Offene Wünsche beim ersten Fürther Jugendforum

2.3.2018, 16:00 Uhr
In reger Diskussion standen Schüler auch mit Sozialreferentin Elisabeth Reichert. Künftig soll es regelmäßig einen Austausch zwischen Jugendlichen und Vertretern aus Stadtrat und Verwaltung geben.

In reger Diskussion standen Schüler auch mit Sozialreferentin Elisabeth Reichert. Künftig soll es regelmäßig einen Austausch zwischen Jugendlichen und Vertretern aus Stadtrat und Verwaltung geben. © Foto: Armin Leberzammer

Mit dem gestern erstmals veranstalteten Jugendforum wurde ein erster Schritt in diese Richtung gemacht.. 270 Vertreter von der achten Jahrgangsstufe aufwärts aus praktisch allen Schulen der Stadt waren der Einladung in die Stadthalle gefolgt. Im Gepäck hatten sie jede Menge Ideen und Vorschläge, was sich in ihrer Heimatstadt verbessern ließe. Nachdem sie am Vormittag gemeinsam Probleme benannt und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet hatten, kam dann der Besuch aus dem Rathaus.

Den meisten Applaus heimste dabei der Oberbürgermeister ein. Was allerdings auch daran liegen könnte, dass außer Thomas Jung viele der übrigen Vertreter aus Stadtrat und Verwaltung den Jugendlichen unbekannt waren. Moderator Erik Flügge, der bundesweit solche Veranstaltungen begleitet, hat die Bürgervertreter und Beamten darauf schon vorbereitet: "Stellen Sie sich vor und erklären Sie, was Sie machen und wofür Sie verantwortlich sind."

Vieles wäre machbar

Dass die Schülerinnen und Schüler ihrerseits selbst Verantwortung übernehmen wollen – auch über das alltägliche Umfeld hinaus – machte Flügge den erwachsenen Besuchern des Forums ebenso deutlich: "Die Jugendlichen haben sich viele Gedanken gemacht. Fast alles davon ist auf kommunaler Ebene lösbar, manches kostet eine Menge Geld, anderes gar nichts."

Präsentiert wurden die Ergebnisse an großen Schautafeln. Dort hatten die jungen Menschen Wünsche, Ärgernisse, aber ebenso Lösungswege aufgeschrieben. Hierüber tauschten sie sich schließlich auch mit ihren Gästen aus. Zur Sprache kamen Themen, die man von Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren erwarten kann, wie Einkaufsmöglichkeiten, Nachtleben, Sportanlagen oder öffentliches WLAN. Gleichzeitig bewiesen sie, dass sie bereit sind, über den eigenen, oft unterstellten hedonistischen Tellerrand hinauszublicken. Denn wie Senioren besser ins Stadtleben integriert werden können, wurde ebenso diskutiert wie Hilfen für Obdachlose.

Ungewöhnlich für Jugendliche

Großen Raum nahmen zudem die Aspekte Sicherheit und Sauberkeit ein - die auch auf den Bürgerversammlungen der erwachsenen Fürther selten fehlen. "Ungewöhnliche Themen für Jugendliche", fand OB Jung überrascht, als er auf die verbesserungswürdige Situation bei Krankenhäusern, Polizei und Feuerwehr angesprochen wurde. "Und was heißt langweilig?", wollte Jung wissen, als er die wenig schmeichelhafte Beschreibung Fürths als Einkaufsstadt an einer Tafel entdeckte. Es würden Markenläden und große Ketten fehlen, so die Antwort.

Bei den Fragen nach den notorischen und auf jeder Schülersprechstunde im Rathaus kritisierten hygienischen Zuständen auf den Schultoiletten überließ der OB dann schnell dem zuständigen Bürgermeister und Schulreferenten das Feld. "Wir sind uns der Problematik bewusst", betonte Markus Braun und verwies auf die vielerorts anstehenden umfassenden Modernisierungsarbeiten. Er selbst schaue bei jedem Besuch einer Schule, wie es dort um die WCs bestellt sei. Den Betroffenen war dies zu wenig. "Es sollten auch einmal unangemeldete Kontrollen gemacht werden", fand eine Schülerin.

Zu tun gibt es aus Jugendsicht also einiges. Die gestrige Veranstaltung sei ein Startpunkt, so Florian Seidel. Er hat gemeinsam mit seiner Kollegin Linda Nägele vom Kulturcafé Zett9 den Gedankenaustausch organisiert, der nun regelmäßig stattfinden soll. Gleichzeitig arbeite man an einem Konzept, um für die Kommunikation zwischen Jugendlichen, Stadtrat und Verwaltung dauerhafte Strukturen zu etablieren.

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