Offener Schlagabtausch in der Stadthalle

1.12.2012, 22:00 Uhr
Die Fürther Kneipenmeile – hier vom Grünen Markt aus gesehen – lockt Besucher magisch an. Sehr zum Leidwesen mancher Bewohner, die sich mehr Ruhe wünschen.

Die Fürther Kneipenmeile – hier vom Grünen Markt aus gesehen – lockt Besucher magisch an. Sehr zum Leidwesen mancher Bewohner, die sich mehr Ruhe wünschen. © Hans-Joachim Winckler

Leidenschaftlich prangerten An-wohner die nächtliche Geräuschkulisse an und warfen der Stadt Untätigkeit vor, während seitens der Wirte die bereits praktizierte Rücksicht auf das Ruhebedürfnis ins Feld geführt wurde. Beide Lager unterstrichen unter Beifall ihre Entschlossenheit, im Konflikt nicht nachzugeben.

Der Stadt und nicht den Wirten gibt Friedrich Kiel die Schuld an der Misere. Weil er den Lärm nicht mehr ausgehalten habe, sei er bereits vom Waagplatz in die Hirschenstraße umgezogen. Mit Ruhm hat sich die Verwaltung bei ihrem Konfliktmanagement auch nach Ansicht des Waagplatzbewohners Jürgen Werner nicht bekleckert. Rechtsreferent Christoph Maier wehrte sich gegen den Vorwurf der Untätigkeit, räumte jedoch ein, bis 2008 zu großzügig mit Zugeständnissen an die Gastronomie gewesen zu sein. Entbrannt sei der Streit erst, als der Nichtraucherschutz die Raucher vor die Kneipentüren verbannte.

„Die Wirte tun alles, um die Raucher nicht zur unnötigen Belastung werden zu lassen“, versicherte Kaffeebohne-Wirt Jens Graeser. Es stimme nicht, dass die festgelegte Lärmgrenze täglich überschritten werde. Die Gustavstraße biete nach der Verkehrsberuhigung auch mit Gastronomie noch hohe Lebensqualität.

In dieses Horn stieß auch Oberbürgermeister Thomas Jung, indem er auf die historische Bedeutung des Straßenzugs als Zentrum der Fürther Wirtshauskultur verwies. Für Furore habe das lebhafte Treiben auch früher schon gesorgt. Nur sei damals noch der Verkehrslärm hinzugekommen. Jung: „Wer in der Großstadt wohnt, muss mit Lärm leben.“ Und der Rechtsreferent gab zu bedenken: „Wenn die Grenzwerte der Technischen Anleitung Lärm eingehalten werden, ist die Gustavstraße tot.“

Nach den Worten von Anwohner Matthias Bauer habe es früher nicht so viele Feste und Freischankflächen gegeben. Als er vor 22 Jahren herzog, um einen Altbau zu sanieren, habe er eine völlig andere Situation vorgefunden. Die Vielzahl von Veranstaltungen beklagt auch Marcel Schwalme, der seit 2008 in der Gustavstraße lebt. Kein Problem ist das Nachtleben in der Altstadt hingegen für Harald Hauenstein aus der Unteren Fischerstraße. Die Kontrahenten gingen einmal mehr unversöhnlich auseinander.
 

23 Kommentare