Pläne für das "einzige Jugendstilbrauhaus der Welt“

3.9.2015, 08:36 Uhr
Das markante Sudhaus an der Schwabacher Straße (linkes Bild: im Vordergrund von außen, rechtes Bild: Blick von der Empore auf die großen Brauereikessel) könnte eines Tages ein höchst ungewöhnliches Jugendstilbrauhaus beherbergen.

Das markante Sudhaus an der Schwabacher Straße (linkes Bild: im Vordergrund von außen, rechtes Bild: Blick von der Empore auf die großen Brauereikessel) könnte eines Tages ein höchst ungewöhnliches Jugendstilbrauhaus beherbergen. © Fotos: Mark Johnston

Mächtige Kupferkessel, schwindelerregend hohe Fenster, die Scheiben bleigefasst, Messing, Marmor, Stuck: Das Sudhaus verlangt seinen Besuchern andächtiges Staunen ab, fast wie eine Kathedrale. „Hier wurde Bier gebraut“, verkündet Isabel Fürsattel, Geschäftsführerin der Immobilienfirma MIP. Der schlichte Satz will so gar nicht passen in der atemberaubenden Umgebung.

Das Sudhaus ist Teil eines Gebäudekomplexes, der 7500 Quadratmeter Raum umfasst und eine lange Geschichte hat. Erbaut wurde er 1887 als Humbser Brauerei, das Jugendstil-Brauhaus kam 1911 hinzu. 180 Jahre betrieb die Humbser Bräu die Brauerei, ab Mitte der 1960er Jahre veränderte eine Reihe von Fusionen und Übernahmen – Geismann, Patrizier, Tucher — die Eigentumsverhältnisse immer wieder.

Mit dem Wegzug der Firma Tucher 2008 an die Stadtgrenze fiel der Komplex in einen Dornröschenschlaf, der zumindest für ein Gebäude abrupt endete: Das Gärhaus mit dem Hopfenspeicher aus dem Jahr 1896 fiel den Bauarbeiten an Stadtvillen und Mehrfamilienhäusern auf dem früheren Tucher-Areal zum Opfer. Denkmalschützer hatten zu spät versucht, den Abriss zu verhindern.

Das markante Sudhaus an der Schwabacher Straße (linkes Bild: im Vordergrund von außen, rechtes Bild: Blick von der Empore auf die großen Brauereikessel) könnte eines Tages ein höchst ungewöhnliches Jugendstilbrauhaus beherbergen.

Das markante Sudhaus an der Schwabacher Straße (linkes Bild: im Vordergrund von außen, rechtes Bild: Blick von der Empore auf die großen Brauereikessel) könnte eines Tages ein höchst ungewöhnliches Jugendstilbrauhaus beherbergen. © Fotos: Mark Johnston

Unter dem Titel „Malzböden“ will die Firma MIP der Fürther Unternehmerfamilie Streng als neue Eigentümerin in der verbliebenen Altbausubstanz des eindrucksvollen Baudenkmals Raum für Gewerbe, Einzelhandels-, Ausstellungs- und Büroflächen plus rund 180 Pkw-Stellplätze schaffen. Bei einem Rundgang sprach Fürsattel von einem Investitionsvolumen im unteren zweistelligen Bereich.

Der Denkmalschutz, versicherte sie, habe für die auf Altbausanierungen spezialisierte Firma Priorität. Man wolle erhalten, was irgendwie möglich ist. Denn: „Wir lieben dieses alte Gebäude.“ Schon Ende 2014 hatte sich das Landesamt für Denkmalpflege vom Umgang des Investors mit dem historischen Bestand angetan gezeigt. Der OB betonte nun, das Bauamt habe ihm einen „vorbildlichen Umgang mit dem Denkmalschutz“ bestätigt.

Geplant ist, das Sudhaus in ein Brauereilokal zu verwandeln, in dem die Gäste Speisen und Getränke zwischen den großen Kupferkesseln zu sich nehmen. Fürsattel schwebt ein „Tageslokal“ mit begrüntem Biergarten vor. Der Außenausschank könnte im Portiershäuschen untergebracht werden, das über Zapfanlage und Kühlraum verfügt. Einen Pächter gibt es noch nicht.

Im repräsentativen Verwaltungsgebäude mit Wandvertäfelungen und kunstvoll geätzten Fensterscheiben wären Kanzleien und Arztpraxen vorstellbar. Für manche Flächen auf dem Gelände gibt es schon Mieter. So will sich das Klavierhaus Kreisel (bisher Fußgängerzone) in den „Malzböden“ niederlassen, der Künstler und Neu-Fürther Josef Hirthammer richtet sein Atelier im Bereich des alten Kesselhauses ein, das Fahrradgeschäft South Park Cycles zieht hierher um und der Bio-Fachmarkt ebl verlegt seine Filiale an der Schwabacher Straße hierher. Vertriebsleiter Jürgen Oswald sagte, ebl wolle am neuen, größeren Standort auch einen Imbissbereich mit Mittagstisch anbieten.

ebl zieht in einen Neubau ein, den MIP an der Johann-Geismann-Straße plant. Auch für dieses neue Gebäude, in dem auf drei weiteren Etagen Wohnungen entstehen sollen, hat MIP Bauantrag gestellt. Die ersten Mieter möchten Anfang 2016 einziehen.

OB Jung will sich nun „persönlich dafür verwenden“, dass das Baugenehmigungsverfahren für das Gesamtprojekt „zügig zum Abschluss kommt“.

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