Oberasbach ringt um ein lebendiges Stadtzentrum

5.3.2018, 11:00 Uhr
Zwei Gebäude, in U-Form angeordnet (li.), sollen auf der Festwiese entstehen. Nach rechts öffnen sich die Baukörper zum neuen Rathausplatz, so nun der offizielle Name für den bisherigen „Platz für alle“. Das bestehende Ärztehaus (re.) und oben das Rathaus umrahmen die Fläche.

Zwei Gebäude, in U-Form angeordnet (li.), sollen auf der Festwiese entstehen. Nach rechts öffnen sich die Baukörper zum neuen Rathausplatz, so nun der offizielle Name für den bisherigen „Platz für alle“. Das bestehende Ärztehaus (re.) und oben das Rathaus umrahmen die Fläche. © Foto: Jörg Messmer

Das Thema elektrisiert – und polarisiert: Rund 40 Bürger waren in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen, in den die Stadt eingeladen hatte, um erstmals öffentlich über das bisher nur hinter verschlossenen Türen verhandelte Vorhaben zu informieren.

Um was es den Beteiligten geht, seien es Gewerbetreibende, Kommunalpolitiker, Verwaltungsmitarbeiter oder Fachleute wie Stadtplaner und Architekten, ist klar: Das Rathausumfeld soll sich mit Leben füllen. Ein quirliges neues Zentrum wünschen sie sich, das den Bürger nicht nur mehr Möglichkeiten eröffnet, einzukaufen oder Dienstleistungen aus den Bereichen Medizin und Gesundheitspflege in Anspruch zu nehmen. Die Oberasbacher Mitte soll darüber hinaus auch Aufenthaltsqualität bieten, Veranstaltungen – in moderatem Maße – könnten deshalb hier stattfinden.

Das Problem: Es braucht jemanden, der die beiden Gebäude baut. Das erfordert einen stolzen finanziellen Aufwand, und zwar im zweistelligen Millionenbereich. Im Sitzungssaal fiel mehrere Male die Summe von zehn Millionen Euro.

Schwierige Investorensuche

Investoren, die so viel Geld in die Hand nehmen, wachsen nicht auf den Bäumen. Das machten auch die Ausführungen von Stadtplanerin Martina Dietrich deutlich. Sie referierte die Historie des Projekts, das Mitte 2013 mit einem so genannten Realisierungswettbewerb gestartet war. 25 potenzielle Bauherren und Investoren waren im Laufe des Jahres 2016 angeschrieben worden, es folgten nur Absagen. Entweder hatten die Firmen keine Kapazitäten, wollten kein reines Ärztehaus planen oder fremdelten mit den Bedingungen des Erbbaurechts. Stand der Dinge ist deshalb heute: Die Eigentümerin des Geländes, die Pfründestiftung der Evangelischen Kirche, tritt selbst als Investor an, hat aber bestimmte Vorstellungen.

Knackpunkt ist dabei der Nutzungsmix des größeren der beiden Baukörper. Während das kleinere Gebäude an der Vorderen Hochstraße zum überwiegenden Anteil Arztpraxen und Dienstleister aus dem Gesundheitsbereich beherbergen soll, steht noch nicht fest, wie die Belegungspalette für das im südlichen Bereich der Festwiese geplante größere Pendant aussieht. Gewerbe und zugkräftige Geschäfte, das ist ein schwieriges Terrain. Der Investor wünscht sich vor aber allem wirtschaftliche Sicherheit. Die sollen aus seiner Sicht Wohnungen garantieren. Das Büro Franke + Messmer hat deswegen seinen Siegerentwurf aus dem Architektenwettbewerb bereits geändert und das Gebäude um ein ausgebautes Dachgeschoss aufgestockt.

Diesem ersten Zugeständnis könnte ein weiteres folgen: Die Kommune zieht mit ihrer Stadtbibliothek, der VHS und dem Bürger-Info-Treff ins Erdgeschoss ein und garantiert so langfristig sichere Mieteinnahmen. Aber sorgen solche Verlagerungen, die reine Verschiebungsmaßnahmen im Stadtzentrum wären, für die gewünschte Belebung?

Sowohl Bürger, einzelne Stadträte, aber auch Gewerbetreibende meldeten Zweifel an. Ebenfalls kritisch gesehen wird, ob Ärzte überhaupt sogenannte "Frequenzbringer" sind. Und: Stichwort Wohnen – ist da mit Blick auf das erhoffte lebendige Umfeld nicht Streit programmiert? Es sei "kein Festivalgelände" geplant, entgegnete Architekt Jörg Franke auf eine entsprechende Einlassung von Franz X. Forman, Stadtrat der Freien Wähler, der das Thema "Wohnen" nur "minimalst" angesiedelt wissen will.

Die Geschäftsleute rund ums Rathaus, das wurde deutlich, wünschen sich hochwertige Geschäfte, nur das würde die Attraktivität des Areals fördern, denn: "Laufkundschaft ist das, was fehlt." Priorität habe Gewerbe, sagte auch Holger Harbich vom Bund der Selbstständigen in Oberasbach. Dabei sollten aber Umschichtungen vermieden werden, das schaffe nur anderswo Leerstände. Welcher Mix kommen soll, muss nun der Stadtrat festlegen, darauf verwies Bürgermeisterin Birgit Huber. Außerdem hat das Gremium eine Entscheidung darüber zu treffen, ob die Stadt als Ankermieter bereitstünde. Klar sei, so Huber: "Der Investor will möglichst breit in die Suche einsteigen."

Diesem Ansinnen, das ließen weitere Äußerungen seitens der Verwaltung und der Politik vermuten, dürften nicht viele Widerstände entgegenstehen. Wenn es genügend gewerbliche Interessenten gebe, "kommen die da rein", umschrieb der stellvertretende Bürgermeister Norbert Schikora die Ausgangslage. Aber falls nicht, dann brauche es einen Plan B mit besagter städtischer Nutzung. Es gehe schließlich darum, eine "Notsituation am Rathaus zu verbessern" und "das Projekt nicht zu gefährden".

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