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Neues Aushängeschild der Wissenschaftsstadt Fürth

Am alten Flugplatz Atzenhof gewinnt ein Institut zur zerstörungsfreien Materialprüfung Konturen - 05.06.2012 17:07 Uhr

Das Zentrum der Materialprüfer nimmt Formen an. Der Strahlenbunker am linken Bildrand ist längst in Betrieb. Daran schließt sich der Neubau des Institutsgebäudes mit 6000 Quadratmetern Nutzfläche an. © Thomas Scherer


Neben dem Technikum Neue Materialien im früheren Grundig-Quartier „Uferstadt“ ist der Neubau im Atzenhofer „Golfpark“ wichtigster Hoffnungsträger der jungen Wissenschaftsstadt Fürth. Hier wie dort ziehen Forscher schließlich lukrative Aufträge aus der Industrie an Land. Werden im Technikum neue Materialien – etwa für den Fahrzeugbau und die Medizintechnik – entwickelt, ermöglichen die Fraunhofer-Ingenieure Unternehmen eine Qualitätskontrolle ohne Verlust.

Unterschiedlichste Bauteile, von Mikrochips bis hin zu Flugzeug-Leitwerken, werden mit speziell entwickelten Verfahren auf Schwachstellen untersucht. Sogar ganze Seecontainer können mit Spezialgeräten an den Häfen durchleuchtet werden. So wird den neuen amerikanischen Einfuhrbestimmungen Rechnung getragen.

Herzstück des neuen Instituts ist der 13,5 Meter hohe Strahlenbunker mit drei Meter dicken Wänden. Hier laufen die Untersuchungen, während nebenan in den 140 Büros des neuen Institutsgebäudes einmal 125 fest angestellte Wissenschaftler und 125 studentische Hilfskräfte an den dazu benötigten Apparaten tüfteln. So entstand im Rahmen einer Diplomarbeit beispielsweise ein tragbares Computertomographiegerät zum Preis eines Mittelklassewagens. Damit können sich Unternehmen durch Qualitätskontrolle in Eigenregie einen wichtigen Wettbewerbsvorteil sichern.

Das Fürther Röntgenentwicklungzentrum gehört zum Erlanger Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen, das etwa den MP3-Player erfunden hat. Dieses Institut wiederum ist Teil der Fraunhofer-Gesellschaft, mit 60 Instituten und über 18000 Mitarbeitern größte europäische Institution für angewandte Forschung. Noch vor dem Technikum der Materialforscher hat sich vor zwölf Jahren das Röntgenentwicklungszentrum als Pionierbetrieb in der Uferstadt angesiedelt.

Hier konnte es schließlich nicht mehr expandieren, weshalb der Neubau auf 20000 Quadratmetern im „Golfpark“ in Angriff genommen wurde. Zugleich wird der Zögling des Fraunhofer-Instituts für integrierte Schaltungen flügge und erhält Institutsrang. Motor der Entwicklung ist der Physiker Prof. Dr. Randolf Hanke, der neben Kontakten zur Wirtschaft den Nachwuchs gepflegt hat. Ein Ende der Erfolgsgeschichte seiner Einrichtung ist nicht in Sicht. Gerade freut sich Hanke über den Zuschlag für ein mit EU-Mittel gefördertes Forschungsprojekt zur Entwicklung von Computertomographie im Nanobereich. Gestalt nehmen zudem auch Pläne zur Errichtung einer Dependance in Singapur an. Vor zwei Wochen erst hat Hanke vor Ort in Südostasien die Weichen gestellt. Als Zentrum für Reparatur- und Wartungsbetriebe der Luftfahrt sei Singapur besonders interessant.

Trotzdem hebt Hanke nicht ab. Das Quartier in der Uferstadt will er auch nach der Inbetriebnahme des neuen Instituts bei Atzenhof nicht völlig aufgeben. So können die Synergie-Effekte mit den Werkstoffwissenschaftlern des Technikums und dem ebenfalls hier beheimateten Uni-Zentralinstitut für neue Materialien und Prozesstechnik weiter wirken.

Nicht nur mit seinen innovativen Ansätzen erregt das Röntgenentwicklunsgzentum Aufsehen, auch rein äußerlich soll das neue Institutsgebäude ein Hingucker werden: Mit einer von innen beleuchteten, transparenten Fassade in Form einer elektromagnetischen Welle. Für das Wohn- und Gewerbegebiet Golfpark bedeutet der Neubau wiederum den Durchbruch zur Vollendung. 

VON VOLKER DITTMAR

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