Neuer Ordnungsdienst: Fürth will friedlicher werden

31.8.2017, 12:30 Uhr
Vier Männer und eine Frau stellen ab heute den kommunalen Ordnungsdienst der Stadt, der Konflikte vor allem verbal entschärfen und für mehr Sicherheit sorgen will.

© Foto: Horst Linke Vier Männer und eine Frau stellen ab heute den kommunalen Ordnungsdienst der Stadt, der Konflikte vor allem verbal entschärfen und für mehr Sicherheit sorgen will.

Seit Mathias Kreitinger vor einem Jahr die Leitung des Referats für Recht, Ordnung und Umwelt übernommen hat, bekommt er beinahe täglich mit, was die Fürther bewegt. Auf seinen Schreibtisch flattern Beschwerden über den Grillplatz an der Siebenbogenbrücke, wo nachts oft lautstark gefeiert wird. Bei Bürgerversammlungen ist Hundekot ein Thema. Fußgänger beklagen rücksichtslose Radfahrer in der Fußgängerzone, und Frauen, die nachts in Fürth unterwegs sind, berichten von einem mulmigen Gefühl an unbeleuchteten Stellen.

Um Abhilfe bei diesen und weiteren Ärgernissen zu schaffen, setzt die Stadt jetzt auf einen kommunalen Ordnungsdienst. Vier Männer und eine Frau hat die Stadt dafür nun eigens eingestellt; 275.000 Euro lässt sie dafür springen. Ausgestattet sind die fünf mit einer dunkelblauen Uniform, die nicht zufällig an die der Polizei erinnert und einen gewissen Respekt vermitteln soll.

Mobil sind sie dank dreier Pedelecs — die modernsten Räder der Stadtverwaltung, wie OB Thomas Jung nicht ohne Neid anmerkt — und fünf Elektroautos, die sie sich mit der städtischen Verkehrsüberwachung teilen. Angegliedert ist der kommunale Ordnungsdienst an das Straßenverkehrsamt; dieses wiederum ist dem Referat für Recht, Ordnung und Umwelt unterstellt.

Auch wenn die fünf neuen Mitarbeiter der Stadt vor allem auf Kommunikation und Deeskalation setzen, so haben sie doch einen Schlagstock und ein Spray zur Verteidigung im Notfall an der Hand. Sie wurden aber vor allem darin geschult, wie man heikle Situationen mit Worten entschärft. Außerdem bekamen sie Einblicke in verschiedene städtische Satzungen und Verordnungen, etwa die Grünflächensatzung, die auch die Benutzung von Grillplätzen festlegt, oder die Sperrzeitverordnung, die beispielsweise für die Gustavstraße relevant ist. Darüber hinaus sind die fünf in Vollzeit beschäftigten Mitarbeiter befugt, Ordnungsgelder zu kassieren und Bußgeldbescheide auszustellen.

Kooperation mit Polizei

Eine enge Zusammenarbeit stellt sich Kreitinger mit der Fürther Polizei vor, die den neuen Dienst bereits jetzt begrüße. Die Kooperation könnte etwa so aussehen, dass die Polizei dem Ordnungsdienst schnell und unkompliziert in Notsituationen beispringt. Umgekehrt sollten die neuen Mitarbeiter der Stadt auch die Polizei unterstützen, etwa, wenn es um kleinere Einsätze geht, die ohne Hilfe der Beamten lösbar sind, so Kreitinger.

In Augsburg, neben Regensburg bislang die einzige bayerische Stadt mit einem kommunalen Ordnungsdienst, laufe diese Zusammenarbeit gut, sagt Straßenverkehrsamtsleiter Hans-Joachim Gleißner, der sich das Augsburger Modell selbst angesehen hat.

Fotos an den "Mängelmelder"

Für die Bevölkerung in Fürth gibt es drei Wege, sich mit dem kommunalen Ordnungsdienst in Verbindung zu setzen, um auf Probleme hinzuweisen. Es besteht die Möglichkeit, unter ordnungsdienst@fuerth.de eine Mail zu schicken, auf der Fürth-App kann man unter der Rubrik "Mängelmelder" Fotos von Missständen hochladen, außerdem soll bald eine eigene Telefonnummer eingerichtet werden.

Die fünf Ordnungsdienstmitarbeiter werden in Schichten arbeiten, damit auch Wochenenden und Abende abgedeckt sind. Allesamt waren sie vorher bereits im Sicherheitsgewerbe tätig — und freuen sich nun auf die neuen Herausforderungen. "Ich mag den Umgang mit Menschen allgemein und freue mich, im Freien unterwegs zu sein", sagt der mit 33 Jahren Jüngste unter ihnen. Genauso wie seine Teamkollegen will er seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen.

Die ersten Einsatzgebiete stehen bereits fest: Verstärkt soll der Ordnungsdienst den Grillplatz an der Siebenbogenbrücke im Visier haben, außerdem nachts und am Wochenende kontrollieren, ob parkende Autos in der Innenstadt im Notfall Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr behindern, wie es zuletzt mehrfach geschah.

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