Oberfürberger geraten in Alarmstimmung

5.10.2010, 16:00 Uhr
Freies Feld, so weit das Auge reicht: Hier am nördlichen Ortsrand von Oberfürberg sollen nach den Vorstellungen eines privaten Grundstücksentwicklers bis zu 800 neue Wohnungen entstehen.

Freies Feld, so weit das Auge reicht: Hier am nördlichen Ortsrand von Oberfürberg sollen nach den Vorstellungen eines privaten Grundstücksentwicklers bis zu 800 neue Wohnungen entstehen. © Ralf Rödel

Für Diskussionsstoff dürfte das Projekt zuvor schon bei der Bürgerversammlung des Stadtbezirks Süd am kommenden Montag um 20 Uhr in der Turnhalle der Adalbert-Stifter-Grundschule sorgen. Der Verein „Rettet Fürberg“, der gegen das Bauvorhaben Sturm läuft, lädt am Donnerstag, 21. Oktober, um 19 Uhr zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung ins Gasthaus Kirschbaum (Unterfürberger Straße 105). Es soll verhindert werden, dass der Stadtrat in seiner Sitzung am 27. Oktober grünes Licht gibt.

Die Verwaltung ist darum bemüht, den Konflikt mit den Oberfürbergern zu entschärfen. In einem ersten Schritt wurde ein 6000 Quadratmeter großes Schulgrundstück am Rennweg aus dem Gesamtpaket herausgenommen. Für weitere Beruhigung soll er Umstand sorgen, dass zunächst nur ein Teilbereich der Gesamtfläche überplant wird. Es geht um 120000 Quadratmeter vom Main-Donau-Kanal Richtung Kirchenweg — der vom Lärm am meisten betroffene Bereich.

Ein bis zu 15 Meter hoher Wall soll das Baugebiet abschirmen. Die Verkehrserschließung ist über die Verlängerung der Straße Am Europakanal geplant. Nahversorgungszentrum und Kindergarten sind im Plan enthalten. Baureferent Joachim Krauße argumentiert, dass dieser Bauabschnitt auch für sich allein bestehen könne, also nicht unbedingt Zuwachs bekommen müsste. Die weitere Entwicklung solle von der Nachfrage abhängig gemacht werden.

Deshalb, so Krauße auf Anfrage der Fürther Nachrichten, verteuere sich der Erschließungsbeitrag für die Grundstückseigentümer. Allerdings sei das Ganze immer noch wirtschaftlich, da die Grundstücke durch Umwandlung vom Ackerland in Bauland erheblich an Wert gewinnen. Zwei bis vier Euro kostet der Quadratmeter Ackerland, etwa 270 Euro erschlossenes Bauland. Die Erschließungskosten wurden ursprünglich mit 73 Euro pro Quadratmeter angesetzt. Die Stadt kann vor allem vom ersten Bauabschnitt profitieren. Denn von den 55000 Quadratmetern, über die sie auf der Gesamtfläche verfügt, fallen allein 40000 in diesen Bereich. Neben der Kommune gibt es nach Angaben von Stadtplaner Dietmar Most weitere 40 Grundeigentümer, neun davon im ersten Bauabschnitt. Die Gesamtfläche ist in drei Bauabschnitte unterteilt.

Geplant wird das Baugebiet von der LI-Consult GmbH aus Neuhausen bei Pforzheim. Schwierigster Part ist die Neuordnung der Grundstücke. Der Bürgerverein, der schon seit Monaten Unterschriften gegen das Projekt sammelt, rüstet sich für eine harte Auseinandersetzung. Sollte tatsächlich eine Baugenehmigung erteilt werden, schließt Vereinsmitglied Rainer Heimler, Fachanwalt für Baurecht, eine Normenkontrollklage nicht aus.

Was „Rettet Fürberg“ so aufbringt, ist die befürchtete Veränderung des Ortscharakters durch eine Verdopplung der Bausubstanz. Außerdem zweifelt Vereinsvorsitzende Marion Crozat daran, dass die Blechlawine gebändigt werden kann. Und schließlich geht es auch um den Verlust von Freiflächen vor der Haustür.

Die Stadt, die auch auf dem Reichsbodenfeld an der Breslauer Straße ein großes Wohngebiet plant, setzt weiterhin auf Bevölkerungszuwachs. Innerstädtische Alternativen zu Baugebieten auf der grünen Wiese gibt es nach Ansicht der Stadtspitze nicht, will man die Bauinteressenten nicht an den Landkreis verlieren. Der Bund Naturschutz kritisiert indes den grassierenden Flächenverbrauch.