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Samstag, 20.04.2019

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Pläne für die Neue Mitte haben sich erledigt

Investor Sonae Sierra setzt nicht mehr auf das Einkaufszentrum - und interessiert sich fürs alte City-Center - 01.07.2009

Der Weg ist frei: Nach dem Rückzug von Sonae Sierra dürfte auch die Zukunft der Rudolf-Breitscheid-Straße als öffentlicher Raum gesichert sein. © Hans-Joachim Winckler


Das bestätigten der städtische Wirtschaftsreferent Horst Müller und der Projektentwickler von Sonae Sierra, Martin Philippen, gestern auf Anfrage der FN. Der Konzern habe an seinem Konzept eines geschlossenen Centers festgehalten, sehe aber keine Möglichkeit, es auf der verbliebenen, seit der Verkaufsweigerung eines Hausbesitzers deutlich geschrumpften Fläche umzusetzen. Man stufe Fürth jedoch «nach wie vor als super Standort ein», so Philippen, und konzentriere sich deshalb nun aufs City-Center.

Er bedauere die Entwicklung zwar, sagt Horst Müller, weil er noch immer große Stücke auf das kreative Potenzial der Portugiesen halte; dennoch sei er froh, dass die für Stadt und Handel ungute Hängepartie beendet ist. Seine Hoffnung für die Zukunft: Durch die Diskussionen über die Neue Mitte sei «die Aufmerksamkeit auf Fürth gelenkt» worden, die «Bereitschaft, etwas zu tun», habe sich erhöht.

Deshalb bleibt Müller zuversichtlich, dass zumindest auf dem Wölfel- und dem Fiedler-Areal ein neuer, allerdings wesentlich kleinerer Einkaufsschwerpunkt entstehen wird. «In diesem Bereich muss etwas passieren», in den verwinkelten und maroden Wölfel-Höfen «sogar kurzfristig», wie Müller meint.

Abstimmung nötig

Interessenten dafür gebe es, doch Müller macht eine klare Einschränkung: In seinen Augen muss der Investor, der den Zuschlag fürs City-Center bekommt, auch an der Rudolf-Breitscheid-Straße aktiv werden, damit beide Projekte aufeinander abzustimmen sind - und eine Konkurrenzsituation auf diese Weise vermieden wird.

Andernfalls torpediere man die inzwischen weit gediehenen Bemühungen um eine neue Nutzung des 24 Jahre alten, in Turbulenzen geratenen City-Centers. Dass diese Bemühungen bereits gefruchtet haben, überrascht Müller, wie er einräumt. Zwar habe er das Center nie ganz abgeschrieben, aber auch nicht erwartet, «dass sich die Lage so schnell ändert». Zu verdanken sei dies dem dreiköpfigen Verwaltungsbeirat, den die 351 Eigentümer eingesetzt haben. Er trieb die Verhandlungen unter wachsendem wirtschaftlichem Druck und mit Unterstützung des Wirtschaftsreferats zügig voran.

Am vergangenen Samstag traf sich die Eigentümergemeinschaft zur entscheidenden Versammlung. Das Ergebnis, das noch vor einigen Monaten kaum jemand für möglich hielt: Der Verkauf des stark sanierungsbedürftigen Einkaufstempels ist nun «grundsätzlich beschlossen», sagte Karin Maul, eine der Sprecherinnen, den FN. Man hoffe, rasch alle notariellen Angelegenheiten über die Bühne zu bringen.

Damit wäre der Weg für neue Besitzer frei, die freilich erst einmal kräftig in einen Umbau des längst nicht mehr zeitgemäßen City-Centers investieren müssten. Fachleute gehen von Kosten von bis zu 80 Millionen Euro aus. Ob die ursprüngliche Größe – 26 000 Quadratmeter Verkaufsfläche – erhalten bliebe, ist mehr als fraglich. Wahrscheinlicher ist, dass der Investor stattdessen auf zusätzliche, noch zu entwickelnde Einkaufsangebote im zuvor für die Neue Mitte reservierten Gebiet setzt. Bisher, heißt es, haben die meisten Bewerber diese Bereitschaft signalisiert. In Müllers Augen müsste dieses kleinere Center zumindest ein Kino und einen großen Textilanbieter aufweisen. Er halte es daher für ratsam, dass die Kommune entsprechende Bedingungen stellt.

Zunächst sind nun aber die Unternehmen aufgefordert, in Kürze ein Angebot für das City-Center abzugeben - das hoffentlich den Vorstellungen der Eigentümer entspricht. Wie diese aussehen, darüber schweigt sich Karin Maul jedoch aus.

Sofern sich die Preisvorstellungen «nicht in schwindelerregender Höhe befinden, ist das aber sicher machbar», meint Horst Müller. Eigentlich hätte er sich gewünscht, die Weichen könnten noch vor der Sommerpause des Stadtrats gestellt werden; dass es gelingt, hält er allerdings für wenig wahrscheinlich. 

Wolfgang Händel

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