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Pläne für den Fürther Lokschuppen: So reagiert die Kofferfabrik

Matthias Boll
Matthias Boll

Lokalredaktion Fürth

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29.8.2021, 16:00 Uhr
Heiß diskutiertes Bahndenkmal: Der Lokschuppen nahe der Stadtgrenze soll ein generationenübergreifender Hort der Soziokultur werden. Fragt sich nur, wer in Zukunft das Sagen hat – und wer mitmacht.

© Foto: Tim Händel Heiß diskutiertes Bahndenkmal: Der Lokschuppen nahe der Stadtgrenze soll ein generationenübergreifender Hort der Soziokultur werden. Fragt sich nur, wer in Zukunft das Sagen hat – und wer mitmacht.

Das Bahndenkmal aus dem Jahr 1860 - geplanter Start der Sanierung: Frühjahr 2023 - soll, geht es nach OB Thomas Jung, gleichermaßen für Senioren-Tanztees attraktiv sein wie für die freie Szene und "Gruppen aus der Kofferfabrik". Just dort aber hält sich der Enthusiasmus in überschaubaren Grenzen. "Ich bin ein großer Befürworter eines selbst verwalteten Zentrums für 15- bis 25-Jährige. Diese Altersgruppe muss sich austoben und ausprobieren dürfen", sagt Koffer-Chef Udo Martin. Die Kofferfabrik sei jedoch nicht verpflanzbar, "als könne man einfach mit Sack und Pack umziehen und fertig".

Wichtiger sei, dass sich Lokschuppen und Kofferfabrik "gegenseitig befruchten könnten", zumal die räumliche Nähe es dem Publikum möglich mache, nach Lust und Laune zu pendeln. Für beide Konzepte sei im Lokschuppen aber kein Platz.

Im Übrigen störten ihn, Martin, die "permanenten Abgesänge auf die Kofferfabrik", die aktuell noch immer auf die in Aussicht gestellte Verlängerung des Mietvertrages mit der Immobilienfirma Lauer um vier oder fünf Jahre wartet. Zum einen sei alles andere als klar, dass dann das Ende des Kulturzentrums in der Langen Straße komme; zum anderen "werde ich niemals in fünf Jahren in den Lokschuppen gehen und an den Strukturen rütteln, die dort in der Zeit gewachsen sind".

Wer verwaltet das Haus?

"Die Kofferfabrik kann man nicht durch den Lokschuppen ersetzen", sagt auch Florian Lippmann, Wortführer des Vereins Soziokultur. Es könne ja trotzdem Kooperationen mit dem Haus nahe der Stadtgrenze geben.Wichtigster Gesprächspartner sei jedoch nach der Sommerpause der neue Sozial- und Kulturreferent; Benedikt Döhla tritt am 1. Oktober die Nachfolge von Elisabeth Reichert an und wird Lippmann zufolge mit Forderungen konfrontiert werden, "die der Stadt vermutlich nicht gefallen dürften". Zum Beispiel diese: Der Verein Soziokultur möchte, wie auch von der Grünen-Stadtratsfraktion gefordert, die Verwaltung des Lokschuppens übernehmen und gemeinsam mit anderen Vereinen Programmgruppen gründen.

Der Aufbau von Strukturen bedeute jedoch: Die Stadt muss Stellen schaffen – Verwaltung, Hausmeister, Gastronomie. Lippmann: "Mit ehrenamtlicher Arbeit ist es nicht mehr getan, wenn das vernünftig laufen soll. Ich glaube, das ist der Stadt noch nicht ganz klar."

Im Kern zielt der Verein auf ein generationenübergreifendes Konzept, der Schwerpunkt soll auf der Jugendkultur liegen. Sprich: Seniorentanztee soll hier ebenso laufen wie Spielenachmittage und Workshops. Der Seniorenrat hatte seiner Vorsitzenden Inge Hartosch zufolge die Tanztee-Idee in einem Schreiben an Jung angeregt. Gemütlicher Schwoof zur Hammondorgel im Jugendzentrum? Da haben manche Entscheider womöglich ein falsches Bild im Kopf, wie Martin nicht ohne Ironie wissen lässt: "Senioren, die heute zum Tanztee kommen, waren die Rebellen der 68er-Zeit. Die wollen abrocken und hart feiern."

Lokschuppen? Nur her damit! Der Chef einer Gruppe aus der Kofferfabrik macht kein langes Federlesen: "Der Ort wäre für Theater ideal", sagt Regisseur und TKKG-Boss Markus Nondorf. "Aber nur, wenn ich ihn zur alleinigen Nutzung bekomme." Auf lange Diskussionen und Terminabsprachen mit anderen Vereinen habe er schlicht "keine Lust".

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