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ÖPNV: Ende der Preisspirale in Sicht

Podiumsdiskussion zeigte, dass sich die Politik neue Gedanken über Tarifstrukturen macht - 22.09.2015 16:00 Uhr

Tickets für Busse und U-Bahnen sollen nicht laufend teurer werden. Bei der Tarifreform orientiert sich Fürth an Nürnberg. Winckler © Archivfoto:


Sieben Teilnehmer saßen auf dem Podium – und alle waren sich weitgehend einig: Der Tarifreform nach Nürnberger Vorbild sollte auch die Stadt Fürth nacheifern. Vielfahrer sollen künftig in den Genuss niedrigerer Abopreise kommen, Gelegenheitsnutzer des ÖPNV für ihre Einzelfahrkarten mehr auf den Tisch legen.

Dass sie morgen für dieses Modell stimmen werden, daraus machten Sepp Körbl (SPD), Dietmar Helm (CSU) und Harald Riedel (Grüne) keinen Hehl. Aber auch infra-Chef Hans Partheimüller und Stephan Stadlbauer vom Sozialforum stehen grundsätzlich hinter diesem Vorhaben. Ulrich Schönweiß von der Linkspartei nannte das für Fürth geplante, ab 9 Uhr gültige Jahresabo für 25 Euro im  Monat hingegen „Augenwischerei“. Die meisten Pendler müssten früher in die Arbeit. „Für die lohnt sich dieses Ticket überhaupt nicht.“ Ähnlich sah es Waltraud Galaske vom Bund Naturschutz.

Die Erkenntnis, dass es bei den Fahrpreisen nicht immer nur nach oben gehen kann, hat sich inzwischen – wie berichtet – auf breiter Front durchgesetzt. Trotzdem fand sich am Samstag noch genügend Stoff, um zu diskutieren. Etwa über die Frage, ob Fürth – wie von Nürnberg gewünscht – aus der gemeinsamen Tarifstufe ausscheren sollte. Für Fahrten über die Stadtgrenze müsste in diesem Fall eine eigene Preisstufe eingeführt werden mit teureren Ticketpreisen.

Infra-Chef Partheimüller machte klar, dass davon auch die infra mit höheren Einnahmen und somit auch die Stadt Fürth profitieren würden. Allerdings würden auch mehr Menschen wieder ins Auto steigen statt in Bus und U-Bahn. „Da müssen noch einige Fragen im VGN geklärt werden“, sagte Partheimüller.

Für Dietmar Helm ist eindeutig: „Wir müssen den Fürther Verkehr stärken, aber auch im Verbund mit Nürnberg bleiben.“ Die Realität sehe eben so aus, dass viele tagtäglich nach Nürnberg pendeln. „Die Preise für den ÖPNV haben attraktiv zu sein, nur dadurch können auch neue Kunden gewonnen werden.“ Auch die Grünen lehnen es ab, die Preisstufen zu trennen. Harald Riedel forderte zudem, den ÖPNV an sich zu verbessern, etwa durch Linienführung und Taktung der Busse. Dass endlich ein Nahverkehrsplan für Fürth erstellt wird, begrüßte er ausdrücklich.

Sepp Körbl, Fraktionschef der SPD, die in Fürth mit absoluter Mehrheit regiert, erinnerte daran, dass es einen guten ÖPNV nicht zum Nulltarif gebe. Bus- und U-Bahnfahrer bräuchten ein faires Gehalt. „Außerdem müssen auch Neuanschaffungen finanziert werden.“ Körbl machte sich dafür stark, erst einmal zu prüfen, welche Konsequenzen es hätte, wenn Fürth die gemeinsame Tarifstufe mit Nürnberg verließe. Er signalisierte aber, dass seine Fraktion dem Ausstieg skeptisch gegenübersteht.

Wie alle anderen Redner warben Stephan Stadlbauer vom Bündnis gegen Fahrpreiserhöhungen und Waltraud Galaske für einen attraktiven ÖPNV mit erschwinglichen Preisen. Galaske sagte zudem: „Wenn die Freiheit jetzt, nach dem Ende der Bauarbeiten an der Neuen Mitte, wieder zu einem Stadtplatz wird und kein günstiger Großparkplatz bleibt, wird es wieder ein Stück unattraktiver, mit dem Auto in die Fürther Innenstadt zu fahren.“ Höhere Parkgebühren und günstigere ÖPNV-Tickets gehen für den BN Hand in Hand.

Diskutiert wurde auch über die Atzelsberger Beschlüsse, denen zufolge die Ticketpreise im VGN Jahr für Jahr um zwei bis vier Prozent angehoben werden. Die Beschlüsse, so Hans Partheimüller, könnten nicht gekippt werden, sie erforderten aber eine Reform. „Wir müssen uns aber klarmachen, dass Fürth nicht der Nabel der Welt ist. Wir können nicht einfach so aus dem Verbundraum ausscheren.“ 

Simon Schübel

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