15 Monate Corona

Pandemie: Die Fürther Wirtschaft kommt mit blauem Auge davon

30.6.2021, 06:00 Uhr
Kundinnen und Kunden wollen wieder verstärkt Kleidung kaufen. Den Textilhandel in Fürth freut’s.

Kundinnen und Kunden wollen wieder verstärkt Kleidung kaufen. Den Textilhandel in Fürth freut’s. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Die Unsicherheit wegen der ständigen Änderungen der Corona-Regeln, betonte Maike Müller-Klier, die Leiterin der IHK-Geschäftsstelle in Fürth, hätte der Wirtschaft zuletzt die größten Probleme bereitet. Doch nun geht es bergauf: "Wir merken einen deutlichen Rückgang der Anrufe von Unternehmen, die Hilfe brauchen", sagte sie am Montag im kommunalen Wirtschaftsausschuss. Es mache sich wieder Zuversicht breit, die Investitionsbereitschaft steige leicht und die Betriebe "gehen überwiegend positiv in die Zukunft".

Trotzdem gibt es laut dem Wirtschaftsreferenten seit März 2020 etwas über 20 Insolvenzen zu verzeichnen. Davon wiederum hätten nur "ein paar" unmittelbar mit Corona zu tun. Verglichen mit Erlangen oder Nürnberg gehe es Fürth zudem mit "einer guten Handvoll" Leerständen ganz gut. Er ist zuversichtlich, dass in die verwaisten Geschäfte schnell wieder Leben einzieht: "Wir sind guter Dinge, dass wir besser als andere Städte aus Corona herauskommen."

Freilich gibt es Branchen, die die Pandemie besser wegstecken als andere. Auf der Gewinnerseite steht etwa das verarbeitende Gewerbe in der Kleeblattstadt: Hier stieg der Umsatz im Zuge der Krise zwischen zehn und 20 Prozent. Zu den Verlierern zählt bekanntlich die Gastronomie. Das Personal hat sich OB Jung zufolge inzwischen anderweitig orientiert und fehlt vom Felsenkeller bis zur Gustavstraße. Dennoch: "Die Dramen hat die Gastronomie überstanden", sagt Jung. Immerhin ist ihm kein Restaurant bekannt, das coronabedingt schließen musste.

Keine Lust auf Veränderungen?

Auch der Arbeitsmarkt steht passabel da – zu verdanken ist das insbesondere dem Instrument der Kurzarbeit. Die Zahl der Jobsuchenden ist Jung zufolge im Zuge der Pandemie um etwa einen Prozentpunkt auf nun über sechs Prozent gestiegen. Doch die Jugendlichen trifft die Krise hart: Inzwischen gebe es einen zweiten Corona-Jahrgang von Schülerinnen und Schülern, der laut Müller-Klier kaum an Praktika herankommt. "Der Fachkräftemangel holt uns ein, wir müssen alles tun, um die jungen Leute auf den beruflichen Weg zu bringen", mahnte sie.

Hart getroffen hat das Virus auch den Tourismus. Die Übernachtungszahlen in Fürth sind während der Pandemie um 75 Prozent eingebrochen. Der Wirtschaftsreferent verbreitet dennoch Hoffnung: "Das letzte halbe Jahr habe ich mehr Anfragen von Hotelbauern bekommen als in den letzten 24 Jahren." Weiteres Sorgenkind: die Mobilität. Nach wie vor sind die Fahrgastzahlen weit vom Vor-Krisen-Niveau entfernt. Eingebrochen ist ebenso die Zahl der Umzüge; von monatlich 500 auf 300. "Die Menschen scheuen Veränderungen", lautet die Erklärung des Rathauschefs.

Er spüre außerdem, dass der Handel noch mit der Zurückhaltung der Kundinnen und Kunden zu kämpfen habe, betonte er im Ausschuss. Wolfgang Bauereiß, der neue Sprecher der Fürther Einzelhändler, bemerkt davon allerdings nichts. "Speziell im Textilbereich haben wir eine Nachholbereitschaft gespürt", erwiderte Bauereiß, der selbst in der Branche tätig ist. Er führt die Street-One-Filiale in der Fußgängerzone und die s.Oliver-Filiale in der Neuen Mitte.

Trotz des insgesamt recht positiven Zwischenfazits mahnte Jung dazu, am Ball zu bleiben. "Wir dürfen keine Nachlässigkeit aufkommen lassen", sagte er mit Blick auf die nachlassende Impfbereitschaft in Bayern. Denn der 26. April, als die Sieben-Tage-Inzidenz in Fürth den bisherigen Höchstwert von knapp über 300 erreicht hatte, liege noch nicht weit zurück.