Pfisterschule steht vor dem endgültigen Aus

21.1.2010, 00:00 Uhr
Sie haben demonstriert und persönlich beim Bürgermeister vorgesprochen: Nun sieht es ganz so aus, als ob die Pfisterschüler umsonst für den Erhalt ihrer Schule gekämpft haben.

Sie haben demonstriert und persönlich beim Bürgermeister vorgesprochen: Nun sieht es ganz so aus, als ob die Pfisterschüler umsonst für den Erhalt ihrer Schule gekämpft haben. © Roland Huber

Wie berichtet, hat der Freistaat vor dem Hintergrund schwindender (Haupt-)Schülerzahlen eine Reform der Hauptschule angeordnet. Entstehen sollen Mittelschulen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Eine Mittelschule muss demnach die drei berufsorientierenden Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales anbieten, mindestens ein Ganztagsangebot vorhalten und neben einfachem und qualifizierendem Hauptschul- einen mittleren Schulabschluss ermöglichen. Zu diesem Zweck regt das Kultusministerium an, so genannte Schulverbünde zu bilden und die gesamten Angebotspalette unter diesem gemeinsamen Dach vorzuhalten.

Stadtrat entscheidet

In Fürth standen vier solcher Verbundvarianten zur Debatte. Auf eine davon haben sich die Leiter der Hauptschulen nun mit einem einstimmigen Votum verständigt. Das Modell sieht einen Nordwestverbund vor, dem die Hans-Sachs-Schule in Stadeln, die Soldnerschule auf der Hardhöhe und die Schickedanzschule am Finkenschlag angehören. Ferner gibt es einen Nordostverbund aus Seeacker-, Pestalozzi- und Maischule sowie einen Südverbund aus Kiderlin- und Schwabacherschule. Der Nordwestverbund wäre der größte Zusammenschluss mit 983 Schülern, die beiden anderen Verbünde kämen auf jeweils rund 580 Schüler.

Bürgermeister und Schulreferent Markus Braun verweist zwar darauf, dass mit dem Schulausschuss und dem Stadtrat im Februar die politischen Gremien ihren Segen geben müssen. Er sagt aber auch: «Ich bin froh, dass dieses zögernde Abwarten jetzt ein Ende nimmt und glaube, auch die Schulleiter sind erleichtert, dass wir jetzt einen entscheidenden Schritt weiter sind.» Da Rektoren und Konrektoren nun wüssten, mit wem sie aller Voraussicht nach das Modell Mittelschule mit Leben erfüllen werden, könnten sie sich nun daran machen, Absprachen zu einer Umsetzung der Vorgaben zu treffen.

Vergleichsweise wenig ändern dürfte sich für die zwei großen Schulen im Nordwestverbund. «Wir könnten morgen starten», sagt Gerhard Kastl, der Leiter der Schickedanzschule. Schließlich sei an seiner und an der Soldnerschule auf der Hardhöhe schon «die komplette Infrastruktur vorhanden» - zehn M-Klassen inklusive, denn die Schickedanzschule bietet als einzige Hauptschule in Fürth derzeit die Mittlere Reife an. Alle drei berufsorientierenden Zweige gebe es auch an der Hans-Sachs-Schule. «Ob das so bleiben soll, müssen wir besprechen», meint Kastl.

Hans Peter Haas, Leiter der Pestalozzischule, ist froh über den Verbund mit Seeacker- und Maischule, weil er mit fast 600 Schülern zukunftsfähig ist und weil die Häuser so nah beieinander liegen, dass die Schüler zu Fuß oder mit dem Rad pendeln können.

Grundsätzlich aber findet er ebenso wie Kastl, dass das Projekt Mittelschule bildungspolitisch eine Kompromiss- und keine Ideallösung sei. «Viel lieber wäre mir eine längere gemeinsame Grundschulzeit mit Ganztagsangebot», sagt Haas. Dreh- und Angelpunkt für ihn wie für viele seiner Kollegen ist nun die Frage, ob ihnen das Kultusministerium Stundenkontingente zubilligt, die auch die erwünschte intensive individuelle Förderung der Schüler erlauben. «Wenn wir jetzt anfangen, konkret zu planen, können wir nur darauf vertrauen, dass wir auch mehr Stunden bekommen.» Noch aber fehlt der Mittelschule in Bayern die gesetzliche Grundlage. Wohl erst im Sommer wird der Landtag das Gesetz beschließen. Laut Haas geben er und seine Verbund-Partner demnächst trotzdem schon mal einen Brief an die Eltern der Viertklässler heraus, in dem sie darüber informieren, dass alle drei Schulen im Herbst M-Kurse für die siebten Klasse starten wollen.