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Nur noch unnütze Betonklötze

Hochhäuser des Fürther Klinikums sind nicht mehr zu gebrauchen - 09.05.2012 09:00 Uhr

Markantes Wahrzeichen für das Fürther Klinikum ist das weithin sichtbare Personalwohngebäude. Obwohl es lange nicht der älteste Baukörper ist, gilt es inzwischen als nicht sanierungsfähig. © Hans-Joachim Winckler


Noch immer bilden die markanten Betonklötze einen Blickfang. Doch den modernen Anforderungen werden sie inzwischen nicht mehr gerecht. Den Altbau musste die Stadt erhalten, weil er unter Denkmalschutz steht. Er wurde abschnittsweise entkernt und innen völlig neu ausgebaut. Äußerlich ist davon kaum etwas zu erkennen.

Anders lagen die Voraussetzungen bei den jüngeren Gebäuden. Nachdem sich eine Sanierung als zu umständlich erwiesen hatte, war die Kinderklinik aus dem Jahre 1969 schon 2003 durch einen 25 Millionen Euro teuren Neubau ersetzt worden. Und jetzt schlägt auch dem Personalwohngebäude II die Stunde.

Wie berichtet, hat der Freistaat Bayern Ende vergangenen Jahres grünes Licht für eine psychiatrische Klinik mit 100 Betten am Fürther Krankenhaus gegeben. Als Standort wird von der Klinikleitung der Platz des Personalhochhauses favorisiert. Noch heuer soll das Projekt so weit entwickelt werden, dass der Krankenhausplanungsausschuss des Landtags 2013 die erforderlichen Mittel freigeben kann. Schließlich können nicht alle genehmigten Baumaßnahmen gleichzeitig begonnen werden.

Mit seiner Ausstattung wie Etagenduschen entspricht das Personalgebäude für Pflegekräfte nicht mehr dem modernen Wohnstandard, gibt Klinikchef Peter Krappmann zu bedenken. Man wolle sich um einen zeitgemäßen Ersatz für die rund 60 Wohnungen bemühen. In der nun weitgehend abgeschlossenen Generalsanierung des Klinikums war das Hochhaus ohnehin nicht enthalten.

Von einem Neubau mit fünf Stationen, die jeweils über 20 Betten verfügen, verspricht sich Krappmann eine wesentlich intensivere Krankenhausnutzung. Eine Verschwendung von Ressourcen kann er im Abriss der scheinbar soliden Gebäude nicht erkennen. Der Altbau habe eine viel bessere Bausubstanz. So mussten die Balustraden der Kinderklinik bereits notdürftig abgestützt werden. Größte Probleme hätte zudem eine ernergetische Sanierung bereitet.

Baureferent Joachim Krauße schlägt in dieselbe Kerbe, wenn er die Hochhäuser auf Anfrage der FN mit den maroden Brücken aus den 60er und 70er Jahren vergleicht. Betonsanierungen am Sparkassenhochhaus und am Bahnhof-Center sind jedenfalls enorm aufwendig.

Krappmann hält schon im Hinblick auf den raschen medizinischen Fortschritt eine Planung von Krankenhäusern auf einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren für nicht mehr angebracht. Allein auf die Entwicklung der Großgeräte — etwa in der Röntgentechnik — seien viele Kliniken gar nicht eingerichtet. „Vor 20 Jahren gab es noch keine Computertomographie“, sagt der Klinikchef und denkt dabei an die baulichen Veränderungen, die in Fürth bei der Einführung der neuen Technik notwendig waren.

Ein Neubau sei in vielen Fällen sinnvoller als nachträgliche Anpassungen selbst jüngerer Gebäude. Vorexerziert wird es jetzt in Lichtenfels. Um auf die raschen Veränderungen schneller reagieren zu können, wurde der Verwaltungskomplex des Fürther Klinikum so konzipiert, dass die Raumaufteilung nachträglich schnell und kostengünstig variiert werden kann.

Ermöglicht wird die neue Psychiatrie-Klinik wie schon die 2001 eröffnete psychiatrische Tagesklinik und die 2010 angesiedelte neurologische Abteilung durch die Kooperation mit den Bezirkskliniken. Die 100 Betten für Fürth werden vom sanierungsbedürftigen Klinikum am Europakanal in Erlangen abgezogen. Wohnortnahe Versorgung wird angestrebt. 

Volker Dittmar

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