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Ordnungsamt schließt Fürther Fans vom Derby aus

Die Kleeblattstadt plant ein Betretungsverbot für sieben Anhänger der SpVgg - 14.11.2019 12:36 Uhr

Beim Auswärtsspiel in Sandhausen hing dieses Banner vor der Fürther Fankurve: „Stadt Fürth: Schluss mit Willkür und Schikane! Betretungsverbote stoppen!“ © Foto: Wolfgang Zink


Am Mittwoch ist die Frist abgelaufen, in der sich die sieben Fans der SpVgg Greuther Fürth zu den Vorwürfen schriftlich äußern durften. "Selbstverständlich lesen wir uns das alles durch", sagt Jürgen Tölk, Leiter des Ordnungsamts der Stadt Fürth. In den kommenden Tagen werde sein Referat daraufhin entscheiden, ob die Betretungsverbote auch durchgesetzt werden. Wie es ausgeht, ist Spekulation. Doch Tölk stellt auch klar: "Wir verlassen uns auf die Beurteilung der Polizei, die die Gefahrensituation eingeschätzt hat." Seine Behörde war der Absender der Briefe, die den Empfängern den Besuch des Derbys verbieten sollen.

Darüber hinaus dürfen sie sich am Sonntag in einer Woche in der Zeit von acht bis 20 Uhr in einem genau benannten Gebiet rund um den Ronhof nicht blicken lassen. An diesem 24. November findet das Franken-Derby statt. Der Grund für das Verbot: Die Polizei – in diesem Fall das Präsidium Mittelfranken – ist der Meinung, "auf Grund vorliegender Erkenntnisse" sowie "Erfahrungen und Vorfälle", wie es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der Redaktion heißt, sei es besser, wenn diese sieben Fürther Fans nicht zum Derby gehen.

"Es liegen keine konkreten Straftaten vor"

Das wiederum will Michael Brenner nicht hinnehmen. Der Dauerkartenbesitzer ist einer von mehreren Rechtsanwälten, der die Fan-Initiative "Weiß-grüner Hilfefonds" juristisch berät. Sechs der betroffenen sieben Fans haben sich dort gemeldet, einer ist nun Brenners Mandant. Ob das alle "Ultras" sind? Das entzöge sich seiner Kenntnis. Er sagt: "Sie gehen regelmäßig zu den Spielen."

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(Stadt-)Grenzgänger: Sie waren für Club und Kleeblatt aktiv

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Brenner hat bei der Durchsicht der Vorwürfe in den Schreiben festgestellt, dass dort als Begründung "Vorfälle aufgeführt sind, die aus der Datenbank der Polizei stammen. Aber bei keinem liegen konkrete Straftaten vor". Teils ginge es um Vorfälle, zu denen noch Ermittlungen laufen, teils seien diese bereits eingestellt. Insofern ist für den Anwalt klar: "Ich sehe nicht, dass eine derartige Gefahr von diesen Personen ausgeht." Und trotzdem solle ihnen "das Grundrecht genommen werden, sich frei bewegen zu dürfen". Für die Fürther Fanszene kommen die Betretungsverbote überraschend, neu ist dieses Mittel des Staats bei Spielen im Ronhof nicht. In den vergangenen Jahren gab es bereits Betretungs- und Stadionverbote für Kleeblatt-Fans über eine gesamte Saison, Gäste traf traf es zuletzt beim Spiel gegen Regensburg. Beim anstehenden Derby dürfen 26 Club-Anhänger mit Stadionverbot nicht in den Ronhof.

In Schlägerei verwickelt?

Die Stadt Fürth scheint die Kritik aus der Fanszene ernst zu nehmen. Sogar im Internet-Netzwerk Instagram antwortet sie auf einen Eintrag: "Diese (sieben Personen, d. Red.) sind laut @polizeimfr bereits mehrfach bei kritischen Fußballspielen durch aggressives Verhalten auf- und teilweise straffällig geworden und deshalb bei der Polizei aktenkundig." Offenbar, so vage drückte sich Fürths Polizeichef Michael Dibowski jüngst auf einer Bürgerversammlung aus, spiele eine Schlägerei von Kleeblatt- und Club-Fans am Nürnberger Hauptbahnhof im September eine Rolle. Das Polizeipräsidium Mittelfranken wiederum erklärt, grundsätzlich sei es "für die Erteilung eines solchen Betretungsverbotes nicht erforderlich, dass eine Verurteilung vorliegt. Auch die Häufigkeit von Vorfällen spielt beispielsweise eine Rolle".

Martin Curi, Leiter des Fanprojekts Fürth, ist darüber entsetzt. "Wir sollen Jugendlichen rechtsstaatliche Prinzipien vermitteln. Dazu gehört: Man ist unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist", schimpft der Soziologe. "Hier werden Leute von einem Fußballspiel ausgeschlossen. Das torpediert unsere pädagogische Arbeit. "Von Besonnenheit, von der in der Sicherheitsbesprechung mit Polizei, Stadt und Fanprojekt vor dieser Saison noch die Rede war, merke er nichts mehr. Bereits dreimal habe er in diesen Tagen beim Ordnungsamt um ein klärendes Gespräch gebeten und sei abgeblitzt. "Die Polizei hat ja ein Sicherheitskonzept für das Derby. Wir würden uns wünschen, dass sie selbst darin Vertrauen hat."

Martin Schano E-Mail

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