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Öko-Strom für Langenzenn

Die Langenzenner Stadtwerke liefern nun zu hundert Prozent, und das ohne Preisaufschlag - 23.01.2021 18:15 Uhr

Eine der produzierenden Solarstrom-Anlagen, im Langenzenner Vorort Kirchfembach: Anträge auf den Bau neuer Felder mehren sich. Die Stadträte wollen einen neuen Grundsatzbeschluss fassen. Im Gespräch ist auch eine Satzung für die gesamte Innenstadt.

22.01.2021 © Foto: Hans Peter Reitzner


Seit 1. Januar werden alle angeschlossenen Haushalte komplett mit Ökostrom versorgt – und das ohne Zusatzkosten, wie Werkleiter Ralph Lampert betont. Die Stromkunden müssen auch gar nichts unternehmen, heißt es, denn der Wechsel erfolgt automatisch.

Hintergrund ist, dass die Stadtwerke in den vergangenen Jahren in eine Vielzahl von Photovoltaikanlagen investiert haben, so zum Beispiel auf der Grundschule, der Kläranlage oder der Gemeindescheune im Vorort Kirchfembach.

Auch Gewerbe und Industrie 

Im neuen Jahr gehen die Stadtwerke noch weiter: Nicht nur die Privatkunden, sondern auch ihre Gewerbe- und Industriekunden werden auf hundert Prozent Öko umgestellt, ohne Aufschlag auf den bisherigen Tarif, zum Vorteil der Umwelt und als Schritt zur Energiewende, so Lampert: "Eine Win-win-Situation für alle, Kunden, Werke und Umwelt." Bislang waren nur die Kunden im Tarif Zenna-Öko, einige Gewerbebetriebe und alle städtischen Liegenschaften mit Sonnenstrom beliefert worden.


Landkreis Fürth: Die Konkurrenz um rare Flächen


Im Gespräch ist nach wie vor eine Innenbereichssatzung für die Altstadt Langenzenns. Klaus Roscher, SPD-Stadtrat und früherer Dritter Bürgermeister, plädiert beispielsweise dafür, hier Solarzellen auf den Dächern von Neubauten vorzuschreiben, auch in den Bebauungsplänen.

Allerdings liegen diese Planungen auf Eis, weil sie sich auf dem Schreibtisch von Stadtbaumeister Anton Meier befanden, der im vergangenen Jahr überraschend gestorben ist. Zu klären bleibt, inwieweit solch eine Vorschrift mit dem Denkmalschutz kollidieren würde.

Was Freiflächen-Solaranlagen auf meist landwirtschaftlichem Grund und Boden betrifft, so nimmt das Interesse daran ebenfalls zu. Der Stadtrat hatte 2010 und 2012 zwei Grundsatzbeschlüsse zur Freiflächen-Photovoltaik gefasst. Erlaubt wurden nach einer Standortanalyse nur Anlagen auf Böden geringerer Qualität.


Bekommt Fürth einen zweiten Solarpark?


Nach der Errichtung zweier Großanlagen, darunter ein Feld hinter dem Bahndamm Nürnberg–Würzburg in Kirchfembach, und nach der Ausweisung einer dritten Fläche, die nie bestückt wurde, beschlossen die Stadträte, keine weiteren Anlagen zuzulassen.

Seit 2017 und nun seit 1. Januar 2021 haben sich die Regelungen und die Vergütung gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geändert. Vor allem Anlagen in "benachteiligten landwirtschaftlichen Gebieten" rücken wieder in den Fokus, weil hier Solarstrom zu Preisen von rund fünf Cent pro Kilowattstunde erzeugt werden kann. Diese Projekte können zudem als Bürgersolarparks mit 15 Hektar Fläche betrieben werden, wozu einzelne Leute sich zusammenschließen.

Das heißt: Freiflächen-PV rechnet sich wieder deutlich; die Leistung der Anlagen hat sich um 400 Prozent gesteigert, bei einer Viertelung der Herstellungspreise. Und: Wesentliche Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes sehen Gutachter nicht.


Tausenden Photovoltaik-Anlagen droht das Aus


Inzwischen liegen im Rathaus immerhin fünf Anträge zum Bau von Anlagen auf Freiflächen vor. Eine davon liegt offenbar wiederum in Kirchfembach, was einige Bürger beunruhigt. Der bestehende Solarpark schmiegt sich zwar relativ harmonisch hinter dem Bahndamm ans Gelände, doch der neue Plan könne zu viel des Guten sein, so fürchten Anwohner im Gespräch mit den FN.

In einer der nächsten Sitzungen des Bau- und Umweltausschusses soll der Grundsatzbeschluss auf die Tagesordnung gehoben werden.

HANS PETER REITZNER

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