Donnerstag, 24.10.2019

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Per App zum Taxi: Digitalfunk endlich auch in Fürth

Funksprüche im Wagen gehören der Vergangenheit an - Schlusslicht in Deutschland - 12.06.2019 10:55 Uhr

Schneller das geeignete Taxi finden: Das soll in Fürth künftig per Digitalfunk möglich sein. Andere Städte nutzen diese Technik schon seit Jahren. © Horst Linke


In der Taxi-Zentrale, der Genossenschaft der Fürther Taxi-Unternehmer, hängt noch ein Schild aus längst vergangenen Tagen. „Ihr Taxi-Ruf Fürth“, ist darauf zu lesen. Und: „Moderne Funktaxen“. Abgebildet ist ein Mercedes aus den 1960er Jahren. „Damals waren die Taxis noch schwarz“, erinnert sich Thomas Malter. Abgesehen davon findet er, der im Vorstand der Taxi-Zentrale sitzt, das Schild wieder recht aktuell.

Im Moment nämlich werden nach und nach alle Taxis der Kleeblattstadt auf den Digitalfunk umgestellt. Fürth ist damit bundesweit das Schlusslicht. Nürnberg etwa hat hier Pionierarbeit geleistet und funkt bereits seit 20 Jahren digital, in Erlangen sind es immerhin mindestens zehn Jahre.

Nun also auch Fürth. Die Vorteile liegen für Malter und seine beiden Vorstands-Kollegen Ramona Deska und Fehmi Kozan auf der Hand. Anstelle der Funksprüche aus der Zentrale, die jedes Taxi erreichten und die Fahrgäste stets als Hintergrundgeräusch wahrnahmen, bekommen die Fahrer ihren nächsten potenziellen Auftrag in Textform auf einen Bildschirm geschickt.

In Zukunft läuft es so: Wenn Kunden anrufen und um einen Wagen bitten, drückt die Vermittlung nur noch eine Taste. Das System erkennt dann selbständig, welches Taxi sich gerade in der Nähe befindet. Dieses kriegt dann die Anfrage übermittelt und kann sie annehmen. Kommt innerhalb einer gewissen Zeitspanne keine Zusage, geht die Nachricht an den nächsten Wagen weiter. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert die App ("taxi deutschland" und "cab4me"), mit der man voraussichtlich ab Herbst ein Taxi ordern kann.

Das Navi kann zugeschalten werden

Aber das neue Funksystem, das in den Autos wie ein etwas größeres Navigationsgerät daherkommt, kann noch mehr. Beispielsweise ist nun die Nummer des Kunden hinterlegt, so dass der Fahrer in Zweifelsfall direkt dort anrufen kann und nicht mehr den Weg über die Zentrale gehen muss. Mit einem Klick kann er außerdem das Navi zuschalten, das ihn, ohne lästiges Eingeben, zur richtigen Adresse lotst. Ramona Deska erhofft sich von der Umstellung außerdem, dass es künftig einfacher wird, Personal für die Zentrale zu finden. Der Funk, so Deska, sei für viele eine Hemmschwelle gewesen.

Er wird künftig nur noch ein Ausnahmefällen gebraucht. Etwa, wenn eine Bahnstrecke gesperrt werden muss und Taxis als Schienenersatzverkehr eingesetzt werden. Dann werden alle Fahrzeuge angefunkt, um möglichst viele zu aktivieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Fahrgast den Funk nicht mehr mithört. Das sei aus Datenschutzgründen besser, sagt Deska.
Seit einiger Zeit läuft der Digitalfunk im Probebetrieb. Selbst die Skeptiker unter den knapp 70 Fürther Taxifahrern seien inzwischen überzeugt, sagt Fehmi Kozan. Im Herbst wird dann endgültig umgestellt.

Bleibt die Frage, warum das so lange gedauert hat. Zunächst habe man das passende System und einen Konsens unter den Mitarbeitern finden wollen, sagt Malter. Einige Wechsel in der Vorstandschaft und die Einarbeitung hätten zusätzlich Zeit in Anspruch genommen.

Gwendolyn Kuhn

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