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Sonntag, 25.08.2019

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Neues Gemeinschaftsgefühl in Cadolzburg

Wir sprachen mit den Verantwortlichen über das Quartiersmanagement - 21.06.2019 16:00 Uhr

Die Taschengeldbörse ist eine konkrete Idee des Quartiersmanagament in Cadolzburg. Damit können Jugendliche ab 13 Jahren ihr Taschengeld aufbessern. © Foto: dpa


Quartiersmanagement — wie oft müssen Sie diesen Begriff erläutern, Frau Süß, Herr Bischoff?

Im Einsatz für das Quartiersmanagement Cadolzburg: Friederike Süß und Michael Bischoff. © Hans-Joachim Winckler


Friederike Süß: Wir können auch Stadtteilkoordination, Sozialraumorientierung oder Gemeinwesenarbeit sagen.

 

Das macht es nicht verständlicher, oder?

Michael Bischoff: Aber die sperrigen Worte werden in der Praxis schnell mit Leben gefüllt.

Süß: Wir vernetzen die Interessen der Bürger und die Organisationen, arbeiten also für das Gemeinwesen mit allen Menschen zusammen.

 

Was gab den Anstoß für die Caritas, in Cadolzburg eine solche Einrichtung ins Leben zu rufen?

Bischoff: Schon seit vielen Jahren war es ein Wunsch des Cadolzburger Seniorenbeirats, eine Beratungsstelle für ältere Bürger einzurichten. Als dann der Landkreis eine Seniorenbefragung in Auftrag gab, hat Cadolzburg die Chance genutzt, eigens Daten für die Marktgemeinde erheben zu lassen. Auch hier kam heraus, dass Beratungsbedarf besteht.

 

Ging es dabei um Beratung über Pflege?

Bischoff: Nein, oft wird das höhere Lebensalter auf Pflege reduziert, aber ein 63-Jähriger hat andere Bedürfnisse als ein 85-Jähriger. Es geht grundsätzlich um die Gestaltung des höheren Lebensalters, aber angesprochen sind auch Familien, Neubürger, junge Menschen.

Süß: Unser Ziel ist es, intergenerativ zu arbeiten. Das bedeutet, Menschen nutzen ein Angebot nicht, weil sie zu einer bestimmten Gruppe gehören, sondern weil sie gerne mit anderen Interessen teilen, sich mit ihren Fähigkeiten einbringen.

Welche Angebote fehlen in Cadolzburg?

Bischoff: Oft hört man das Argument ,Bei uns gibt es doch schon alles‘. Eines unserer Ziele ist es, Menschen zusammenzubringen und bestehende Angebote bekannter und attraktiver zu machen. Deswegen unterstützt uns auch Bürgermeister Obst, weil er das genauso sieht.

Süß: Wir möchten eher neue Angebote, gerade gemeinsam mit den Vereinen, schaffen.

 

Jetzt mal konkret: Mit was soll das Cadolzburger Quartiersmanagement starten?

Bischoff: Eine konkrete Idee ist die Taschengeldbörse: Auf der einen Seite sind die, die ihre schweren Einkäufe nicht heimtragen können, auf anderen die Schüler, die gerne ein Taschengeld verdienen möchten. Wir bringen sie zusammen. Damit ist nicht nur beiden geholfen, sondern es hat auch den Vorteil, dass sich Menschen im Ort besser kennenlernen. Die Hilfe können nicht nur ältere Menschen in Anspruch nehmen, sondern auch Jüngere in Notlagen oder mit einer Behinderung.

Süß: Im ersten Jahr werden wir außerdem viel Wert auf Befragungen legen. Die Quartiersmanagerin wird bei Festen vor Ort sein und auch selbst Veranstaltungen organisieren, um Leute kennenzulernen und über ihre Interessen und Ideen von einer gelingenden Gemeinschaft zu sprechen.

 

Sie haben bereits im Vorfeld Interviews mit Cadolzburgern geführt. Haben Sie spezifische Themen entdeckt?

Süß: Mobilität spielt eine große Rolle, ebenso die Nahversorgung.

Bischoff: In den Ortsteilen zu wohnen, ist schön, so lange man mobil ist, später wird es schwierig, die täglichen Besorgungen zu erledigen. Aber auch im Hauptort ist immer wieder der Berg zwischen Wohngebieten und Einkaufszentrum das Problem.

Süß: Hier sind kreative Ansätze gefragt. Wichtig, war uns bei den Befragungen aber auch, dass wir nicht nur wissen wollten, was fehlt, sondern auch: Wo würden Sie sich einbringen und engagieren?

 

Wo wird eigentlich das Quartiersmanagement selbst sein Quartier beziehen?

Bischoff: Im ehemaligen Sparkassengebäude werden wir unser Büro haben. Bürgermeister Obst hat sich dafür eingesetzt, dass wir am 1. Juli starten können.

Süß: Das Büro ist an ein bis zwei Vormittagen und auch mal nachmittags besetzt. Ansonsten muss sich die Quartiersmanagerin bekannt machen, Stimmungsbilder einsammeln, sie wird viel unterwegs sein.

 

Was kostet die Gemeinde die neue Anlaufstelle?

Bischoff: Sie stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung. Ansonsten wird das Projekt von der Stiftung Deutsches Hilfswerk unterstützt, ein Ableger der Deutschen Fernsehlotterie. Schön wäre es, wenn sich noch örtliche Sponsoren melden.Interview:

  

Beate Dietz

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