Pflegewerk für den innerstädtischen Handel

13.4.2010, 00:00 Uhr

© Hans-Joachim Winckler

Die Zahlen sprechen für sich: Von 27 Prozent im Jahre 1997 ist der innerstädtische Verkaufsflächenanteil bis August 2009 auf 20 Prozent geschrumpft. Und das ist noch großzügig gerechnet, wird doch Saturn mit zum Zentrum gezählt. Während in der Innenstadt rund um die Fußgängerzone 5000 Quadratmeter Ladenflächen verloren gingen, legten sie im übrigen Stadtgebiet 57 000 Quadratmeter zu. 31 Prozent der Innenstadt-Läden stehen leer – ein extrem hoher Wert, wie GfK-Marktforscher Wilfried Weisenberg betont.

Die größten Lücken klaffen im City-Center. Die Fußgängerzone selbst weist nur drei Prozent Leerstand auf. Ein Lichtblick, den Weisenberg auf die konzentrierte Arbeit der Fürther Innenstadtbeauftragten Karin Hackbarth-Hermann und die einzigartigen städtischen Umzugsbeihilfen für Geschäftsleute zurückführt.

Mehr Schuhe, bitte

Problematisch sind nach GfK-Einschätzung nicht nur planlos gewachsene Geschäftsadressen wie die Hans-Vogel-Straße mit Sortimenten, die eigentlich das Zentrum auszeichnen sollten, sondern auch klare Defizite im innerstädtischen Angebot. Viel zu gering erscheint den Marktforschern der 17-prozentige Anteil von Schuhen im Sortiment des Zentrums. Daneben attestieren sie ein Defizit bei Nahrungs- und Genussmitteln, Büchern und Schreibwaren, Foto und Optik, Elektronik, Textil, Uhren und Schmuck.

Die nächsten fünf bis zehn Jahre muss die Kommune, so Weisenberger, alles daransetzen, ihr Zentrum zu profilieren. Dazu gehören klare Absagen zur Ansiedlung innenstadtrelevanter Sortimente wie Sport- und Outdoor-Artikel außerhalb des Stadtkerns. Selbst Drohungen der Ansiedlung jenseits der Stadtgrenzen müsse die Kommune widerstehen, will sie nicht riskieren, ihr Gesicht zu verlieren. Besonderes Augenmerk empfiehlt der Marktforscher den Stadträten im Hinblick auf Sortimente des täglichen Bedarfs. Denn sie sind nötig, um die Innenstadt als Wohnadresse attraktiv zu halten. Im übrigen Stadtgebiet sollten außerhalb der etablierten Nahversorgungszentren keine neuen Geschäfte mehr angesiedelt werden. Schon das auf dem Reichsbodenfeld geplante Einkaufszentrum ist für Weisenberger problematisch, weil es dem Oberfürberger Geschäftszentrum Kaufkraft abzuziehen drohe. Letzteres könne allerdings von der – umstrittenen – Besiedlung des Neubaugebietes am nördlichen Ortsrand profitieren. Um die Sortimentsentwicklung unter Kontrolle zu behalten, werden im Wirtschaftsreferat auch »schmerzliche Sanktionen» erwogen. Eine beispielhafte Vereinbarung hat die Stadt mit Möbel Höffner getroffen. Der Wirtschaftsausschuss hat das 120-seitige Einzelhandels- und Zentrenkonzept der GfK zustimmend zur Kenntnis genommen. Was dieses Plazet wert ist, wird sich bei der ersten Entscheidung über eine problematische Ansiedlung herausstellen. Ganz gleich, wie mit ihr umgegangen wird, hat die Studie hat dennoch einen praktischen Wert für Fürth. Sie ist Voraussetzung dafür, dass die Kommune auch künftig noch Mittel der Städtebauförderung einstreichen kann.