Oberasbach hält bei der Bibertbahntrasse still

24.2.2013, 13:00 Uhr
Die Eisenbahnbrücke bei Oberasbach hat lange keine Züge mehr gesehen. Dass irgendwann wieder Schienenfahrzeuge die Rednitz überqueren, wird mit der jüngsten Stadtratsentscheidung nicht wahrscheinlicher.

Die Eisenbahnbrücke bei Oberasbach hat lange keine Züge mehr gesehen. Dass irgendwann wieder Schienenfahrzeuge die Rednitz überqueren, wird mit der jüngsten Stadtratsentscheidung nicht wahrscheinlicher. © Günter Distler

Wie bereits ausführlich berichtet, hat die Stadt Nürnberg beim Eisenbahnbundesamt den Antrag gestellt, einen 610 Meter langen Abschnitt der Bibertbahntrasse von „Bahnbetriebszwecken“ freizustellen. Dabei handelt es sich um das erste Teilstück auf Nürnberger Grund, das sich an den östlichen Ortsrand Oberasbachs anschließt. Bekanntermaßen haben der Landkreis sowie die Städte Zirndorf und Oberasbach die Reaktivierung der Bibertbahn durch einen privaten Investor abgelehnt, sich aber bei Abstimmungen im Kreistag sowie den beiden Stadträten dafür ausgesprochen, die Strecke langfristig für die Zwecke des öffentlichen Personennahverkehrs offen zu halten. Die Option, in 10, 20 oder 30 Jahren den Landkreis in diesem Bereich doch noch über die Schiene zu erschließen, wäre damit gegeben gewesen. Der Stadtrat Oberasbach hatte am 27. Juni 2011 beschlossen: „Die Widmung als Bahntrasse soll aufrecht erhalten bleiben.“

Hinter dem Schritt der Stadt Nürnberg steht die Absicht, das betroffene Areal für den Endhalt der U-Bahn-Linie 3 zu nutzen: Diese soll in rund zehn Jahren bis Gebersdorf fahren. Der benötigte Bahnhof und ein Abstellgleis, dies hatte das Landratsamt auf Nachfrage bei der Stadt Nürnberg erfahren, sollen unter anderem hier Platz finden.

Verbindung abgeschnitten

Kommt es dazu, wird die aus dem Biberttal auf Nürnberg zulaufende Trasse abgeschnitten. Der Weg zum Hauptbahnhof wäre damit endgültig blockiert, eine Schienenlösung für den Landkreis verbaut. Daran erinnerte Norbert Schikora (Grüne) im Stadtrat. Wenn das Teilstück durch die Freistellung herausgebrochen würde, „wäre das fundamental, dann nützt die Widmung auf der Strecke im Landkreis nichts mehr“. In die gleiche Kerbe schlug Franz X. Forman (FW). Die Trasse als Ganzes sei dann nicht mehr interessant für den Schienenverkehr, meinte der 2. Bürgermeister und plädierte dafür, „dieses Faustpfand nicht aus der Hand zu geben, bis sich etwas Besseres bietet“. Dafür, nichts zu überstürzen, sprach sich auch Thomas Peter (FDP/FOB) aus.

Inwiefern sich Perspektiven im Laufe der Zeit verändern können, darauf verwies Schikora mit dem Beispiel der Rangaubahn. Für die Nebenstrecke zwischen Cadolzburg und Fürth ist wie berichtet eine Durchbindung über den Nürnberger Nordostbahnhof nach Gräfenberg in der Diskussion – Pläne, die schon vor rund 20 Jahren debattiert wurden. Rattern würden die Züge über Gleise der alten Nürnberger Ringbahn, die auch hinter der Sportanlage der SG 83 Nürnberg-Fürth, nur rund 3,5 Kilometer von der östlichen Oberasbacher Stadtgrenze entfernt, vorbeiführen.

Klagen bremsen Weiterbau

Für Schikora ist ohnehin noch nicht ausgemacht, dass die U-Bahn überhaupt einmal bis Gebersdorf fahren wird: „Und wenn das so kommt, stehen wir blöd da.“

In der Tat hakt es bei dem Vorhaben der Nürnberger schon seit einiger Zeit. Der Weiterbau der U3 von der Gustav-Adolf-Straße in den Stadtteil Gebersdorf liegt seit Mai 2011 auf Eis. Damals verhängte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof einen vorläufigen Baustopp.

Hintergrund ist die Klage des Betreibers eines Seniorenheims, der eine unzumutbare Lärmbelästigung während der mehrjährigen Bauphase fürchtet. Derzeit sind zwei Verfahren anhängig. In dem einen versucht die Stadt Nürnberg, das Baurecht zu erlangen, eine Entscheidung darüber ist noch für diesen Monat angekündigt. In dem zweiten geht es darum, ob die Genehmigung für den Bau der U-Bahn rechtmäßig ist. Wann hier mit einem Richterspruch gerechnet werden kann, ist offen.

Oberasbachs CSU und SPD befürchteten, die U-Bahn werde sich noch weiter drastisch verzögern, sollte die Stadt Einspruch einlegen und plädierte für den sogenannten Alternativbeschluss. Dieser schloss den Vorbehalt ein, dass die Stadt nur unter der Voraussetzung keinen Einspruch erheben würde, wenn die betreffenden Flächen „ausschließlich Verwendung finden, um den Bau des U-Bahnhaltepunkts Gebersdorf, dort im Bereich von Fürth-Süd, zu ermöglichen“. Dass diese Formulierung Sinn macht, bezweifelte Forman: Es gebe keine bedingte Freistellung nur für U-Bahn-Zwecke.

Nach einer achtminütigen, von der SPD beantragten Sitzungsunterbrechung kam es zur Abstimmung: Zunächst wurde der Beschluss, Einspruch gegen die Entwidmung zu erheben, gegen die Stimmen von Sigrun Hübner-Möbus und Peter Gerlach (beide SPD), Gudrun Zwanziger-Bleifuß, Felix Kißlinger und Franz X. Forman (alle FW) sowie Norbert Schikora und Thomas Peter abgeschmettert. Anschließend votierte die gleiche Mehrheit für besagten Alternativbeschluss. Wobei die Stadt sich damit vergaloppiert hat – das legt die Nachfrage beim Eisenbahnbundesamt in Bonn nahe.

Zu laufenden Verfahren könne er sich nicht äußern, sagt Moritz Huckebrink, Pressesprecher der Behörde. Es bleibe der Stadt Oberasbach überlassen, wie sie ihre Stellungnahme formuliere, aber: „Eine Freistellung unter Bedingungen ist nicht möglich.“ Bis 26. Februar können Behörden, Kommunen und Gebietskörperschaften sich noch äußern, dann wägt das Eisenbahnbundesamt ab. Anschließend gibt es laut Huckebrink nur zwei Möglichkeiten: „Entweder wird die Freistellung vorgenommen oder abgelehnt.“



 

6 Kommentare