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Paketfrust bei Fürthern: Wenn der Postmann keinmal klingelt

Anwohner der Nürnberger Straße müssen ihre Pakete in der Herrnstraße abholen - 22.04.2021 16:00 Uhr

Wie kann es sein, dass Pakete nicht wenigstens in der nahegelegenen Annahmestelle landen? Die Post spricht von einem „flexiblen“ und „komplexen“ System.

20.04.2021 © Sina Schuldt/dpa


Viele haben das wohl schon mal erlebt: Sehnsüchtig wartet man in den eigenen vier Wänden auf ein Paket, traut sich kaum auf die Toilette, verschiebt Termine, doch das Paket kommt einfach nicht. Wenn man dann am Abend in den Briefkasten schaut und dort tatsächlich eine Benachrichtigungskarte vorfindet, auf der steht, man sei nicht angetroffen worden, schießt einem die Zornesröte ins Gesicht.


Paket-Flut wegen Corona: So arbeitet die Nürnberger Post


Einer Leserin aus der Nürnberger Straße ergeht es zurzeit sogar regelmäßig so, mit dem Paketdienst DHL. Auch andere Nachbarn im gleichen Haus beklagen das Problem, erzählt sie: Die Klingel blieb stumm, obwohl die jeweiligen Empfänger zuhause waren.

Doch an dieser Stelle endet der Frust nicht. Statt zum nahegelegenen DHL-Shop in der Nürnberger Straße ging das Paket in die deutlich weiter entferntere Annahmestelle in der Herrnstraße. Besonders für ältere oder wenig mobile Anwohner sei der weite Weg eine Zumutung.

In der Tat erscheint es zunächst schwer nachvollziehbar, Kunden in die Südstadt zu schicken, wenn ein anderer DHL-Shop um die Ecke liegt. Die Deutsche Post/DHL erklärt das mit einem "flexiblen" und "komplexen" System: "Bereits vor der Fahrt wird in der Regel festgelegt, in welche Annahmestelle Pakete kommen, die nicht zugestellt werden", sagt Klaus-Dieter Nawrath aus der Pressestelle Süd des Unternehmens. "Es kann sein, dass manche Filialen näher am Kunden liegen, aber die Frage ist, ob die Annahmestellen noch Kapazitäten haben. Das entscheidet nicht der Fahrer, sondern der Betriebsverantwortliche."

Es könne dabei vorkommen, dass sich während der Fahrt kurzfristig noch Änderungen ergeben und ein Paket doch an einen anderen Ort geliefert wird. Bestes Beispiel dafür ist die Filiale in der Nürnberger Straße: Obwohl es sich um eine Annahmestelle handelt, musste sich der Inhaber schon mal eigene Pakete in der Herrnstraße abholen, so absurd es klingt. Da kennt dann auch das DHL-System kein Pardon.

"Keine Auffälligkeiten"

Aus Mangel an Alternativen, berichtet die Leserin, sei der Andrang in der Herrnstraße aber enorm: Bis zu 20 Minuten müsse man warten, um endlich an sein Paket zu kommen. Nicht ideal in Corona-Zeiten. Beschwerden seien an der Tagesordnung.

Doch diese Klagen kommen offenbar nicht bei der Post an. "Uns sind keine Auffälligkeiten oder besondere Reklamationen aus diesem Gebiet bekannt", sagt Nawrath, räumt aber ein: "In einem großen Betrieb wie das bei uns der Fall ist, geht auch mal etwas schief, auch wenn wir das immer vermeiden wollen." Eine Alternative zur Herrnstraße kann zwar die Hauptpost sein – doch auch hier verweist Nawrath auf das Kapazitätsproblem.


Deutsche Post schlägt Sonntagszustellung für Pakete vor


Nur: So weit sollte es gar nicht kommen, wenn der Paketempfänger zuhause ist. Dass ein Fahrer nicht klingelt oder alle Pakete eines Hauses einfach bei einem Nachbarn abgibt, weil ihm das womöglich Zeit spart, kann nicht im Sinne des Erfinders sein. Dem stimmt auch Nawrath zu und verweist auf die Vorgaben von DHL: "Ein Fahrer muss immer klingeln und zuerst prüfen, ob ein Empfänger daheim angetroffen wird. Wenn das nicht der Fall ist, soll eine Ersatzzustellung bei einem Nachbarn erfolgen, wo aber auch nicht alle Pakete eines Hauses auf einen Schlag abgeliefert werden sollen. Erst wenn das nicht klappt, kommen die Pakete in die Annahmestelle."

Das gelte übrigens auch, wenn ein Kunde im dritten Stock ohne Aufzug wohnt. Nawrath betont auch, dass die Fahrer die Vorgaben kennen müssen, denn: "Sie sind alle Angestellte der Deutschen Post/DHL und werden auch tariflich entlohnt."

Anruf beim Kundenservice

Der Pressesprecher appelliert, sich bei Fehlern oder Unzufriedenheit immer beim Kundenservice der Post zu melden (Tel. 0228/4333112). "Nur so können wir im Detail nachvollziehen, was schief gelaufen ist, oder feststellen, wenn sich in einem Gebiet die Probleme häufen, und gegebenenfalls reagieren. Wir wollen ja, dass die Kunden zufrieden sind."

Dann könne man auch darüber nachdenken, eine weitere Annahmestelle zu schaffen oder anderweitig die Kapazitäten zu erhöhen.

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