

5.1.2009, 00:00 Uhr

© Hans-Joachim Winckler

Was lange währt, wird endlich gut, möchte man sich trösten. Und ist doch gar nicht sicher: Der schwarze Kubus mit den orangefarbenen Rollos, der seit einigen Tagen vor dem Drogeriemarkt steht, zieht die skeptischen Blicke der Passanten auf sich. Was ist das? Das neue Brezenhäuschen, das die metallene Bude von Brezen-Kolb gleich nebenan ersetzen wird.

Wer sich davon eine Vereinheitlichung der Stile in der Fußgängerzone erhofft, wird enttäuscht. Schräg gegenüber findet sich an der Mathildenstraße ein «Ufo», mit dem vor rund zehn Jahren der Notausgang der U-Bahnröhre überbaut wurde und in dem jetzt der Saftladen residiert. In Gegenrichtung und Sichtweite befindet sich der Imbissstand am Anfang der Moststraße. Dessen «Blechoptik» missfiel schon dem Baureferenten, doch der Mietvertrag mit Wurstbrater Horst Dobler läuft bis längstens 2017.

Keine ideale Situation für Ästheten. «Gleichklang und Zurückhaltung» nennt Dietmar Most vom Stadtplanungsamt als Maxime bei der Gestaltung des öffentlichen Raums. Was Stilmix und -moden betrifft, gelte «weniger ist besser». Denn auf Passanten und Bewohner wirkt in der Innenstadt eine Vielzahl an Reizen: Schaufenster, Ladenschilder, fliegende Stände, dazu Bänke, Fahrradständer, Fahrkartenautomaten, Verkehrsschilder und vieles mehr.

Dem wollte der Entwurf zur Umgestaltung der Fußgängerzone entgegenwirken. Der Preisträger des städtebaulichen Wettbewerbs setzte 2002 auf Baubronze und schlichte Formen bei Möblierung und Beleuchtung. Das Pflaster sollte aufwändig in Bögen verlegt werden.

Wie die Fürther wissen, kam alles anders. 2004 wurde ausgeschrieben, wegen Formfehlern der Anbieterfirmen folgte Mitte 2005 eine zweite Runde. Dann wurde die Pflasterung einfacher, dazu kamen Lieferschwierigkeiten und schlechte Verarbeitung der chinesischen Steine. Zudem musste die Umgestaltung der Fußgängerzone wegen des Stadtjubiläums mehrere Monate unterbrochen werden.

Anhaltende Unterbrechung

Das Ende vom leidigen Lied: Teil eins zwischen Kohlenmarkt und Mathildenstraße wurde nach einem Jahr Bauzeit im Mai 2007 fertig, Teil zwei bis zur Maxstraße dauerte von März bis November 2008. Das ursprünglich vorgesehene zweite Brezenhäuschen wurde im Verlauf gestrichen. Und bis alle Bänke und Papierkörbe installiert sind, werden noch Monate vergehen. Manfred Pirkl, als Tiefbauamtsleiter zuständig, wartet ungeduldig. «Hoffentlich wird sich in dieser Woche etwas ergeben. Wir wollen auch zur Abrechnung kommen», sagt er.

Es hakt bei Bänken und Papierkörben. Das Material und seine Beschichtung ließen zu wünschen übrig, die in Baubronze gefertigten Sitzgelegenheiten «blühten» unschön aus, Papierkörbe blätterten ab. Also zurück zur Herstellerfirma, die die Möglichkeit der Nachbesserung erhalten muss.

Eigentlich sollte noch vor Weihnachten geliefert werden. . . Einen Fertigstellungstermin gibt es nicht. Und dann sind da noch kalte Winter- und heiße Sommertage, die jede Ruhepause auf dem Metall verleiden können.

Eine Lösung wird gesucht. Gleiches gilt auch für die Persiluhr: Jahr um Jahr stand das Monument einer vergangenen Werbe-Zeit am Eingang der Fußgängerzone gegenüber von Woolworth. Sie wurde vor den Pflasterarbeiten abgebaut und ist derzeit eingelagert. Weil sie in Farbgestaltung und Material nicht in die neue Fußgängerzone passt, soll sie nicht an ihren angestammten Platz zurückkehren. Stattdessen wird ein Alternativstandort gesucht, an der Billinganlage möglicherweise oder dem Bahnhofplatz. Wo auch immer: Bauausschuss und Stadtrat werden darüber entscheiden, bis zum Sommer soll es so weit sein.

Das darf man auch in Punkto Beleuchtung der Fußgängerzone hoffen. Weil es bei den Glaskörpern zu «Herstellungsproblemen» (Pirkl) gekommen ist, werde die Montage noch bis ins Frühjahr dauern. Wenn alles gut geht, möchte man hinzufügen. Angekündigt war sie für 2007.