Pfisterschule «schon beerdigt»

29.1.2010, 00:00 Uhr
«Wir hatten nicht im Sinn, eine Schule abzuschaffen»: Claus Binder, Konrektor und BLLV-Funktionär.

«Wir hatten nicht im Sinn, eine Schule abzuschaffen»: Claus Binder, Konrektor und BLLV-Funktionär. © Scherer

Herr Binder, bei der Schulleiter-Konferenz haben Sie erst vor kurzem für ein Verbundmodell gestimmt, in dem die Fürther Pfisterschule nicht mehr auftaucht. Zwei Tage später traten Sie als BLLV-Funktionär gemeinsam mit der Lehrergewerkschaft GEW vor die Presse und fordern den Erhalt der «Pfister». Wie erklären Sie den Sinneswandel?

Binder: Es gab in letzter Zeit so viele Äußerungen von der Stadt und vom Staatlichen Schulamt, aus denen klar hervorging, dass die Pfisterschule nicht überleben kann, dass für uns Schulleiter und Konrektoren diese Entscheidung längst getroffen war. Die Pfisterschule war in den Köpfen einfach schon beerdigt. Ich bin sicher: Keiner von uns hat bei dem Votum daran gedacht, dass wir auch über die Pfisterschule abstimmen. Wir haben nur die Hand gehoben, um bei der Reform einen Schritt weiter in Richtung Mittelschule zu kommen.

Sie und Ihre Kollegen kannten aber doch die verschiedenen Schulverbundmodelle. Sie wussten seit Wochen, dass die Pfisterschule in dieser Variante als abgeschafft gilt. Und Sie haben mitbekommen, dass sich die beiden Leiter der Pfisterschule nicht an der Abstimmung beteiligten . . .

Binder: Das stimmt. Aber ich kann es nur wiederholen: Wir haben die Hand nicht gegen die Pfisterschule erhoben, sondern lediglich für eine Weiterarbeit in Richtung Mittelschule.

Sie hätten aber Vorbehalte äußern können. Klar machen können, dass Sie für dieses Verbundmodell sind, allerdings nur mit der Pfisterschule . . .

Binder: Da haben Sie Recht. Das hätten wir tun müssen. Aber ich möchte das noch einmal klarstellen: Wir Schulleiter und Konrektoren hatten nicht im Sinn, eine Schule abzuschaffen.

Was erwarten Sie nun? Sollen die Fürther Stadträte, die demnächst über das weitere Prozedere zu entscheiden haben, Ihren «Fehler» ausbügeln und die Pfisterschule doch wieder in die Reformdebatte aufnehmen?

Binder: Ich denke nicht. Ich glaube nach wie vor, dass die Entscheidung, auch wenn ich sie nicht gutheiße, gefallen ist, und ich möchte auch nichts blockieren. Ich bin Realist, und aus meiner Sicht hat die Pfisterschule keine Chance. Deshalb denke ich, ein klarer Schlussstrich wäre gut - übrigens auch für die Schüler, damit sie endlich wissen, woran sie sind.

Warum aber haben Sie sich dann mit der GEW für den Erhalt der Pfisterschule stark gemacht?

Binder: So massiv habe ich das nicht getan. Der späte Protest ging mehr von der GEW aus als von uns. Ich halte die Schließung kleiner Schulen im Zuge der Reform nicht für richtig, aber ich akzeptiere es, wenn die Stadt aus finanziellen Gründen keine Perspektive für die Pfisterschule sieht.

Man munkelt, dass Waltraut Lieret in Kürze als BLLV-Kreisvorsitzende zurücktritt und Sie sie beerben wollen. Was ist dran an den Gerüchten?

Binder: Mein Name wird da genannt, aber die Entscheidung treffen die BLLV-Mitglieder bei der Vorstandswahl im Februar.

Interview:

BIRGIT HEIDINGSFELDER