Notquartier für 100 Asylbewerber im Landkreis Fürth steht

26.10.2014, 11:00 Uhr
Das Dach ist geflickt, die Böden verlegt, jetzt sind auch die Betten aufgestellt: Die leerstehende Immobilie im Gewerbegebiet Süd ist fast fertig hergerichtet. Container für Duschen und Toiletten rollen nächste Woche an.

Das Dach ist geflickt, die Böden verlegt, jetzt sind auch die Betten aufgestellt: Die leerstehende Immobilie im Gewerbegebiet Süd ist fast fertig hergerichtet. Container für Duschen und Toiletten rollen nächste Woche an. © Foto: Ralf Rödel

Die Regierung von Mittelfranken hat den Landkreis Fürth angewiesen, über die Wintermonate bis Ende März 100 Notunterkünfte für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen, weil die Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf aus allen Nähten platzt und auch die Zeltbehausung auf dem Bauhofgelände in Altenberg abgebaut werden musste.

Fündig geworden ist man jetzt in Langenzenn. Zur Diskussion habe zunächst die Stadthalle gestanden, wie Bürgermeister Jürgen Habel (CSU) berichtet. Doch die seit langem leerstehende Gewerbe-Immobilie erwies sich als geeigneter. Die Schäden im Dachstuhl — es hatte hereingeregnet — waren geringer als befürchtet. Die Büros können ohne viel Aufwand in Schlafräume umgewandelt werden.

Die Betten sind bereits geliefert, berichtet Maren Patella, Abteilungsleiterin für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt. Jetzt müssen auf den Außenflächen noch Container für Duschen und Toiletten platziert werden, dann kann die neue Dependance der Zirndorfer Erstaufnahmestelle ihre Pforten öffnen.

Landrat Matthias Dießl (CSU) machte beim Informationsabend, zu dem mehr als 200 Bürger gekommen waren, eine „starke Hilfsbereitschaft“ und Aufgeschlossenheit in der Bevölkerung aus. Vereine und Organisationen boten Unterstützung an. Spontan meldete sich ein Lehrer im Ruhestand, der für Deutschkurse bereit steht. Ein anderer Langenzenner fragte, ob man „mal fünf von den Flüchtlingen mit in den Wirtschaft oder zum Weihnachtsmarkt nehmen könne“.

Der Zirndorfer Sozialpädagoge Erwin Bartsch von der dortigen evangelischen Kirchengemeinde St. Rochus , der seit 27 Jahren Asylbewerber betreut, empfahl, die Flüchtlinge erst einmal „ortsnah“ zu begleiten.

Vor allem die Kinder müssten während ihres Aufenthalts hier beschäftigt werden: „Vier Wochen nur Ferien in Langenzenn ist mies“, verdeutlichte Bartsch und warnte zugleich vor zu viel Aktionismus.

Drei Langenzenner Ärzte werden im Wechsel Sprechstunden im Gebäude anbieten. Dort ist bereits ein Zimmer für Untersuchungen hergerichtet. Man habe aus den Fehlern bei der medizinischen Versorgung in der überfüllten Zirndorfer Stelle lernen können, betont Kinderarzt Bernhard Heeren.

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