Montag, 08.03.2021

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Neuer Fraktionschef: Fürths CSU soll sich modernisieren

Max Ammon: "Das Eine oder Andere ist bei uns nicht mehr zeitgemäß" - 23.04.2020 13:00 Uhr

Max Ammon (Mitte), Spross einer alteingesessenen Burgfarrnbacher Metzgerfamilie, hat Dietmar Helm (re.) als Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat abgelöst. Neben Birgit Bayer-Tersch (links im Bild) wurden Joachim Schmidt und Ronald Morawski zu Stellvertretern gewählt.

22.04.2020 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Manche seiner Parteifreunde, erzählt Max Ammon im Gespräch mit den FN, sind der Meinung, dass die Fürther CSU ein Opfer des "grünen Hypes" geworden ist; dass sie nur deshalb nach einem schon desaströsen Ergebnis bei der Wahl 2014 im März dieses Jahres noch einmal tiefer gestürzt ist. Hinein in eine politische Randlage, überholt von den aufstrebenden Grünen.

Mit dieser Lesart aber, davon ist der bodenständige Metzgermeister aus Burgfarrnbach überzeugt, macht man es sich entschieden zu leicht. "Nein", sagt Ammon, mit seinen 36 Jahren der jüngste Stadtrat in einer gealterten Fürther CSU, "das Eine oder Andere bei uns ist einfach nicht mehr zeitgemäß."

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Beispiel Klimaschutz: Deutlich mehr müsse sich die örtliche CSU für dieses Thema öffnen, man dürfe nicht mehr allein als Fürsprecher des Individualverkehrs wahrgenommen werden. Freilich, dass auch er am Großparkplatz Freiheit festhalten will, weil der für den Innenstadthandel unverzichtbar sei, das verhehlt Ammon nicht. Aber als "begeisterter Fahrradfahrer" wisse er, dass in Sachen Komfort bei Radverbindungen noch viel zu tun sei.

Beispiel Jugend: Bei den jungen Wählern, das sehe man in allen Erhebungen, rangiert die CSU "unter ferner liefen". Auch daran gelte es zu arbeiten – etwa, wenn es um neue Treffpunkte geht, über die zurzeit in Fürth diskutiert wird.

Doch geht das? Ein in der Vergangenheit eklatant vermisstes eigenes Profil entwickeln, wenn man Positionen hinterherhechelt, die andere längst besetzen – noch dazu mit demselben politischen Personal wie bisher? Denn unter den neun Köpfen der künftigen CSU-Fraktion im Stadtrat findet sich nicht ein neuer; die alte Garde also soll richten, was sie selbst vermasselt hat.

Ministerpräsident Söder als Vorbild

Ammon räumt ein, dass dies die Sache nicht einfacher macht. Und dass nicht unumstritten ist, was nun folgen soll. Bei der Wahl für den Fraktionsvorsitz – der seit 2013 amtierende Dietmar Helm, zweimal als OB-Kandidat krachend gescheitert, habe sich "auf eigenen Wunsch" zurückgezogen – trat gegen Ammon die Richterin Andrea Heilmaier an. Sie gilt als Vertreterin der eher konservativen Strömung in der Partei, zwei Stimmen bekam sie. Sieben entfielen auf Ammon, der Gewinner nimmt das als Ermutigung.


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Klar, nicht alle seien einer Meinung bei der Analyse und der künftigen Ausrichtung, doch für ihn steht fest: Nur der Wandel kann die Partei aus ihrer tiefen Krise führen, "ein neues, jüngeres Gesicht" müsse sie sich geben. Für Ammon ist Ministerpräsident Markus Söder da durchaus Vorbild. Der hat das Kunststück fertiggebracht, statt, wie einst, als konservativer Hardliner mittlerweile als ökologisch bewegter, dialogbereiter Landesvater zu gelten. "Söder", sagt Ammon, "öffnet sich dem Wählerwillen." Daran könnten, daran müssten sich Fürths Christsoziale ein Beispiel nehmen.

Neues Feld: Finanzpolitik

Ein weiteres Feld, auf dem die CSU punkten kann, hat sich seiner Einschätzung nach gerade erst aufgetan: Nach den Einbrüchen, die der Corona-Epidemie folgen werden, sei auch auf kommunaler Ebene mehr denn je "eine nachhaltige Finanzpolitik erforderlich", findet Ammon. Und für die stehe doch seit jeher die CSU . . .

WOLFGANG HÄNDEL

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