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Notfall-Betreuung: Der Bedarf in Fürth wird wachsen

Die Stadt rechnet damit, dass die Nachfrage in Schulen und Kitas ansteigt - 25.03.2020 16:00 Uhr

Blick durch zwei Stühle in ein leeres Klassenzimmer am 18. März 2020 in Bonn. Ein Kind sitzt alleine an einem Tisch und macht Schulaufgaben. Eine Lehrerin beaufsichtigt ihn mit Abstand. © Foto: Harald Oppitz/KNA


Seit mehr als einer Woche sind die meisten Klassenzimmer in Fürth verwaist. 27 Schüler aber machten sich in den vergangenen Tagen trotzdem auf den Weg zu ihren Schulen. Sie sind die Ausnahme: Während ihre Freunde zuhause lernen, erledigen sie ihre Aufgaben hier – meist zu zweit oder zu dritt in einem Raum, betreut von Lehrkräften. Jede Schule muss einen solchen Notbetrieb aufrechterhalten, wenn Kinder aus dem Sprengel darauf angewiesen sind. Das Gleiche gilt für die Ganztagsbetreuung, für Kindergärten, Krippen und Horte. "Wir wollen die Gruppen möglichst klein halten", sagt Schulreferent Markus Braun.

Er rechnet allerdings damit, dass die Zahl der Mädchen und Jungen in der Notfall-Betreuung steigen wird. Soeben hat die Staatsregierung den Kreis der Eltern, die sie in Anspruch nehmen können, noch einmal erweitert. Zunächst galt das Angebot nur, wenn beide Eltern in Bereichen der sogenannten kritischen Infrastruktur arbeiten oder der alleinerziehende Elternteil dort beschäftigt ist. Zur "kritischen Infrastruktur" gehören neben dem Sektor Gesundheit und Pflege etwa auch der Nahverkehr, die Energie- und Wasserversorgung, die Müllabfuhr, Polizei, Teile von Justiz und Verwaltung sowie die Lebensmittelversorgung.

Nun können auch Familien darauf zurückgreifen, wenn nur ein Elternteil in der Gesundheitsversorgung oder Pflege tätig ist – ob als Ärztin, Altenpflegerin oder Reinigungskraft in einer Klinik.

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Braun ist heilfroh über die neue Regelung. Es habe die Gefahr bestanden, erzählt er, dass Pflegerinnen und Krankenschwestern sich daheim um ihre Kinder kümmern müssten, weil ihr besser verdienender Partner zum Beispiel weiter in seinem Job bei Siemens arbeitet. In den kommenden Wochen aber werde man "jede Frau und jeden Mann" im Klinikum brauchen, spätestens in den Osterferien werde man dort etliche Corona-Patienten versorgen müssen. "Wir müssen alles dafür tun, dass die Beschäftigten nicht zuhause bleiben müssen."

 

Betrieb soll in den Ferien sichergestellt werden

 

Zudem geht Braun wie auch Jugendamtsleiter Hermann Schnitzer und Tobias Thiem, zuständig für die Fürther Kindertagesstätten, davon aus, dass viele Familien nur vorübergehende Lösungen für die Kinderbetreuung gefunden haben (Familie, Urlaub), auf Dauer aber doch die Notfall-Betreuung benötigen. Zumal sich die Regeln für soziale Kontakte ja nochmals verschärft haben. Ein Notbetrieb soll den berechtigten Familien auch in den Osterferien zur Verfügung stehen, sagt Braun.

Rund 100 Kinder wurden in der vergangenen Woche in sämtlichen Fürther Kitas notbetreut, in Zweier- oder Dreiergruppen. Thiem schätzt, dass die Zahl steigen, aber nicht explodieren wird. Schließlich sei da auch die Sorge der Eltern, dass sich die Kinder in der Gemeinschaft anstecken könnten.

Die Arbeit gehe unterdessen auch allen Lehrkräften und Erziehern jenseits der Notfall-Betreuung nicht aus, versichern Braun und Thiem. "Sie haben keine Ferien", sagt Braun. Lehrer etwa versorgen ihre Schüler über digitale Kanäle mit Unterrichts-stoff und korrigieren Aufgaben. In den Kitas wird die Zeit für viele Dinge verwendet, die im Alltag hintenangestellt werden müssen, erzählen Thiem und Schnitzer. Jetzt können Beobachtungsbögen ausgefüllt, Elterngespräche vorbereitet, Möbel umgestellt, Wände gestrichen, Spielsachen sortiert und gewaschen werden. Und: Man habe Luft, um an neuen Konzepten zu arbeiten, Fachartikel zu lesen, Schulungsplattformen zu nutzen. Manche Erzieherinnen haben auch Eltern mit Bastelideen versorgt – teils kam das benötigte Material sogar per Post zu den Familien.

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"Wir machen momentan das, was wir in der Sommerpause machen", erzählt auch Gabriele Stanin, die sich mit einer Kollegin die Leitung der Katholischen Kindertagesstätte Albertus Magnus in Stein teilt. Auch wenn hier noch keine Notfall-Betreuung gebraucht wird: Über mangelnde Beschäftigung kann sich das pädagogische Team nicht beklagen.

Gemeinsam desinfizieren die Erzieher Oberflächen und Gegenstände in der Krippe und den drei Kindergarten-Gruppen. In Ruhe kommen sie dazu, Beobachtungen über ihre Arbeit mit den Kindern festzuhalten oder Verwaltungsjobs zu erledigen. Außerdem werden bereits die Termine bis Weihnachten besprochen. Sollte die Kindertagesstätte ihren Betrieb demnächst wieder aufnehmen können, wäre alles top vorbereitet.

Hier geht's zu den ausführlichen Informationen des Freistaats für Eltern rund um Schulschließungen und Notfall-Betreuung.

 

 

 

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