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Neuer Motor für die Musen

Am 1. März tritt Elisabeth Reichert das Amt als Kulturreferentin an - 18.02.2011 09:00 Uhr

Keine leichte Aufgabe übernimmt Elisabeth Reichert (vorne) — hier bei einer Protestkundgebung gegen die Galerie-Schließung.

17.02.2011 © Hans Winckler


Die Verknüpfung von Schule und Kultur ist der Naturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Mathematik und Physik entsprechend ihres Werdegangs ein besonderes Anliegen. „Ich will erreichen, dass jedes Fürther Schulkind am Ende der neunten Klasse mindestens einmal in allen Museen und Kultureinrichtungen der Stadt gewesen ist“, sagt Reichert.

Dabei setzt sie stark auf Wissensvermittlung und liebäugelt mit Science Centern in Museen. Doch über ihre Visionen will sie eigentlich erst dann reden, wenn sie sich mit allen kulturellen Kräften ausgetauscht hat. „Ich bin eine Teamarbeiterin“, charakterisiert sich die frauenbewegte Fürtherin selbst. Einsame Entscheidungen liebt sie nicht. Wichtig ist ihr der regelmäßige Gedankenaustausch auf Abteilungsleiterebene.
 

Enge Spielräume


Mit den rund 40 Amts- und Abteilungsleitern ihrer drei Ressorts trifft sie sich gleich nach der Amtseinführung zu einem ersten Gespräch. Die Spielräume sind im Zeichen des kommunalen Sparzwangs zwar eng geworden, doch entmutigen lässt sich Reichert nicht. Schließungen von Einrichtungen, wie sie Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) als kommissarischer Kulturreferent am Beispiel der städtischen Galerie erwogen hatte, stehen für sie nicht zur Debatte.

Reichert sieht keine Möglichkeit, an irgendeiner Einrichtung noch zu sparen, oder sie gar zu schließen: „Wir brauchen die Einrichtungen,“ sagt die 53-Jährige, die sich als „KulturErmöglicherin“ einstuft und dazu beitragen möchte, dass Kultur in Fürth insgesamt einen höheren Stellenwert bekommt.

Dabei hofft Reichert, die finanziellen Probleme, unter denen nicht nur Fürth leidet, mit Hilfe von Kulturstiftungen und anderen Geldgebern abmildern zu können. Neue Kooperationsmöglichkeiten will sie zwischen dem Stadttheater und der Wirtschaft ausloten. Dazu wurden bereits erste Gespräche mit Wirtschaftsreferent Horst Müller und Intendant Werner Müller vereinbart.
 

Bessere Abstimmung


Hervorragend aufgestellt ist in den Augen der Sozialdemokratin Fürths Theater- und Museumslandschaft mit Schwerpunkt auf der jüdischen Geschichte. Im Ballungsraum müsse das Potenzial jedoch noch besser vermarktet werden. Dazu sei eine intensivere Abstimmung mit den Nachbarkommunen erforderlich.

Weh getan haben Reichert die Abstriche an der Museumspädagogik. Statt zu bremsen, will sie hier Gas geben. Ein musisches Bildungspaket möchte die 53-Jährige schnüren und dazu die Vernetzung des Jugend- und Kulturbereichs weiter vorantreiben.

Kein Idealzustand ist für die künftige Kulturreferentin die in zwei Lager gespaltene Szene der Bildenden Künstler. Auch hier herrscht ihrer Meinung nach Gesprächsbedarf. „Wir müssen die Fürther Ateliertage erhalten“, fordert Reichert. Ob die Fürther Kulturringe noch zeitgemäß sind, sei dahingestellt. Es gebe Wichtigeres.

Dem beruflichen Wechsel sieht die Fürtherin ohne Wehmut und Lampenfieber entgegen: „Ich war wirklich mit Leib und Seele Lehrerin, aber jetzt setze ich mich auch gerne ab zu neuen Ufern.“ Seit zwei Jahrzehnten gehört die Aktivistin im Verein Unabhängige Frauen Fürth dem Stadtrat an. Vor knapp neun Jahren unterlag sie ihrem Parteifreund Hartmut Träger bei der Bürgermeisterwahl.

 

VOLKER DITTMAR

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